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Ungariſches Volksſchulweſen. Ju Stuhlweißenburg iſt ſoeben
eine intereſſante Broſchüre des Grafen Eugen Zichy über das ungariſche
Volksſ weißenbürger Kongregation einen Antrag auf die Bildung von Volk3-
erziehungsvereinen eingebra men. Seither hat der Graf ſeine Vorſchläge detaillirt und einen ein-
gehenden Statutenentwurf der zu kreirenden Vereine auSgearbeitet.
erſelbe wird in dieſem Monat dem Plenum, von einem Sculkomite
befürwortet, vorgelegt werden. Die Vereine bezwe>en die Ueberwachung
des Schulbeſu Schulkinder, die Einbürgerung des Gratisunterrichts, landwirtſchaftliche
Uebungen, die Errichtung von Volks- und Jugendbibliotheken 2c. 2c. In
der Motivirung ſeiner Vorſchläge führt Graf Zi ſchulpflichtigen Kindern in Ungarn mehr als 600 000, d. i. ein Drittel
aller Schulpflichtigen, tatſächlich gar keine Schule beſuchen, die Kinder an
vielen Orten nur 3--4 Monate im Jahre die Schulen beſuchen, Hundert-
tauſende von Sculkindern keine Schulbücher beſitzen, von jenen Kindern,
welche die Schule verlaſſen, nur drei Viertel leſen und ſchreiben können,
ein Viertel aber nur leſen kann, in 200 Gemeinden von über 5000 See-
len i. IJ. 1876 no< keine höhere Volksſhule ſich befand, im Verhältniß
zu den ſchulpflichtigen Kindern in Ungarn 7000 Sculen fehlen, ein Drittel
der Lehrer keine Qualifikation beſitzt u. |. f. Das ſind ſehr traurige
Zuſtände, welche zur Genüge dartun, daß die ungariſchen Volksſchulgeſeße
von 1868 und 1876 eine höchſt mangelhafte Durchführung finden. All'
das hat Graf Zichy in der erwähnten Broſchüre dargelegt. Es ſeien hier
aus der Vorrede zu ſeiner Broſchüre einige markante Stellen mitgeteilt.
Graf Eugen Zichy ſchreibt u. a.: „Es ſ ulegen, aber mein PatriotiSmus iſt zu glühend, als daß 1i< auf die
unde nicht hinweiſen ſollte, als daß ic< es nicht ausſprechen ſollte, die
auf das Wohl des Volkes abzielenden Volksſc nicht - dur durchgeführt, weil fie an vielen Orten einer ſo großen Gleichgiltigkeit be-
gegnen, daß die beften Jnuſtitutionen an derſelben Sciffbruch erleiden
müſſen. Seit vier Jahren vom politiſchen Leben vollſtändig zurügezogen,
waren alle meine Beſtrebungen auf die Entwiädlung der Jnduſtrie ge-
richtet. Meine Bemühungen im Intereſſe der in Verfall geratenden Land-
wirtſchaft, der hinſiehenden Jnduſtrie und des unentwielten Handels in
Ungarn führten mich zu der Ueberzeugung, daß Landwirtſ und Induſtrie ſo lange keine beſſere Richtung einſ mit dem Auslande nicht konkurrenzfähig ſein werden, bis unſer S weſen, als die Grundbedingung jedes Fortſchritts, auf ein höheres Niveau
gehoben erſcheinen wird -- bis unſer Bürgertum auf dieſem Gebiete ein
geiſtiges Kapital erworben hat, welches zu einer erfolgreichen Weiter-
bildung unerläßlich iſt. Das iſt das eigentliche Motiv, we8halb ic< von
meinen Beſtrebungen für die Jnduſtrie ablaſſe und meine Wirkſamkeit
der Hebung des Volksſchulweſens zuwenden will.“ -=-- Das ſind goldene
Worte, und es wäre zu wünſchen, daß ſie in Ungarn au den. Graf Eugen Zichy iſt in ſeinem Vaterlande ſo populär, daß er es
wagen darf, jeinen Lands8leuten die Wahrheit einmal offen ins Geſicht zu
ſagen. Ob ſeine Worte aber auch den gewünſchten Erfolg haben werden,
das iſt bei der in Ungarn herrſ Künſtliche Früchte. Am 5. September d. J. ſind 25 Jahre ver-
gangen, ſeit Herr Kommerzienrat Arnoldi in Gotha die Herausgabe
ſeines Obſtkabinets begann, eine Sammlung nachgebildeter Früchte, welc gegenwärtig in 53 Lieferungen 154 Aepfel, 114 Birnen, 1 Aprikoſe,
2 Pfirſiche. 47 Pflaumen und Zwetſchen enthält. Herr Arnoldi hat ſich
dur< dieſes Unternehmen um Theorie und Praxis des Obftbaues8 große
Verdienſte erworben und allgemeiner Anerkennung zu erfreuen gehabt.
Das Obſtkabinet, deſſen einzelne Exemplare von Pomologen erſten Ranges
beurteilt und beſchrieben wurden, hat ſehr weſentiich zur Beſeitigung der
Verwirrung in der Bezeichnung, ſowie zur genaueren Kenntniß der Obſt-
jorten beigetragen und wegen der Treue der Nachbildungen, der Richtig-
keit der Benennungen, der Zuverläſſigkeit der Beſchreibungen nah und
ſern Eingang gefunden. Ju neuerer Zoit wird dasſelbe nicht nur als
unentbehrliches Lehrmittel in gärtneriſchen und landwirtſchaftlichen Lehr-
anſtalten verwendet, ſondern dasſelbe hat auF& mehrfaH im Muſeum als
Kunſtwerk einen ihm gebührenden Platz eingenommen. Möchte es Herrn
Arnoldi vergönnt ſein, das Obſtkabinet im Intereſſe der Wiſſenſchaft noch
viele Jahre fortzuſezen und dieſe wertvolle Sammlung durch neue Liefe-
rungen zum Nutzen engerer und weiterer Kreiſe zu vergrößern.
(Goth. Ztg.)
Kurze Mitteilungen. Zm deutſchen Reiche giebt es, wie das
„Päd. Litbl.“ mitteilt, 96 Taubſtummenanſtalten, davon in Preußen
53, in Baiern 14, in Württemberg 7, in Sachſen 4, in Elſaß-Lothringen 3,
in Baden und Heſſen je 2 und in den übrigen Staaten 11.
-- Als Zeichen der Zeit bringt die „Pr. Lz.“ die amtliche Mitteilung,
daß die Kreisſ Herrn Propſt Pfarrer Jeß und die Lokalſchulinſpektion unter dieſem
Herrn 8 andern Geiſtlichen übertragen ſei. Die Hoffnung, daß über das
ieler Volksſ alſo zu Waſſer geworden.
-- Zn dem Regierungs8bezirk Köln hat ſic Wohltätigkeitsſinn in hervorragender Weiſe kundgegeben. Die Re-
gierung veröffentlichte ein Verzeichniß

der leßtwilligen Vermächtniſſe und |
Quartal d. J., welches die Geſamtſumme von 264 150 M. repräſentirte.
Heute iſt dieſes Sümm< geſtiegen und zwar dadurch, daß die Frau Witwe Abraham von Oppen-
heim der Stadt 600 000 M. zur Errichtung eines Kinderkrankenhauſes
für alle Konfeſſionen ſchenkte. Der Gemahl dieſer edelſinnigen Dame,
welcher vor ca. Jahresfriſt ſtarb, hat in ſeinem Teſtamente auc liche Summen zu wohltätigen Zwecken ausgeworfen.
-- Eine Maſſendenunziation, erzählt die „Pr. Lhrz.“ aus
Eſſen, erregt in hieſigen Lehrerkreiſen großes Aufſehen. Ein hier erſt ſeit
einigen Jahren angeſtellter evangeliſcher Lehrer hat das ganze Lehrer-
kollegium der evangeliſ Umgehung der Lokal- und Kreisſ Regierung in Düſſeldorf denunzirt, und zwar wegen unerlaubten „Han-
dels", „Schacders' und „ſOHmählichen Wuchers"“ mit den in den Sculen
zum Gebraum kommenden Schulbüchern. Die Veranlaſſung zu dieſem
Scritt findet der Denunziant darin, daß die Lehrer aus dem Verkauf
der von ihnen herausgegebenen oder in den hieſigen Schulen eingeführten
Screibhefte und Schulbücher einen kleinen Vorteil zu Gunſten der hier
beſtehenden Lehrerwitwenkaſſe ziehen. Die Anklageſchrift liegt den Leh-
rern gegenwärtig zur Beantwortung vor.
-- Das großh. heſſijſ über die Art, wie Schulkinder die gegen ſie erkannten Freiheits-
ſtrafen zu verbüßen haben, zu beſeitigen, beſtimmt, daß, wenn ein
Schulkind zu einer Gefängniß- oder Haftſtrafe verurteilt iſt, oder eine
nict beizutreibende Geldſtrafe dur< Gefängniß oder Haft zu verbüßen
hat, die Vollſtrefung, ſofern die Umſtände e8 nur irgend geſtatten, wäh-
rend der Schulferien und ohne daß das Kind mit erwachſenen Sträf-
lingen in einen und denſelben Raum gebracht wird, erfolgen ſoll.
-- Zu den Abiturientenprüfungen an den höheren Schulanſtal-
ten in Elſaß-Lothringen hatten ſig, wie die „Köln. Ztg.“ mitteilt,
im ganzen 70 Gymnaſiaſten, 13 Realgymnaſiaſten und 10 Realſchüler
gemeldet, zuſammen alſo 93. Von dieſen haben 84 die Prüfung beſtan-
den, 6 mit „vorzüglich“, darunter 2 geborene Elſäſſer. Unter denen,
welche das Examen beſtanden, befinden ſi im ganzen gerade 42 qe-
borene Elſaß-Lothringer, die andere Hälfte bilden mit wenigen Aus8nah-
men die Söhne der eingewanderten Deutſchen, alſo hauptſächlich der Be-
amten und des Militärs. Jm allgemeinen neigen die Elſaß-Lothringer
wenig für den Staatsdienſt, und es wird unter dieſen Umſtänden wohl
noh einige Zeit dauern, bis die Beamtenſtellen des Reichslandes, nament-
lic) ſoweit für ſolche akademiſche Bildung verlangt wird, mit einheimiſchen
Kräften beſetzt werden können.
-=- Im oberöſterreichiſhen Landtage ſc j von Lehrbüchern, beim Unterricht in weiblichen Handarbeiten vor, und
eine Erhöhung der Tagegelder für den Beſu; von Lehrerkonferenzen von
2 auf 3 Gulden. Von klerikaler Seite regnete e8 bei dieſer Gelegenheit
Angriffe auf Schule, Sculgeſes und Schulbehörden. BiſHbof Rudigier
betonte zu drei verſchiedenen malen, daß er das Oberaufſichtsreht des
Staates über die Schule unter keinen Umſtänden anerkennen werde, wofür
ihn der Abg. Wichoff für den Hauptſtörenfried auf dem Sculgebiete
erflärte. Der Statthalter betonte, daß die Sc müßten, ſo lange ſie beſtänden. Die Ausſ genehmigt, nur nicht jener, betr. die Tagegelder für Lehrerkonferenzen.
-=- Ein originelles Geſ tons Baſelland dem Lehrerveteran Nebel zu ſeinem 50jähr. Amtsjubi-
läum. Sie ließ ihm nämlich auf einem Karton das Lied: „Goldne Abend-
ſonne“ mit Notenköpfen aus 10-Frankenſtü>en überreichen. Ob einen
Vers oder alle zehn, iſt leider nicht geſagt.
-=- Im Kanton Schwyz beſteht ſeit 2 Jahren die 7jährige
Sc mühungen des Pfarrhelfers Dr. Reichlin war aber doch eine Petition
beim Kantonsrat gegen das 7. Schuljahr eingereicht worden. Die „Sc Lhrz.“ berichtet hierüber: „Ju dieſer wichtigen Schulfrage nimmt die
ſhwyzeriſche Geiſtlichkeit eine ehrenhafte Stellung ein, denn die große
Mehrheit ſteht ganz entſc jüngſt verſammelte geiſtliche Kapitel von Shwyz hat auf einen poſitiv
geſtellten Antrag faſt einſtimmig beſchloſſen, es jei dem Ho omherrn Pfarrhelfer Redaktor Dr. Martin Reichlin Mißbilligung und
Tadel auszuſprechen wegen ſeiner Agitation gegen das ſiebente Schuljahr,
und er ſei vor weiteren Wühlereien zu warnen.“
-- Zn Holland beſuchen im ganzen 525 000 Kinder die Volks8-
ſ konfeſſionell - proteſtantiſ Die 300 000 Kommunalſ Volksſ Gulden koſten. Erforderlich werden dafür geachtet 750 Schulen mit
ebenſo viel Oberlehrern und 7500 Hilfslehrern.
=-- Die Pariſer Tage&8preſſe hat ſic) wieder um ein S blatt bereichert; feit dem 28. v. M. wird ohne Scham in den Straßen
ausgerufen: „Le Pornographe, journal des cochons“ . . .

Briefkaſten. Die Herren Preisrichter erſuchen wir, bei ſämt-
li Schenkungen zu Scul-, Kirhen- und andern Zween aus dem erſten : ſiafen zu unterſ

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