Oe
» | Herausgegeben von A. Berthelt. 7.
Zugleich Organ der Allg, deutſ Jährlich 52 Numutern tonmindeſtens 1 Bogen nebſt Aufifäge über zeitgemäße Themata und Mitteilungen
Grati8-Beilage: Anzoiger für pädagogiſche über Schul- und Lehrerverhältniſſe find willkommen.
Literatur (in 12 Rem). Preis viertelſährlich Scriſten zur Rezenſion ſind unberechnet an die
8 Mark. Anzeigen für die dreiſpaltige Petitzeile Sonntag, den 21, RNRovember. Berlagshandlung der In bie Kebattin des Anz.
oder deren Naum 30 Pfennige. Liter. Beilagen für pädag. Literatur einzuſenden. --- Beſtellungen
9--415 Mark, mit Poſivertrieb 6 Mark mehr. nehmen aſſe Buchhandlungen und Poſtämter an,


Seminar oder zu einem Examen melden, ein Atteſt über normalen
Geſundheitszuſtand beibringen ſollen. Man hat wohl geſagt, daß
nächſt den Lokomotivführern die Lehrer durchſchnittlich die kürzeſte
Leben8dauer aufweiſen. Ob dieſe Behauptung ſtatiſtiſch hinreichend
Lehreifer muß in der Liebe zum Lehramte, begründet iſt, mag dahingeſtellt bleiben. Jedenfalls enthält dieſe Be-
zur Beſchäftigung mit der Entwicklung der hauptung die Wahrheit, daß nicht ſelten die Kraft des Lehrers vor
Kinderſeelen begründet ſein.“ | der Zeit untergraben wird. Zunächſt ſind es die Sprachorgane,
Dieſterweg. welche angeſtrengt werden müſſen. Da dieſe zugleich die edelſten
Ein bekanntes Wort heißt: Luſt und Liebe zum Dinge macht alle | Lebensorgane ſind, ſo wird in vielen Fällen durch ſie die Geſundheit
Mühe und Arbeit geringe. Will der Lehrer durch ſeine Arbeit etwas gefährdet oder gar zerſtört, wenn man im Gebrauche derſelben nicht
erreichen, ſo iſt e8 notwendig, daß er ſie mit Luſt und Liebe anfaſſe. | vorſichtig iſt. Dazu kommt ferner der Umſtand, daß der Lehrerberuf
Der Lehrerberuf iſt ein ſchwerer, der die ganze Kraft des Mannes vorwiegend die Tätigkeit des Geiſtes erfordert, welche mehr die
in Anſpruch nimnit. Die Schwierigkeiten, die dem Lehrer in ſeiner Kraft erſ Berufsarbeit entgegentreten, ſind mannigfaltiger Art. Will er dieſe deſſen Beruf hauptſächlich die Kraft des Geiſtes in Anſpruch nimmt.
glücklich überwinden und nicht ermüden in ſeinem ſchweren Beruſe, Hat der Lehrer außerdem eine leicht erregte Natur, weiß er bei Un=
ſo muß er immer wieder neue Kraft ſchöpfen können aus einer nie | gehorſam und Nachläſſigkeiten ſeiner Schüler ſich nicht die nötige Ruhe
verſiegenden Quelle. Dieſe Quelle iſt die rechte Liebe zum Be- | zu bewahren, ſo iſt in nicht geringem Maße die Gefahr vorhanden,
rufe; denn ſie treibt ihn an, jeden Tag aufs neue mit Luſt und | daß ſeine Kraft vor der Zeit aufgerieben werde. Je mehr aber ſeine
Freudigkeit an die Arbeit zu gehen und ſeine ganze Kraft in den Geſundheit geſchwächt iſt, deſto mehr empfindet er die Schwere ſeines
Dienſt ſeine8 Berufes zu ſtellen. Aber nicht nur der Lehrer, jondern Berufes, beſonder8 wenn ihm die rechte Liebe zum Lehramte fehlt;
auch die Schüler müſſen Freude an der Arbeit haben, wenn dieſelbe | deſto weniger iſt er aber auc im Stande, ſich die geiſtige Friſche und
von Erfolg ſein ſoll. Da die Schüler den Zwec> des Lerneus oft | die rechte Freudigkeit bei ſeiner Arbeit zu bewahren. Die Arbeit des
gar nicht oder nur unvollkommen erkennen, ſo muß es die Aufgabe Lehrers erfordert aber auch viel Fleiß und große Ausdauer.
des Lehrers ſein, ſie zu einer friſchen, fröhlichen Tätigkeit anzuregen. | Bald hat er mit ſchwach begabten Schülern zu tun, „die nicht von
Das kann aber nur dann wirklich geſchehen, wenn die Schüler es ihm | der Stelle kommen“, bald ſind e8 ſchlecht erzogene Kinder, die des
anſehen, daß er ſelbſt ſeine Arbeit in dex Schule mit der rechten Lehrer8 Geduld auf die Probe ſtellen. Unaufmerkſamkeit, Trägheit
Die Freudigkeit des Lehrers in feinem Berufe.
(Zur Preisbewerbung.)

Motto: „Der rechte, d. h. der nie verſchwindende

Freudigkeit vollbringt. Fragen wir daher: und ſchlechte Streiche laſſen zuweilen die Arbeit von Wochen und
-“. . 6.4» Monaten als eine fruchtloſe erſcheinen. Doch darf dies alles den
I. Warum iſi Freudigfeit im Berufe dem Lehrer not- Lehrer nicht entmutigen. Er muß unermüdlich fortarbeiten und int-
mer neue Mittel und Wege erſinnen, um ſchließlich doch ſeinen Zwe
Die Antwort auf dieſe Frage iſt in obigen Worten ſchon an- | zu erreihen. Nur die Liebe zum Berufe, die Freude an der Arbeit
gedeutet. Wir ſagen: 1) Weil der Beruf des Lehrers ein | ſelbſt kann ihm eine ſolhe Ausdauer geben.
ſHwerer Beruf iſt. Der Lehrer hat ferner mit beſonderen lokalen Verhältmiſſen
Es ſoll verſucht werden, dieſe Behauptung weiter zu begründen. | zu kämpfen, die ihm die Arbeit erſchweren und den Erfolg derſelben
Die Pädagogik im weiteſten Sinne des Wortes iſt eine Wiſſen- | herabdrüden. Als ſolche Uebelſtände, welche bald mehr, bald weniger
ſchaft, die ein anhaltendes Studium erfordert; ſie iſt aber auch zu- | aujtreten, ſind zu nennen: Überfüllte Klaſſen, ſchlehzte Schulzimmer,
gleich eine große Kunſt, die fleißig geübt ſein will, wenn man es ungenügende Lehrmittel, viele Schulverſäumniſſe u. dgl. m. Nicht
in ihr zur Meiſterſchaft bringen will. Troß aller Sorgfalt und | ſelten hat der Lehrer Nahrungsſorgen zu ertragen, wodurch ihm
Mühe wird gerade der tüchtige und gewiſſenhafte Lehrer ſich oft ſagen | häufig die Freude an ſeinem Berufe benommen oder weſentlich beein-
müſſen, daß er balv dieſen, bald jenen Fehler begangen habe. Die | trächtigt wird. Es iſt zu bedauern, daß der, welcher den Kindern
Vorbereitung für das Lehrfach und die Fortbildung in | geiſtige Nahrung darbieten ſoll, zuweilen ſelbſt an dem, was des Lei-
demſelben erfordern daher viel Fleiß und große Aus- | bes Notdurft und Nahrung iſt, Mangel leiden muß.
dauer. Nur derjenige, welcher wirklich Liebe zu dieſem Berufe beſikt, So ſehr aber die in Vorſtehendem genannten Schwierigkeiten
wird ſein Wiſſen und Können zu einer ſolchen Vollendung bringen, als zu und Uebelſtände dazu geeignet ſind, dem Lehrer ſeine Aufgabe recht
einem erfolgreichen Wirken notwendig iſt. Auch die Arbeit in der ſchwer zu machen, ſo dürfen ſie do< unter keiner Bedingung ihm
Scule ſelbſt erfordert Anſtrengung, Fleiß und Ausdauer. | die Freude an der Berufsarbeit rauben; denn wer nicht mit Freu-
Die Allgemeinen Beſtimmungen vom 15. Oktober 1872 fordern nicht | digkeit ans Werk geht, der wird ſeine Aufgabe nur unvollfommen
ohne Grund, daß diejenigen Lehrer, welche ſich zur Aufnahme in das | erfüllen. |

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.