Full text: Allgemeine deutsche Lehrerzeitung - 60.1908 (60)

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Sreitag, den 24. April. 
Allgemeine Deutſche Lehrerzeitung. 
Nr. 12. 
10--11: Die evangeliſche Rirche im Kampfe gegen den Alkoholismus., Uonſiſiorialrat 
Dfarrer Mahling, Frankfurt a. M. 
11--12: Kriminalität und Alkobol. 
abends 8--10: Der theoretiſche Nährwert des Ulkohols,. 
Sonnabend, den 25. April. 10--12: Volkswohlfahrt und Ulkoholismus,. 
Generalſekretär I. Gonſer, Berlin. 
Profeſſor Dr. Raſſowitß, Wien. 
Ob.-Med.-Rat Prof. Dr. Gruber, München. 
Schlußanſprache: Senatspräſident Dr. von Strauß und Torney, Wirkl. Geh. Oberreg.: 
Rat, Berlin. 
Geheimer Medizinalrat Profeſſor Dr. Rubner, Berlin, Leiter der wiſſenſchaftlichen Rurſe. 
Der Urbeitsausſchufßz zur Vorbereituna der Uurfſe. 
J. Flaig, 
Deutſcher Verein für ländl. Wohlfahrts- u. Heimatspflege. 
Hedwig Haist, 
Allgem. Deutſcher Lehrerinnenverein, 
Dr. Ludwig Ueilbhack, Mathilde Rirſchner, 
Deutſcher Bund abſtin. Studenten. Verein Urbeiterinnenwohl. 
Gertrud Streichhan, Dr. Weymann, Reg.-Rat, 
Deutſcher Derein abſtinenter Deutſcher Verein für Volkshygiene. 
Lehrerinnen. 
Charlotte Haun, 
Frau Liska Gerken-Leitgebel, 
Dentrale für private Fürſorge. 
Landesverein preuß. Volksſchullehrerinnen. Berliner Frauenverein g. den Ulk. 
Mädchen» u. Frauengruppen für ſoziale Hilfsarbeit. 
Dr. med. Winſch, 
Bund für alkoholfreie Kultur. 
I. Gonfer, 
Deutſcher Verein gegen den Mißbrauch geiſtiger Getränke. 
Frau Prof. Holl, Oberarzt Dr. Juliusburger, 
Neutraler Guttemplerorden. 
Paſtor Scheffen, 
SDentralausſchuß für innere Miſſion. 
Frau Martha Worms, Dr. Zimmermann, 
Freiwilliger Erziehungsbei- Bureau f. Sozialpolitik. 
rat für ſchulentl. Waiſen. . 
Anna Miſch, 
Führung durch ſozial-hygieniſche Einrichtungen an den Nachmittagen. 
Tn Ausficht genommen: 
Berliner Arbeiterkolonie, ReiniFXendorferſtr. 66 . 11/, 
Ständige Ausſtellung für Arbeiterwohlfahrt, Char- 
lottenburg, Fraunhoferſtr. 11/12 . . 2 
Badeanſtalt, Bärwaldſtr. 64 . 1 
Blindenanſtalt und Blindenheim Stegliß, Bothen- 
burgſtr. 14/15 . . . . 35 
Erziehungsheim Um Urban, „Zehlendorf . . . . 4 
Hygieniſches Jnſtitut der Univerſität, Heſſiſcheſtr. 4 1 
Rrankenküche, Brüderſtr. 10 (währ. d. Zeit v. 12--2) ?/, 
Mäilchküche und Säuglingsfürſorgeſtelle Charlotten- 
burg, Um Lüßzow 12a . . . 
Std. 
 
Peſtalozzi-Sröbelhaus, Ryffhäuſerſtr. 20 . 1 Std. 
Rudolf Yirchow-Krankenhaus, Auguſtenburgerplat 2'l2 » 
Säuglingsheim, Schöneberg, Akazienſtr. 7 . . 1, » 
Kaffeehalle und Geſellenheim, Meue Schönhauſer 
ſtraße 15 . =. . . WT 
Arbeiterinnenheim, Kaiſerin Auguſta- „Allee 23 . TD „ 
Doltsbibliothek und Yolkslejehalle, Charlottenburg, 
Wilmersdorferſtr. 166/67 . . . 8); 
Daterländiſcher Bau-Verein, Verſöhnungsprivatſtr. 1/7, 
Trinkerheilſtätte Waldfrieden bei Fürſtenwalde . . 2/5, „ 
Die genaue Verteilung nach Tag, Stunde und Treffpunkt wird den Teilnehmern beim Beginn der Rurſe bekannt gegeben werden. 
 
Das Beſtreben, der Yolksſchule immer neue 
Unterrichtsgeaenſtände und Lehrſtoffe zu- 
zuweiſen, im Lichte der Pädaagoaik Ndolf 
Dieſterweas. 
Yon Hans Pallmann in Lunzenau (Mulde) 1. 5. 
Wie am Ausgang des 18. Jahrhunderts eine Unzahl neuer 
Bildungsſtoffe in die elementare Yolksbildung einzudringen 
ſuchte, jo iſt auch unſere Zeit reich an Beſtrebungen, neue 
Unterrichtsgegenſtände und Lehrſtoffe der Yolksſchule zuzuweiſen. 
Allerdings befinden wir uns in einer ungünſjtigeren Lage als 
unſere Yorfahren vor 150 Jahren; denn damals war das 
elementare Bildungsweſen noch nicht ausgebaut; darum war 
auh Raum vorhanden für die neuen Bildungsſtoffe, für Ge- 
ſchichte, Geographie, Naturgeſchichte, Naturlehre und Formen- 
lehre. Heutzutage aber iſt jedem Unterrichtsfach der entſprechende 
Raum im Stundenplan zugewieſen und die Zahl der wöchent- 
lichen Unterrichtsſtunden, welche die als unbedingt nötig erachteten 
Unterrichtsgegenſtände in Anſpruch nehmen, iſt ſo groß, daß 
eine Yermehrung faum angängig erſcheint, wenn man nicht 
die ohnehin bis an die Grenzen ihrer Leiſtungsfähigkeit ange- 
ſtrengte Jugend geſundheitlich ſchädigen will. Darum iſt die 
gewiſſenhafteſte Prüfung der neuen Lehrſtoffe dringend geboten, 
damit wir all das zurückweiſen können, was dem Arbeits5- 
gebiet der VYolksſchule und den Bedürfniſſen unſrer Jugend 
fernliegt, und damit wir Mittel und Wege finden, Raum zu 
ſchaffen für das, was uns als unbedingt notwendig erſcheint. 
Denn die neuen Unterrichtsgegenſtände und Lehrſtoffe ſind 
außerordentlich zahlreich, weil das wirtſchaftliche, geſellſchaftliche 
und politiſche Leben unſeres Yolkes in ungemein raſcher Yor- 
wärtsbewegung und Umgeſtaltung begriffen iſt. Noch bis in 
die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts genügten die im 
Lehrplane der Yolfsſchule zuſammengeſtellten Unterrichtsgegen- 
ſtände und Lehrſtoffe vollſtändig für die Bedürfniſſe des deutſchen 
Dolfes. Heute aber klagen die Handwerker, die Kaufleute, 
die Zeitungen, ja ſelbſt die Regierungen über die mangelhafte 
und unzureichende Ausrüſtung unſrer Jugend, und in der päda- 
gogiſchen Fachpreſſe, ſowie in den ſchöngeiſtigen Zeitſchriften 
 
und in Broſchüren und Büchern wird die Notwendigkeit und 
Aufnahme neuer Bildungsjtoffe begründet. So befindet ſich 
die Yolksſchule in einer kaum beneidenswerten Lage. Yon 
allen Seiten ſtürmt man auf ſie ein und verlangt die Aufnahme 
neuer Unterrichtsgegenſtände und Lehrſtoffe, ohne dabei die 
nötige Rückſicht zu nehmen auf die ungeheuren Schwierigkeiten, 
welche dieſen Beſtrebungen entgegenſtehen. So möchte die Yolks- 
ſchule Platz ſchaffen für Handfertigkeitzunterricht und Haus- 
haltungskunde, für Geſjellſchaftsfunde und Yolkswirtſchaftslehre, 
für Derfaſſungskunde und Belehrung über wichtige Rechts- 
fragen und über die Arbeiterſchutzgeſetze, für Geſundheits- und 
Nahrungsmittellehre, für allerhand Uufklärungen in bezug auf 
das YVerfehrsweſjen, auf Heer, Marine, Rolonien, für Be- 
lehrungen über UXerbau, Viehzucht, Obſtbau, Bienenzucht, Tier- 
ſchutz, Alkoholſchädigungen und womöglich über alle Tages=- 
fragen, die durch den raſchen Strom des Lebens emporgewirbelt 
werden in den Geſichtskreis des öffentlichen Intereſſes und 
dieſes längere Zeit in Anſpruch nehmen. Sobald irgendein 
Bildungsgebiet als beſonders bedeutungsvoll und wichtig er- 
ſcheint = und welches wäre nicht wichtig bei der unendlichen - 
Dielſeitigfeit unſres Lebens ? -- macht ſich auch das Beſtreben 
geltend, es der Yolksſchule zuzuweiſen. Sobald ein Mangel im. 
Verſtändnis praktiſch wichtiger Fragen zutage tritt, klagt man. 
über die unzureichende Ausrüſtung unſrer Jugend für die An- 
forderungen des Lebens. 
1. Intereſſant iſt es an ſich, in die jüngſte Vergangenheit: 
zurückzuſchauen und dem Werdegang der einzelnen Beſtrebungen 
nachzuſpüren. Unbedingt nötig erſcheint ein jolcher Rückblick, 
um die Stellung der Yolksſchule zu dieſen Beſtrebungen dar= 
zulegen und zu begründen. Darum befaſſen wir uns zunächſt 
mit der Srage: Wie iſt das Beſtreben, der Volksſchule 
immer neue Unterrichtsgegenſtände und Lehrſtoffe- 
zuzuweiſen, entſtanden? Wir müſſen von vornherein 
betonen, daß dieſe Beſtrebungen nicht aus der grauen Theorie- 
geboren wurden, nicht Arbeiten am grünen Tiſche ihr Daſein 
verdanken, ſondern aus dringenden Bedürfmſſen des praktiſchen 
Lebens bervorgegangen jind. 
Ms in den 70er Jahren die Lehren der Sozialdemokratie-
	        

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