Full text: Allgemeine deutsche Lehrerzeitung - 60.1908 (60)

“Nr. 19. 
Allgemeine Deutſche Lehrerzeitung. 
219 
 
Kraepelin, Candeze belehren auch, und Ed. Engel ſtellt in ſeiner 
Literaturgeſchichte feſt, daß nur diejenigen wiſſenſchaftlichen Werke 
Dauer haben, die ſich durch künſtleriſche Darſtellung der Leſewelt auf- 
zwingen. Toch ſind belehrende Jugendſchriften in künſtleriſch vollendeter 
arſtellung zu ſelten; aber vielleicht ſtellen einſt die Vereinigten Prüfungs- 
ausſchüſſe die Forderung auf: „Die belehrende Jugendſc<hrift habe 
außer dem wiſſenſchaftlichen einen künſtleriſchen Wert“. 
Dieſe notwendige Zukunftsforderung erfüllt Gansbergs Urgeſchichte im, 
voraus. O. Karſtädt, Magdeburg. 
Ums Erbe der Väter! Zeitgemäße Fragen an Liebhaber der Kirche, 
Von P. Müller, Paſtor. II. Teil. Die katholiſche Machtſtellung 
bei uns und in Nordamerika. Stand des Religionsunterrichts in den 
andern Ländern und bei uns. Hannover, Derlag von H. Feeſche. 
1908. 4 M. 
- Im Vorworte beklagt ſich der Verfaſſer, daß die Preſſe den 1. Teil 
totgeſchwiegen habe, deshalb wolle er jetzt von neuem in den Kampf 
um „das Erbe der reformatoriſchen Väter“ eintreten. . 
Unter dem Erbe verſteht er den kirchlichen Glauben an die göttliche 
Realität, an die Weltſchöpfung, an die Offenbarung Gottes im Wort, 
an die Erlöſungstat Chriſti und an die Welterneuerung der Kirche. 
Dieſer Glaube ſei in der proteſtantiſchen Kirche ſehr gefährdet durch die 
ſchranfenloſe Freiheit der Wiſſenſchaft im allgemeinen, durch die zer- 
ſetzende Bibelkritk und die moderne Naturwiſſenſchaft im beſonderen, 
ferner durch den kirchlichen Liberalismus, durch die gänzliche Ubhängig- | 
keit der Kirche vom Staate, und durch den mehr und mehr abnehmenden 
Einffuß der Geiſtlichkeit auf das öffentliche Ceben und den Jugendunterricht. 
Alle dieſe Gefahren bedrohten die katholiſche Kirche nicht, ſo meint 
der Verfaſſer. Die Wiſſenſchaft habe keinen Einfluß auf das Dogma. | 
Um göttlich-gegründeten Papſttume ſcheitere jede Reformation. Dem 
Staate gegenüber habe ſie ſich eine gewiſſe Selbſtändigkeit gewahrt, und 
auch im «öffentlichen Leben und in der Erziehung wiſſe ſie ihr Unſehen 
zu behaupten, 
Wie kann der proteſtantiſchen Kirche geholfen werden? fragt der 
Verfaſſer. Er antwortet: Nuf die Hilfe des Staates ſei nicht zu hoffen, 
denn er halte es mit allen Religionen. Selbſt von der „proteſtantiſchen 
Spitze“ ſei nichts zu erwarten, denn der Kaiſer verehre den Papſt und 
die katholiſche Lehre ebenſo wie Luther und die proteſtantiſche. Vor 
allem müßten die Hände an „die Erhaltung der Wurzeltriebe, den kirch- 
lichen Unterricht“ gelegt werden. Die Kirche habe fich vom Staate zu 
trennen und den Weg der Selbſthilfe zu beſchreiten. Nach des 
Verfaſſers Meinung ſeien „kir<liche gläubige Religionslehrer“ heran- 
zubilden und zwar auf Schulen und Univerſitäten, die unter ſtrenger 
kirchlicher Uufſicht ſtünden. Ferner müßten kirchliche Religionskurſe 
beſonders in den großen Städten „Bremen, Hamburg und Berlin“ ein- 
geführt werden, und die Kinder, die dieſe Uurſe beſuchten, ſeien vom 
ſtaatlichen Religionsunterrichte zu befreien. Endlich gedenkt er nach 
dem Dorbilde Nordamerikas und nach dem Muſter der Bielefelder 
theologiſchen Bibelſchule des Paſtors v. Bodelſchwingh private Kirchen- 
ſchulen zu gründen. 
Das Buh enthält viel Leſenswertes und iſt der Geiſtlichkeit gewiß 
zu empfehlen. Mit den kirchlichen Derhältniſſen und Fortſchritten in 
Nordamerika iſt der Derfaſſer ſehr vertraut. Die Einrichtung von kirch- 
lichen Religionskurſen, in denen der dogmatiſche Religionsunterricht an 
freiwillige Beſucher erteilt wird, iſt zu empfehlen, dagegen aber nicht 
der Gedanke von der Gründung privater Kirchenſchulen, denn er iſt 
dem der „allgemeinen Yolksſchule“ zuwider. Auch einer Religion, die 
das Licht der freien, wiſſenſchaftlichen Forſchung ſcheut, können wir nicht 
die Herrſchaft wünſchen. Will die: orthodoxe Kirche den proteſtantiſchen 
Geiſt in Feſſeln ſchlagen? Will ſie eine neue Reformation nötig mochen? 
JTſt es nicht gerade das größte Verdienſte der Reformatoren geweſen, 
daß ſie dem Geiſt die Denkfreiheit' wiedergaben? Und dieſes „reforma- 
toriſche Erbe“ müſſen wir bewahren! . 
Dr. phil, Ulexander Räſtner, Leipzig. 
Dr. HS. Löwes Unterrichtsbriefe zur ſchnellen und leichten Erlernung 
fremder Sprachen nac neuer, natürlicher Methode. Engliſch. 
Regenhardtſche Verlagsanſtalt G. m. b. H. in Berlin W. 57. Geb. 
6 M. oder in 10 Lieferungen ä 0,50 M. 
Die weſentlichen Vorzüge, denen die Dr. Löweſchen Unterrichtsbriefe 
 
ihren Erfolg (8. Auflage) verdanken, beſtehen in der geſchiten An- 
ordnung des Stoffes, der klaren Faſſung der Regeln und beſonders in 
dem Intereſßſe wekenden Zuſammenhang der Übungen. Die UAuswahl 
derſelben iſt ſorgfältig getroffen; nicht werden, wie es bis jetzt ſehr 
häufig geſhah und noch geſchieht, die Lernenden mit einer Unzahl oft 
recht kindiſcher Sätze gequält, ſondern an der Hand kürzerer Ubſchnitte 
aus den Werken von Dichtern und Proſaikern werden ſie mit dem Geiſt 
der betreffenden Sprache in einer Weiſc vertraut gemacht, wodur< ihr 
Intereſſe gefeſſelt wird und ſie zum Fortſchreiten angeſpornt werden. 
Die Methode Löwes iſt inſofern neu und natürlich, als die Uufgaben 
zuerſt ſcheinbar gar keine Schwierigkeiten bieten; der Lernende muß 
alles begreifen, ſo ſelbſtverſtändlich ſieht es ſich an (während bekanntlich 
die Touſſaint-Langenſcheidtſchen Briefe eine fortlaufende Novelle zum 
Abdruck bringen, alſo von Anfang an mit ſchweren Wörtern und oft 
recht komplizierten Konſtruktionen, ſowie mit allen Eigentümlichkeiten 
des Verfaſſers an den Schüler herantreten). Dic Übungasſtücke ſind ſo 
geordnet, daß man ganz allmählich vom Leichten zum Schweren gelangt. 
Anßerdem haben ſte den Vorzug, daß ſie hauptſächlich aus dem Gebiet 
der engliſchen Geſchichte, Geographie und Literatur entnommen ſind. 
Mit einem Wort: Die vorliegende 8. Auflage dieſes Lehrwerks iſt es 
wohl wert, gewürdigt zu werden, und wer die ſehr preiswerten 10 Liefe- 
rungen gründlich durcharbeitet, der wird einen großen Schritt zur Er- 
lernung der engliſchen Sprache weiter getan haben. 
Th. Schellhorn, Gotha. 
Th. Walther, Des Kindes erſtes Rechenbuch. Seyfried & Compu 
München. 1 M. 
Nur die Ablöſung der Zahl und des Rechnens aus den Dingen 
und Verhältniſſen des praktiſchen und zwar des KRinderlebens (ſowohl 
des wirklichen als des Phantaſielebens) und die ausgiebigſte Beziehung 
dieſer beiden Momente aufeinander verbürgen einen lebenswarmen, 
freudigen Rechenunterricht. Die „Erläuterungen“ bringen wirklich 
ſchöne Proben dieſer Verknüpfung. Sie ſtehen hoch über dem weniger 
gelungenen I. Teil mit den „Zahlenbildern": Die aus den Cebens- 
dingen abgenommenen ſchematiſchen Zahldarſtellungen ſind zum Teil 
wenig überſichtlich und bilden vor allem kein einheitliches Zahlverſinn» 
lichungsſyſtem. Sie laſſen deshalb auch nicht erkennen, wie der Schüler 
allmählich von der lebensvollen Anſchauung zum „freien“ Rechnen ge- 
führt werden ſoll. Die Darſtellungen der Rechenmaſchine mit den Kugeln 
halte ich für überflüſſig, ebenſo Darſtellungen von Einmaleinsfällen über 
das Zehnfache einer Grundzahl hinaus. Die Einführung der Rechen- 
formen der IT. Stufe (mit der Beziehung mal) ſcheint mir verfrüht; die 
ſchriftliche Darſtellung durch WME 11 
wirkt 
HI >< = II 
wirrend. 
entſchicden ver- 
KH. Teupſer, Wegweiſer zur Bildung heimatlicher Rechenaufgaben, 
U. Hahn, Leipzig. II. Aufl. Geb. 2,50 M. 
Ein Wegweiſer zur Bildung von Jndividualaufgaben, der nicht warm 
genug begrüßt und nicht fleißig genug zu Rate gezogen werden kann. 
Er enthält Grundlagen und Undeutungen zu einer Fülle der lebenSs- 
vollſten Nufgaben, in denen Zeit», Raum und Wertarößen auf beſtimmte 
heimatliche Unſchauungen zurückgeführt ſind. Anch da, wo der Weg- 
weiſer den Gedankeninhalt der Sachgebiete Leipziger Derhältniſſen ent- 
nimmt, kann er zu einer wahren Fundarube für Lehrer und namentlich 
auch für Verfaſſer von Rehenbüchern werden: Jm Sinne und in der 
Urt des Wegweiſers ſollten „Muellenbücher“ für jeden einzelnen größeren 
Schulbezir? entſtehen. J< empfehle das Buch aufs wärmſte! 
NU. Ritthaler, München. 
 
Briefkaſten. 
L. Sch. in Ungarn. Serzlichen Glüwunſch zur Geneſung und 
Dank für Gratulation. Erhalten Sie dem Blatte Jhre Teilnahme! Jhr 
Beitrag kommt baldigſt. D. in W. Als Rez. für Pſychologie notiert. 
B. in B. Beſten Dank für Meldung! Sie ſollen bei Gelegenheit 
etwas erhalten. 
 
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