Full text: Allgemeine deutsche Lehrerzeitung - 60.1908 (60)

Nr. 20. 
60. Jahrs. 
 
Allgemeine Yeutſche Lehrerzeitung 
Begründet durch A. Berthelt, Schriftleiter: Lehrer Ernſt Linde in Gotha, Kaiſerſtraße 54a. | 
Die Zeitung erſcheint jeden Donnerstag. Bezugspreis halbjährlich 4 Mk. 
Aufſätze und Bücher zur Beurteilung werden an die Schriftleitung erbeten. 
 
Inhalt: 
rheiniſche Tiefebene. 
 
 
Beſtellungen nehmen alle Buchhandlungen und Poſtämter an. 
Anzeigen für die vierſpaltige Petitzeile oder deren Raum 30 Pfennig. 
 
 
 
 
Bekanntmachung: Aufruf zur Deutſchen Lehrerverſammlung in Dortmund (Pfingſten 1908). =- Abhandlungen: Die ober- 
Eine verkehrs- und wirtſchaftsgeographiſche Studie. 
Von E. Kaiſer in Plauen i. DV. = „Jrrlehren in groß- 
ſtädtiſchen Fortbildungsſchulen.“ Von Th. Franke in Wurzen. -- Lehrergeſtalten in der neueren erzählenden Literatur. Von Johannes Erler in 
Ultenburg. = Vermiſchtes, -- Beurteilungen. -- Anzeigen. 
 
 
Deutſche Cehrerverſammlung in Dortmund 
- (Pfinaſten 1908). 
Aufruf! 
Nur noh wenige Wochen trennen uns von der Deutſchen Lehrerverſammlung, die Alldeutſchlands Lehrer zum erſten 
Male auf roter Erde vereinigen wird. Unſere Ausſchüſſe ſind eifrig bemüht geweſen, ihnen in den Mauern der alten Tremonia 
eine gaſtliche Stätte zu bereiten. 
Da wir nach dem bizsherigen Yerlaufe der Yorbereitungen auf ein gutes Gelingen der 
bedeutungsvollen Yeranſtaltung hoffen dürfen, bitten wir noch einmal die Lehrer aller deutſchen Gaue als Gäſte in unſere 
Stadt. 
Pfingſten die Parole ſein: 
Im Beidedorf und in der Großſtadt, wo immer nur deutſche Lehrer und Schulfreunde wohnen und walten, muß zu 
Auf zur fröhlichen Pfinaſtfahrt nach Dortmund! 
Unfragen bitten wir zu richten an Herrn Lehrer Hugo Froning, WMöllerſtr. 38, Unmeldungen und Geldſendungen 
an Herrn Lehrer Sriß Hartlage, Möllerſtr. 38. 
Ein herzliches Willfommen entbietet ſeinen Gäſten 
Der Ortsausſchuß für die Deutſche Lehrerverſammlung in Dortmund. 
Ww. Elleringmann, Vorſitzender. 
 
Die oberrheiniſche Tiefebene. 
Eine verkehrs- und wirtſchaftsgeographiſche Studie. 
Don E. HKaiſer in Plauen 1.Y. 
Inhalt: Die oberrheiniſche Tiefebene ein deutſches Kanaan. Die 
Waſſeradern des Gebiets. Wie die deutſchen Staaten ſich an den Rhein 
herandrängen. Die Doppelſtadt Mannheim-Ludwigshafen. Der Kampf 
der Römer und Germanen um den Beſitz der Tiefebene. Das ganze 
Rheintal als burgundiſcher Zwiſchenſtaat. Einfluß der franzöſiſchen 
Nachbarſchaft auf die Induſtrie der Rheinebene. Wie ſich die politiſchen 
und Wirtſchaftsverhältniſſe Europas zugunſten der Rheinebene ent- 
wickelten: Städtereichtum, Volksdichte, Bahnlinien und Kanäle. Mann- 
heim als wirtſchaftlicher Brennpunkt der Rheinebene. Die Umerikaner 
auf dem Rhein. -- 
Man hat die oberrheiniſche Tiefebene als das deutſche 
Kanaan bezeichnet. Damit iſt zunächſt auf die gleiche Entſtehung 
beider Landſchaften hingewieſen. Das Jordantal und das 
Rheintal ſind das Ergebnis großer Brüche der Erdkruſte in 
der nordſüdlichen Richtung; das Jordantal bildet die Fort- 
jezung des großen afrikaniſchen Grabens, und das Rheintal 
ſteht in innigem Zuſammenhang durch die burgundiſche Pforte 
mit dem Tal der Saöne und der Rhöne, wodurch die wichtige 
Verbindung des NMüittelmeers mit dem Atlantiſchen Ozean ber- 
geſtellt wird. Wie Paläſtina von jeher em Durchgangsland 
zwiſchen den Urſien der menſchlichen Kultur, zwiſchen Baby- 
lonien und Ägypten war, ſo ſtrömt durch die oberrheiniſche 
Tiefebene der Verkehr zwiſchen dem induſtriereichen Norden 
und dem fruchtreichen Süden. Den beiden Seebecken im Jordan- 
tale entſpricht die Tatſache, daß ſich die Rheinebene deutlich 
in ein oberes und ein unteres Beden gliedert. 
 
Die Teilungs- - 
linie verläuft in der Gegend von Straßburg, das nur 140 m 
über dem Meere liegt, während Baſel (245 m) volle 100 m 
höher liegt. (Mainz 82 m.) 
Es muß ein gewaltiger See geweſen ſein, der zu Anfang 
des Diluviums die heutige Rheinebene bedekte: 35 km beträgt 
die durchſchnittliche Breite, 300 km die Länge, 1.000 qkm 
die Fläche = 31 des Rönigreichs Sachſen (15000 qkm) oder 
der 50. Teil vom Deutſchen Reiche. Ulle von den benachbarten 
Höhen herabfliegenden Gewäſſer ſammelten ſich in dieſem See 
und brachten gewaltige Schuttmaſſen auf dem Boden zur Ab- 
lagerung, ſo daß die Tiefe des Sees allmählich geringer wurde. 
Gleichzeitig ſank die Oberfläche des Sees, je mehr der Rhein 
im nördlich vorliegenden Bergriegel den Abflußkanal aus- 
arbeitete und ſein Bett tiefer in das Rheiniſche Schiefergebirge 
hineingrub. Vermutlich wurde zuerſt das obere Becken bis 
Straßburg troden gelegt, während das untere bei Mannheim 
und Mainz am längſten beſtand. Mit dem Sinken des Sees 
ſhritt auch die Ausbildung einer Hauptrinne in der Mitte 
und die Yerlängerung vieler kleiner Rinnen und Flußtäler 
an den Seiten fort, da die Gewäſſer nicht mehr ohne weiteres 
in den See fielen, ſondern nun einen längeren Weg bis zur 
Hauptader des Rheins zu durchmeſſen hatten. (Die rheiniſchen 
Yolksjagen erzählen von einer Schiffahrt auf dieſem See und 
von eiſernen Ringen an den Felswänden des Wasgenwald?s 
und des Schwarzwaldes, wo die Schiffer ihre Taue befeſtigt 
hätten.) 
Zahlreiche Bäche und Flüſſe ſteigen vom Wasgenwald und 
vom Schwarzwald herab, die wegen ihres raſchen Gefälls
	        

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