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und Anhänglichkeit gegen ihre Kirche, von Kindheit an einges
pflanzt, würde nichts Höheres auf der Erde kennens ſo aber
wachſen ſie ohne dieſe Grundlage heran, beurtheilen die Vers
gangenheit von ihrer irrig angeſchauten Gegenwart aus, und
find weder mit der Einen noch mit der Andern zufrieden,
ſchen ſogar da und dort nur ein Gewebe menſchlicher Leiden-
ſchaften und ſubjectiver Beſtrebungen, ſtatt das Walten des
göttlichen Geiſtes zu erkennen, der freilich auch das Unfraut
neben vem Waizen duldet , am Ende aber doch der Wahrheit
und Güte den Sieg zufommen läßt:
Haben wir nun unſre Erfiärung über die Bedeutung, den
Werth und die Nothwendigkeit der Religions- und Kirchenges
ſchichte für den Unterricht in der Schule abgegeben, ſo ſet es
uns noch erlaubt zu bemerken, daß auch diefe Geſchicmte als
für ſich beſtehender Gegenſtand zur Cildung des Verjtandes, des
Gemüthes und des Willens, d. i. als Fach gelehrt werden könne,
und wiederum ein großer Bilderſaal ſey, woraus ſo manches
Gemälde entlehnt werden kann, das dem Auge eine Fülle des
Glaubens, der Zuverſicht und der Gottſeligkeit vorführt.
A!s Fach gelehrt, zeigt fie vie Treue Gottes, ſeine Macht
und Weisheit in Durchführung ſeines Planes, die Wahrheit
und die Beſeligung der göitlichen Anſtalt des himmliſchen Rei-
hes, die Leidensfähigkeit und Steghaftigkeit der gedrüctein und
befeindeten Kir<e. Sie reißt zur Bewunderung und Anbetung
des in ihr waltenden Geiſtes, zum feſten Glauben, zum muths-
vollen Kämpfen und Ausharren in Zuverſicht, zur Treue und
Ergebenheit hin. Sie kann füglich als die Lehre vom hl. Geiſte,
ſeiner Perſon und ſeinem Werke, von ſeinen Gnaden in uns
und ſeinen Anforderungen an uns, und in dieſer Richtung als
Religionslehre ſelbſt betrachtet werden. Cs ſcheint auch gar
nicht ſchwierig zu ſeyn, eine Reliqions- und Kirchengeſchichte
in dieſer Eigenſchaft zu geben, da ja das Chriſtenthum durch
den hl. Geiſt und ſein Organ die Kirche an uns gelangt. Nun
darf nur angegeben werden, was als ſolches an uns gelan-
ge, welche Läuterungen es durc<gega ngen ſeit ſeinem Ausgange
aus dem Munde des Sohnes Gottes, zoie es ſich mannigfaltig
bald bei abnehmender Lebensfraſt dahin ſchwindender Völker
geſä)wächt, gehemmt und verkümmert ſich) erhalten, bald wies
der in neuer Friſche mit neuem Leben emporſirebende Völker,