Full text: Quartalschrift für praktisches Schulwesen - 6.1842 (6)

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feit und Faulheit, vier wegen Inſuborvination , zwei wegen notoriſcher 
Unfähigkeit, iroß der Prüfungen, welche ſte für zuläſſig erklärt hatten, einer 
wegen Handlungen vor ſeinem Eintritie in die Normalſchule, einer, weil 
er einen Tag vor ſeinem Austritt in einem der Trunkenheit nahen Zuſiande 
in die Schule zurücgefehrt war, einer, weil er einen unziemlichen Brief 
geſchrieben, einer, weil man ihn im Beſitz eines unfittlichen Buches gefun- 
den hatte. 
Judem man dieſe Anzeigen zur Oeffentlichkeit bringt, nimmt man nicht 
an, daß kein ernſtes Vergehen, kein laſterhafter Character der Aufmerk- 
ſamkeit entgangen ſey, ſondern man gibt den Maßſtab für die ſtrengen Prin- 
eipien, welche die Disciplin der Normalſchulen leiten. 
Was die Lehrgegenſtände dieſer Anſtalten betrifft , ſo haben ſte das 
Programm des Clementarunterrichts beider Grade, welches das Geſetz be- 
ſFimmt und das königliche Conſeil des öffentlichen Unterrichts in Anwen- 
duüg zu bringen befohlen hat, zur Grundlage. Man hat ſich zuweilen be- 
mühen müſſen , dieſem Programm ſeinen ernſten und praktiſchen Charakter 
zu erhalten und anmaßende und nußloſe Cinmiſchungen zu verhindern. Der 
Normalcurſus iſt für die zwei Jahre, welche man gewöhnlich in der Schule 
zubringt , ſchon zu umfangreich, und eine Bermehrung von immer man- 
gelhaften Kenntniſſen würde eher Halbgelehrte, als geſchi>te Lehrer bilden. 
Unter dieſe Ueberladungen haben wir aber nicht gerechnet, jondern viel- 
mehr als weſentlich empfohlen einige Kenniniſſe vom Recht, von Haltung 
der Regiſter ves bürgerlichen Standes und die kaufmänniſchen Regeln der 
Buchhaltung. Der Lehrer ſoll alle Keuntniſje beſiken, welche ſeine Stel- 
lung verbeſſern können , ohne ihm den Wunſch einzuflößen , ſie aufzugeben, 
Glementarcurſe über Acerbau , Pfropfen und Beſchneiden der Bäume, 
über verſchiedene Theile ver Oekonomie in ihrer Beziehung zu den Wiſſen- 
ſchaften haben in vielen Normalſchulen Aufmunterung erhalten. Dieter 
Nebenunterricht hatte vorzüglic) die gewöhnlichen praktiſchen Kenntniſſe 
zum Gegenſtand, welche in mannigfacher Beziehung den Verſtand des Men- 
ſchen entwickeln und ihm mehr Mittel gewähren, fich Anderen nüßlich zu 
beweiſen. Cin berühmter Gelehrter, Bicepräſident des königlichen Con- 
ſeils des öffentlichen Unterrichts, hat ſelbſi“) in der beſtimmteſten und 
einfachſten Form eine Auswahl ver beſonderen Begriſſe zufammengeſtellt, 
welche den genaueſten Theorizen entlehnt ſind und deren Anwendung ſür 
Geſundheit, Induſtrie und Ackerbau am nothwendigſien iſt. Dieß iſt das 
Syſtem der moraliſchen Erziehung und die nüßliche und mannigfaltige Un- 
terrichtungsweiſe, welche im Allgemeinen in den Clemenkarnormalſchulen 
eingeführt ſind. Und es gelingt auch, trotz manchen Anfangs herrſchenden 
Vorurtheilen, den meiſten aus den Normalſchulen hervorgegangenen jun- 
gen Lehrern ſchnell die Achtung ver Ortsbehörden zu gewinnen. Das Pu- 
blifkum beobachtet ſie ſtreng, und auch dieß iſt ein Vortheil. So haben 
wir den Beweis erhalten, daß au mohreren Orten das tadelnswerthe Be- 
7) Programm über den Unterric<t von den unothwendigſten Glementar- 
kenntniſſen in Phyſik, Chemie und Maſchinenweſen, genehmigt im 
königlichen Conſeil ves öffentlichen Unterrichts, am 28. Inli 1837.
	        
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