Full text: Beiträge zur Erziehungskunst, zur Vervollkommnung sowohl ihrer Grundsätze als ihrer Methode - 1.1803 (1)

den Einbildung, und Vernunft kann da nicht gedei- 
hen, wo der Einklang fehlet, welchen der Geiſt zwis- 
ſchen ſich und der Natur hervorbringt, indem ex 
zwar nach ſeinen Geſeken und Zwecken , allein nur 
in Beziehung auf ein Anderes handelt, welches er 
als durchaus unabhängig von ſeinem Weſen erken- 
nen muß. Sn 
Soll alſo die Einſeitigkeit ſowohl als die Un- 
gewißheit vermieden werden , weiche mit dem bisher 
gerügten unwiſſenſchaftlichen Verfahren, ſo wie in 
jeder planmäßigen Thätigkeit , ſo insbeſondre in der 
Erziehung unfehlbar verbunden iſt, ſo müſſen wir 
vor allen Dingen den Geſichtspunfkt feſtſtellen , aus 
welchem der Menſch, welcher erzogen werden ſoll 
zu betrachten iſt , und welchem gemäß dann jeder 
Theil der Erzlehung das ſeinige zu dem Zwecke des 
Ganzen beiträgt. Wir wiſſen im voraus, daß jener 
Geſichtspunkt nur mittelſt einer reiflich überdach- 
ten Darſtellung deſſen, was den Charakter der 
Menſc<ennatur ſelbſt ausmacht, feſtgeſtellt werden 
kann 3 und die folgende Abhandlung wird die Aufs 
gabe zu löſen „verſuchen. Iſt aber wohl noch ein 
Zweifel, ob die Erziehung, wenn ihr Princip auf 
dieſe Weiſe gegründet iſt, wiſſenſchaftlich im ſtreng- 
ſten Sinne, und dabei ohne alle Furcht vor den 
Folgen einer willkäührlihen Sakung werde begon- 
nen werden können? Wir wiſſen im Gegentheile
	        

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