Full text: Jahrbuch des Vereins für Wissenschaftliche Pädagogik - 23.1891 (23)

182 F. HoOLLKAMM: 
 
fortgeschrittenen und zurückgebliebenen Schülern. Diesen Vor- 
teilen Steben freilich Bedenken gegenüber, die jedoch durch 
zweckmägsige Gestaltung des Helferwegens abgeschwächt werden 
können. 8So darf der Lehrer nie eine Abteilung vorzugsweise 
den Lehrschülern überlassen. Die Arbeit der letzteren muss auch 
der Zeit nach genau abgegrenzt Sein von der des Lehrers und 
von der Stillen Beschäftigung. Auf Schutzvorrichtungen gegen 
das Geräugch, welches der Lehrschüler verurgacht, wird Später 
einzugehen Sein. Helfer und LehrsSchüler Sind nie einer Ab- 
teilung zu entnehmen, welche der Lehrer eben unterrichtet. 
Endlich muss der Lehrer darüber wachen, dass das Helferwegen 
nicht zu einer Unterdrückung der jüngeren Schüler durch die 
älteren führt. 
Die sogen. Stillen Begchäftigungen nehmen in der 
einklasSigen Schule einen breiten Raum ein. Der Anusdruck 
Stille Begschäftigung ist nicht buchstäblich zu nehmen. Etwas 
Geräusch wird eine arbeitende Abteilung Stets verurgachen. 
Die Begchäftigungen Sind mündliche oder Schriftliche. Erstere 
bestehen in Durchlesen, Lernen, Kopfrechnen u. s. Ww., letztere 
in der Anfertigung von Aufsätzen, in Abschreiben, Aufschreiben, 
Zeichnen, Schriftlichem Rechnen, Notenschreiben und dergl. Die 
Beschäftigungen können Sich an jede der fünf Formalstufen an-. 
Schliessen. So kann in gewissen Fällen die Stufe der Vorbe- 
reitung teilweise Schriftlich erledigt werden. Die Thatsachen 
der Darbietung werden eingeprägt, Sei es durch Legen oder 
Lernen, Sei es durch EKintragen ins Merkheft. Die Schüler 
Suchen gelbständig Beispiele zur Verknüpfung auf. vie tragen 
die Ergebnisge der ZusammenſfasSung ins Systemheft ein. Sie 
lögen Aufgaben, welche der Anwendung angehören. Neben dem 
letzteren Punkte dürfte die Anlage der Merk- und Systemhefte 
eine der Hauptaufgaben für die stille Beschäftigung Sein. Der 
Unterricht muss beständig darauf Rücksicht nehmen, dass 
es nicht an Stoffen zur Beschäftigung fehle. Dieselbe muss 
80 mannigfaltig als möglich gestaltet werden. Auch kann und 
mus“ bei ihr noch mehr als beim Unterricht, den Individuali- 
tätsgunterschieden Rechnung getragen werden. Nicht nur werden 
in passenden Fällen den einzelnen Jahrgängen einer Abteilung 
begondere Aufgaben zu stellen Sein, Sondern es „müssgen auch 
den Fähigeren immer erweiternde ZuSätze Zu dem, was die 
Schwächeren zu leisten haben, gegeben werden ".“ Solche Zu- 
 
1 Ziller, Grundlegung, Seite 512---13.
	        
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