Full text: Jahrbuch des Vereins für Wissenschaftliche Pädagogik - 36.1904 (36)

64 Weniger. 
 
Zeit zur Verfügung Stehen wird. Das Sind Vorfragen, 
die gelöSt werden müsgen, ehe ein Lehrplan fixiert werden 
könnte. 
Doch Sind einige Punkte vorhanden, über die eine 
Klärung Schon heute zu erzielen wäre. Soll unseren 
Schülern neben der Lektüre zusammenhängende Literatur- 
gesSchichte und das Studium einer SyStematischen Grammatik 
geboten werden? Ich möchte beides beJaben. 
Es gibt ja in der neueren Methodik eine Starke 
Strömung, die Sich gegen beides richtet. Die Erwägung 
aber, dass ungere Schüler Später Selbst einmal unter- 
richten werden, also Selbst einmal eine Entscheidung be- 
züglich der Stoffauswahl werden treffen müSSsen, nötigt 
uns m. E. zu einer Solchen Einführung. Das Beste wäre 
freilich, es könnte Soviel Lektüre getrieben werden, dass 
durch diege Sich von Selbst ein Bild der ganzen Literatur- 
entwickelung ergäbe. -- Allerdings dürfte die Literatur- 
gegchichte nicht ein Sammelsurium von Namen und Daten, 
Sondern Sie müsste, im Sinne Hettner's, „eine Geschichte 
der Ideen und ihrer wisSenschaftlichen und künstlerischen 
Formen“ Sein, Sie müsSste das bieten, „was die Dichter- 
persönlichkeit und ihre Bedeutung für die Literatur und 
für ungere Bildung charakterisSiert.“ 
Ebenso bin ich für das massvolle Studium einer 
SyStematischen Grammatik, etwa von Klasse 3 ab. In 
allen anderen Fächern dringt der Seminarunterricht auf 
ein geordnetes, übersichtliches WisSen, 8011 es im Sprach- 
unterricht anders Sein? Wer unterrichten will, 
muss nicht bloss über ein Sicheres, Sondern auch über 
ein geordnetes Wissen verfügen, um Haupt- und 
Nebensache, Allgemeines von Vereinzeltem untersScheiden 
zu können. Wer nur geniesSen will, kommt ohne 
ein Solches durchgebildetes WisSen aus. 
Ferner wäre es erwünscht, eine Einigung über die 
Stundenzahl in den Oberklassen herbeizuführen, weniger 
als 3 erscheint nicht angängig, eine für Lektüre, 1 für 
Literaturgeschichte und 1 für Konvergation und Schrift- 
liche Ausarbeitungen. Gerade in den Oberklassen, Wo 
die Schüler gicb eine gewisse Beweglichkeit in der fremden 
Sprache erworben haben, möchte Gelegenheit vorhanden 
Sein, diese auszunutzen.
	        

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