Full text: Pädagogisches Archiv - 8.1866 (8)

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dieſer Stelle zunächſt von der äußerlichen Gliederung und dem Zu- 
ſammenhange der verſchiedenen Kräfte in der <hriſtlihen Gemeinde die 
Rede, allein jenes erſte fundamentale Merkmal des Organij<hen, welches 
der Apoſtel anführt, ſchließt die übrigen mehr ſecundären Merkmale in 
ſich: wie der Apoſtel dies ſagt: die Gliederung macht, daß der Leib 
. wächſt zu ſeiner ſelbſt Beſſerung. -- Dieſelbe Urſache, welhe aus der 
Einheit des Organiſchen verſchiedene Glieder ausgeſtaltet, um die zu 
Grunde liegende Jdee zu verwirklichen, bedingt auch die Aufeinander- 
folge verſchiedener Leben8formen, deren jede die Darſtellung des Ur- 
bildes ergänzt. -- Vergleicht do< auc<h der Herr ſelbſt das Himmelreich 
mit einer Pflanze, mit einem Senfkorn, um ſein gewaltiges Wachsthum 
zu bezeichnen. -- Und mit wel<hem andern organiſchen Weſen ließe ſich 
die Kir<e beſſer vergleihen als mit einer Pflanze? Haftet nicht die 
<hriſilihe Kirche, einer Pflanze ähnlich, zunächſt an gewiſſen Ländern 
und Völkern, deren aufeinander folgende Generationen, einem frucht- 
baren Boden gleich, ihr immer junge Lebenskräfte zuführen ? Breitet 
ſie ſich nicht, nah Art eines Gewächſes, in andern Gegenden aus, theils 
durc< die abſicht8vollen Bemühungen einzelner Menſchen, theils durc< 
die ſcheinbar zufälligen, den Winden und Strömen vergleichbaren Be- 
wegungen des Menſc<engeſc<hlechts ? 
Doch i<h geſtehe, es kann die Auffaſſung der Kirche als einer 
Gemeinſc<aft, die aus innerer Nothwendigkeit gewiſſe Entwielungs- 
Perioden durc<zumachen hat, manche Bedenken erregen. Man könnte 
entgegnen: ein ſolcher fortwährender Wechſel der kir<lichen Formen, 
eine unabſehbare Reihe von Entwi>elungen, wie wir ſie vorauszuſeßen 
ſcheinen, mache auch jede Glaubens8- und Sittenlehre zu einer vergäng- 
lihen Erſcheinung und widerſtrebe darum jedem religiöſen Wahrheits- 
Gefühle. 
Allein zunächſt iſt die von mir dargelegte Auffaſſung dem, was 
unſre. ſymboliſchen Bücher über die Kirche lehren, keine8weg8 wider- 
ſprechend, in ſo fern dieſelben die jeweilige irdiſche Kirche nur als ein 
unvollkfommenes Abbild ihrer ewigen Jdee darſtellen ; vielmehr iſt durch 
jolche angenommene Differenz von Jdee und Wirklichkeit immer zugleich 
das fortdauernde Streben nach einer anderen vollkommneren Geſtaltung 
der Kirche bedingt; und andererſeits ſet ja der Begriff de8 Organiſchen 
weder eine unbegrenzte Verſchiedenheit der ſich folgenden Entwielungen, 
noh eine endloſe Reihe derſelben voraus, vielmehr, wie jedes Einzelleben 
in ſic< einen individuell beſtimmten, aber ſtätigen und bleibenden Typus 
trägt, vermöge deſſen e8 in allen Metamorphoſen ſeine Einheit feſthält, 
-=- ſo wiſſen wir, geſtüßt auf die heilige Schrift und Geſchichte der
	        

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