Full text: Pädagogisches Archiv - 8.1866 (8)

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jedem Schulmanne, dem ſeine Aufgabe lieb und theuer iſt, der Wunſch 
nahe, daß der natürliche Zug, der eine erobernde Richtung in der Lite- 
ratur vorwärts dringen heißt, auf dem Gebiete der Praxis, das doh 
ein weſentli< anderes Terrain bietet, nicht zu weit führe. 
Hört man freilih auf die Trompetenſtöße , mit denen ſelbſt in 
pädagogiſchen Zeitſchriften von Einem und dem Andern die neue Aera 
begrüßt iſt, ſo könnte man meinen, es ſei nun erſt für den S<hulunter- 
richt die wahre Zeit des Heils gekommen und es ſolle nunmehr von 
den Grundlagen der Shulgrammatik, die ſo lange nicht bloß für rich- 
tig, ſondern auc< für wiſſenſchaftlich gegolten haben, wie einſt von 
den Mauern Jeric<ho's, kein Stein auf dem andern bleiben. So übel 
hat es aber Gott mit der Wiſſenſchaft, die er uns gegeben und die in 
„ lepter Inſtanz immer zu ihm geführt hat, no< niemals gemacht, 
und er macht es au< heute nicht jo. Wir legen natürlich kein Gewicht 
darauf, daß von den Bearbeitern der ſprachvergleihenden Grammatik 
au<ß ſo manche recht ſhwac<he Hypotheſe uns als Wahrheit verkauft, 
ſo manches Stückwerk als Ganzes geboten wird, von der Hypotheſe Fr. 
Müller's über das » ephelkystikon und den Neſultaten W. Chriſt's, 
die auc< nah dem Urtheil von Leo Meyer, G. Curtius und dem 
anderer Vertreter der neuen Richtung zu viel Unrichtiges enthalten, 
bis zu den mitunter ſo kühnen Zuſammenſtellungen von Leo Meyer 
ſelbſt und den ſogenannten Lü>en in der vorliegenden Shulgrammatik 
von Curtius, auf die Schleicher (1861) hingewiejen hat. Dergleichen 
iſt auf einem neuen Gebiete der Wiſſenſc<haft, und zumal, wo, wie hier, 
die ungeheure Extenſion der Kenntniß ſo leiht der Jutenſität der Prü- 
' fung und der Vollſtändigkeit des Ueberblis Eintrag thut, nur zu 
natürlih. Aber au< abgeſehen hiervon iſt die Warnung vor einer 
Ueberſ<häßung des aus der Sprachvergleihung für die Schule rejulti- 
renden Gewinnes na< des Ref. Ueberzeugung wohl begründet. Wenn 
wir nämlich die Reſultate der neuen Errungenſchaft mit der einer ſo 
wichtigen Sache geziemenden Unbefangenheit im Großen und Ganzen 
würdigen wollen und zu dieſem Behufe die für das Grie<hijc<e --- das 
uns hier zunächſt angeht = in den ſogenannten Haupt - Lautgeſeken 
gewonnenen Grundlagen einer ſo populär wie irgend möglich zu hal- 
tenden Muſterung unterziehen: ſo wird ſic< das Urtheil wohl hinrei- 
Hend begründet zeigen, daß die dur<greifendſten derſelben altbekannt 
und ſc<hon längſt in den Grammatiken des ſog. alten Schlages ver- 
werthet ſind, und daß die von der Sprachvergleihung neu gefundenen, 
ſoweit dieſalben überhaupt ohne Zuhülfenahme der' Schule fern liegen- 
der Sprachen, im Beſondern des Sanskrit, zu verwerlthen ſind, zum 
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