Full text: Pädagogisches Archiv - 8.1866 (8)

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machen. Dieſer ganze Theil der Welthiſtorie, indem er ſich an das 
Leben großer <riſtliher Perſönlichkeiten anlehnte, an dieſe lebendigen 
Bilder die Scilderung der von ihnen aus8gegangenen Organiſationen 
' anknüpfend, würde einen idealen Charakter gewinnen, deſſen er jekt 
faſt ganz entbehrt; --- die fortwährenden Aufſtände, die wilden Gewalt- 
thaten jener Zeiten würden dem alſo angelegten Gemälde nur einen 
dunkeln Hintergrund, eine energiſchere Schattirung verleihen. 
Jedenfalls würde der Schüler bei einer ſolchen Einrichtung des 
Geſchichtsunterri<hts unendlich mehr und Beſſeres von dem eigentlichen 
Leben des Mittelalters erfahren, als dies bei der jezigen Unterrichts- 
weiſe dur<h die eintönige Erzählung von immer wiederholten Aufſtänden 
und Fehden, von reſultatloſen Kriegen und Schlachten geſchieht. -- Ein 
derartig geſtalteter Vortrag der Geſchichte iſt unſ<wer dur <hzuführen 
in ſolchen Schulen, wo der Religion8- und Geſchichtsunterri<t in der 
Hand deſſelben Lehrers vereinigt iſt. 
Dies führt mich weiter zu einigen Bemerkungen über die 
Methode des kir<engeſ<ichtli<en Unterri<hts. 
Gerade der innige Zuſammenhang der kir<lihen Ereigniſſe mit 
den weltlihen Kämpfen und Culturzuſtänden, dann die Fülle des 
kirhengeſ<hichtlihen Stoffes und wieder die Sparſamkeit und Unſicher» 
heit der Nachrichten über viele der bedeutendſten kir<lihen Perſönlich- 
keiten, die verwidelte Natur der kir<lichen Verhältniſſe ſhon im fünften 
und ſechſten Jahrhundert, ſowie die Fremdartigkeit der einſt herrſchenden 
kir<lihen Beſtrebungen und Gebräuche den jetzigen Zeitanſichten gegen- 
über, ſc<heinen einem ſegensreichen und wahrhaft anziehenden Unterrichte 
große Schwierigkeiten entgegenzuſtellen. 
Indeſſen dieſe Schwierigkeiten löſen ſich leiht, jobald wir nur 
für die Behandlung des Gegenſtandes die re<ten Geſichtöpunkte gefun- 
den haben. 
Die Geſchichte der Kirche iſt zunächſt als die Fort- 
ſezung des göttlichen Reiches im alten Bunde zu be- 
trachten. 
Wie das neue Teſtament zum alten, ſo verhält ſi< das Reich 
Gotte8 nah Chriſto zu der Entwiälung deſſelben vor Chriſto: nämlich 
wie die eintretende Vollendung zur Vorbereitung, wie die Erfüllung 
zur vorangegangenen Verheißung. -- Daraus folgt: die Mittheilung 
der Kirc<hengeſchichte iſt die Fortſezung des Unterrichts in der bibliſchen 
Geſchichte. -- Dieſe Anſicht wird leiht auf Widerſpruch ſtoßen, weil 
die gottgeſandten Männer des alten Bundes Vielen weit über unſere 
Kirchenväter, über die mittelalterlihen Heiligen, oder über die Refor-
	        

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