Full text: Pädagogisches Archiv - 8.1866 (8)

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faſſer dieſes kennt die Nachklänge dieſes Geiſtes echten norddeutſchen 
Bürgerthums no< ſelbſt aus eigenen Jugenderinnerungen, und kehrt 
no< täglich, wenn er Erfriſ<ung bedarf, zu ihnen zurück, um dort einen 
guten, friſchen, kühlen Trunk zu thun. Rechnet man hierzu die damalige, 
von größerem Verkehre abgeſchiedene Lage der kleinen Stadt, die man- 
<herlei hiſtoriſ<en Erinnerungen, welche ſich an die herrliche Kir<he mit 
ihren Mirakeln und ihren no< heut gezeigten Reliquien knüpften, ſo 
mande jeßt verſchwundene Einrichtungen der Schule, de8 Chores, und 
Anderes, was im Buche ſelbſt nachgeleſen werden muß, ſo wird man 
einerjeits die friſ<e und fröhliche Natur unſers Biographen, andrer- 
ſeits die tiefe Anhänglichkeit begreifen, welche ihn auch in jpäterem Alter 
in die Heimath zurü&führte. Zum leßten Male iſt dies, wie es ſcheint, 
1847 geſchehen. - 
Der Vater unſere8 Harnijh war eine jener Naturen, wie ſie jekt 
immer ſeltener werden: in ſeinem Handwerk tüchtig und geachtet, in 
ſeinem innerſten Weſen feſt und gediegen, von ſtrengſter Rechtlichkeit, 
dabei voll Theilnahme an dem Wohle der Stadt und ſeiner Mitbürger, 
fleißig im Erwerben, umſichtig im Zuſammenhalten, den Bedrängten 
hülfreih. Dabei lebten in ihm die Familienerinnerungen an das alte 
Familiengut und an die Ehre ſeines Hauſes, die er in ſeinem Sohne zu 
erneuten wünſchte. Dieſer Sohn war das einzige von vielen Kindern, 
welches ihm geblieben war. Um fo mehr wollte er ihm gewähren, was 
ihm ſelbſt verſagt geblieben war: er betrachtete es zugleich als ein Opfer, 
welches er dem Höchſten darbringe: als er etwa 8 bis 9 Jahr alt war, 
beſtimmte er ihn zum Studiren, und that ſofort alle Schritte, welche 
als erſte Vorbereitung für deſſen dereinſtigen Beruf dienen ſollten. Dann 
brachte er ihn auf das Gymnaſium zu Salzwedel. Er hatte von der 
Mildthätigkeit der Bürger dieſer Stadt gehört. Er hoffte dort für ſeinen 
Sohn Freitiſche zu erhalten, wie ſie damals von jedem guten bürger- 
lihen Hauje zur Ehre Gottes und zur Ehre des Hauſes gern und reich- 
lich gegeben wurden. Auch dieſe Sitte iſt eine verſchwundene, ſie war 
eine äc<ht proteſtantiſche: welcher Segen auf dieſen Freitiſ<en geruht 
hat, kann nur der ermeſjen, der ſich ſelbſt dieſer <riſtlihen Mildthä- 
tigfeit erfreut hat, 
Der Vater begleitete den» 13jährigen Knaben von der theuren Hei- 
math und der ſtill weinenden Mutter hinweg an den Ort, der für eine 
Reihe von Jahren ſeine neue Heimath werden ſollte. Harniſch ſchildert 
. die Verhältniſſe, in die er hier eintrat und die zum Theil ganz eigen- 
' thümlicher Art waren, mit einer überraſchenden Treue und Wahrheit, 
mit einer Treue und Wahrheit, wie nur der ſie geben kann, der in
	        

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