Full text: Pädagogisches Archiv - 8.1866 (8)

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weniger erwartet irgend Jentand -- alſo gewiß auch das Pommerſche 
Provinzial-Schul-Collegium nicht -- von einer ſolchen Beſtimmung das 
ganze Heil der Schule. Dagezen bleibt es gewiß wünſc<hen38werth, 
daß in dieſer Beziehung Gleichmäßigkeit herr]<e, ſchon deswegen, weil 
diejenigen Schulen, die ihre Zwiſchenſtunden länger ausdehnen, von den 
übrigen beneidet und, falls nicht ein gejezlicher Damm oder durch Zu- 
fall eine energiſche Perſönlichkeit ſich dem entgegenſtemmt, bald nach- 
geahmt werden würden. Die Neigung iſt mun einmal immer abwärts; 
es iſt ja auch jo ſehr verlo>end, noh einige Minuten blos gemüthlich 
zu plaudern und dann, wie main ſich einredet, mit um ſv friſchern 
Kräften -- auch von Seiten der Schüler, die inzwiſchen durc< tüchtiges 
Lärmen und andere LeibeSübungen einen wahren Hunger nach geiſti- 
ger Beſchäftigung eingeſogen haben --- ſein Werk wieder zu beginmten. 
Soll da der locus conmunis gelten ?; „Die Erziehung iſt eine Kunſt, 
und die Kunſt gedeiht nur in der Freiheit.“ Heißt das etwa: um die 
nöthige Freiheit bei der Erziehung zu haben, muß man die Zwiſchen- 
ſtunde nach Belieben verlängern können ? = und wenn nicht: was hat 
die Länge oder Kürze der Zwiſchenſtunden, was hat Pünktlichkeit im 
Beginn der Lehrſtunden überhaupt mit der wirklichen Freiheit zu thun ? 
Es iſt ja einfach ein Stü> der äußeren Ordmung, ohne welche über- 
baupt gar nichts, am wenigſten aber die Schule beſtehen kann. 
Darum iſt dem Referenten überhaupt auffällig geweſen, daß der 
verehrte Herr College auch daran Anſtoß nimmt, daß nicht mehr, wie 
biSher, die Anfangsſtunden des Morgens und Rachmittags 10 Min. 
nach voll beginnen ſollen. Er ſagt freilich: „Wo man bisher 10 Min, 
na< voll begonnen hat, va hat man hierfür triftige Gründe gehabt, 
welchen auch die Wünſche der AufſichtSbehörde untergeordnet erſcheinen 
müſſen.“ Leider hat er dieſe triftigen Gründe ganz verſchiviegen und 
nur auf die noh zu vrganiſirende Schulgemeinde verwieſen, deren Zu- 
ſtimmung er vorausſeßt, und als deren Bertreter er wohl vorläufig das 
Lehrercollegium anſieht, dem „ſo lange nicht von der Aufſichtöbehörde 
der Beweis erbracht iſt, daß eine Schule nicht das Nöthige leiſtet, und 
"daß eine Verlängerung der beiden täglichen Anfangsleckionen dem Mangel 
abhelfen werde, ...... die Gntſcheidung über den Beginn der Lec- 
tionen zuſtehen follte.“ --- Wie unerhört, wie gefährlich in ſeinen Con- 
ſequenzen klingt das! Danach hat alſo die Aufſichtsbehörde blos 2u 
fragen, ob das Nöthige geleiſtet wird. Das Wie geht ſie nichts an. 
Und jelbſt wenn ſie findet, daß nicht das Nöthige geleiſtet wird, und 
wenn ſie deSwegen in den OrganiSmus der Schule einzugreiſen gedenkt, 
dann hat ſie erſt no< zu beweiſen, daß eben die Cinrichtung, die ſie
	        

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