Full text: Pädagogisches Archiv - 8.1866 (8)

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Daß die Strafe natürlich ſei, vollziehe man ſie in der Regel bald? 
Etwas Hiße und Eifer ſchadet nict; nur muß man Herr ſeiner ſelbſt - 
jein. Durch das lange Aufſchieben erſcheint die Strafe als recht raffinirt. 
Nach jeder Strafe ſoll die Liebe wieder eintreten, die Milde der 
Luft, welche in der Regel nach dem Gewitter eintritt, damit dem Schüler 
der Weg zum Guten geebnet und die Hand darauf gereicht werde, 
Die Mittel zur Beſſerung müſſen erſt na< der Strafe angewen- 
det werden. Sie bejiehen vorzüglich darin, daß der Kalte erwärmt, das 
Harte erweicht, der Haß in Liebe verwandelt werde. 
Am wenigſten ſc<lägt oder ſtraft man einen fleißig, der faul 
iſt. Der Unordeutliche kann dadurc< ordentlich werden, der Vorſ<nelle 
etwas zach, der Zänker etwas friedliebender (nur nicht der Faule fleißig). 
Was in den häuslichen Kreis gehört und dort geſtraft werden muß, 
hat die Schule nicht in ihren Kreis hineinzuziehen. 
Kinder müſſen mehr Sonn- und Feſttage haben, als Erwachſene, 
Junge Pferde jpannt kein guter Wirth zu anhaltend an. 
Alle Kinder, die privatim unterrichtet werden, verlieren etwas, 
was ſim durc<; nichts anderes erſeßen läßt. -- die Vorbereitung zu 
einem gemeinſamen, geſeßlich geordneten Leben. - 
Dem wahren Volksſ<ullehrer wird weniger daran liegen, wie weit 
ſeine Schüler in dieſem oder jenem Gegenſtande kommen, als ob ſie 
ſittig und fromm, keuſ< und züchtig, muthig und gemüth- 
lich, tapfer und herzlich, entſchloſſen und mild werden. 
Jeder Lehrer ſei daher ein wahrer Geiſtliher von echt <riſtlicher 
Geſinnung. 
Alle Tüchtigkeit ohne die Liebe und den höheren Sinn ergiebt ſich 
nur der Welt. 
Ein Volkserzieher iſt undenkbar, ohne daß er durchdrungen ſei 
von dem göttlihen Geiſte. Denn ohne dieſen Geiſt giebt es überhaupt 
gar keine Erziehung. | 
In Allem, was das Geſeß verlangt, jei der Lehrer hart wie 
ein Stein; in Allem, was über dent Geſetze liegt, ſei er dagegen mild 
und weich, langmüthig und ſanftmüthig. | 
Es iſt ein falſcher Srundſaß, daß die Schule die beſte ſei, worin 
das Meiſte und auf die ſ<Hnellſte Weiſe gelernt wird. 
Majſſe und Schnelligkeit ſind niht am wichtigſten; die 
. innere Güte giebt erſt den Ausſchlag. 
' Darauf kommt Alles an, daß Alles, was gelernt wird, dent 
Kinde eine reife Frucht ſei. 

	        

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