Full text: Pädagogisches Archiv - 8.1866 (8)

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das Ziel und in den Weg zu dieſem Ziel zur haben, alle Förderungen 
und Hemmungen zu ergründen, mögen ſie außer ihm oder in ihm liegen. 
Wir dürfen nun bei dem heutigen Standpunkte der Kultur überhaupt 
und unſeres Schulweſens. inSbeſondere wohl ſchwerli<h befürchten, daß 
dieſe Ginſi<t nicht überall zu erwarten und zu erlangen ſei. Die Zeiten 
ſind Gottlob ſ<hon lange vorbei, da man Leuten, welche im Kriegsdienſt 
invalid oder durc< falſche Spekulationen arm geworden, oder welche 
ſonſt aus Mangel an Kraft und an Kenntniß nirgend anders8wo ihr 
Fortkommen finden konnten, eine Sculſtelle darbot, als eine Kub, 
die mit Butter verſorgt. Bei der unverkennbaren Aufklärung unſeres 
Zeitalters iſt jene alte Engherzigkeit, mit der man den Stand des 
Schulmannes herabwürdigte und verächtlich) betrachtete, in ihrer Ge- 
meinheit aufgede>t und gewiß nur noh in wenigen Altagsſeelen haften 
geblieben. Aber mit der größeren Würde der Stellung haben ſich auc< 
die Anſprüche und Anforderungen, die man an Shulmänner macht, in 
hohem Grade geſteigert. Die gründliche Vorbereitung auf Schulen und 
Univerſitäten, die ſich durc< keine Autorität umgehen läßt, die ſtrengen 
Prüfungen, welche gleih den Symplegaden ſelbſt den ke>ſten Segler 
auc< ohne den Rath eines Phineus wenigſtens aufmerkſam und vor- 
ſichtig machen, ſie ſind wohl Beweiſes genug, daß der Mangel an jener 
Einſicht nur in eigener Schuld liege; wer Augen hat zu ſehen, der muß 
auch jehen, oder es iſt fein eigener Leichtſinn und Uebermuth, wenn er 
nicht ſieht. -- Aber er hat vielleicht die beſte Einſiht in die Shwie- 
rigkeiten ſeines Berufes, und ihm fehlt die Kraft ſie zu überwinden. -- 
Nun, ſo prüfe er ſeine Kraft bei Zeiten, und wähle dann ſeinen Beruf. 
Warum willſt du ein Krieger werden, wenn deine Nervenſ<hwäce keinen 
Kanonendonner ertragen kann? Warum ein Arzt, da du nicht, wie 
ſehr auch dein Herz bluten mag, mit ruhiger Miene und feſter Hand 
'amputiren kannſt ? Warum ein Gelehrter, wenn dir ſhon das ABC 
der Wiſſenſchaften. nicht re<ht in den Kopf will? Ein ſchwerköpfiger 
Gelehrter, ein thränenreicher Arzt, ein nervenſchwacher Krieger, ſie ſind 
ebenſo unnüß als lächerlich. Kennſt du, was du unternehmen willſt, 
jo prüfe deine Kraft. Fehlt dir der redliche Wille, ſo fehlt dir das 
Triebrad aller deiner Wirkſamkeit. Wer gegen die Jugend gleichgültig 
iſt, und ſie nicht aus wärmſtier Seele liebt, wer Bequemlichkeit und eigene 
Pflege lieber hat als ſein Amt, wer nicht rüſtig und eifrig und treu 
an ſein Geſchäft gehen will: der paßt überhaupt nirgend8 hin, am 
wenigſten in die Schule. Hier genügt nicht etwa bloß ein glücklicher 
Takt oder ein günſtiges Temperament oder natürliche Geiſte8gaben oder 
dauernde Geſundheit. Nein! Ein weites Meer von Arbeiten und An-
	        

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