Full text: Pädagogisches Archiv - 8.1866 (8)

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ſtrengungen eröffnet ſim der Laufbahn eines Schulmannes, Wer bei 
tlarer und tiefer Einſiht in die Sache den heiligen Drang und die 
rüſtige Kraft in ſich fühlt, den Jugendtempel zu betreten, wer ge- 
wonnen iſt für ſeinen Beruf Allem zu entſagen, Alles aufzuopfern und 
doch mit Liebe und Luſt ans Werk zu gehen, wer darauf gefaßt iſt, 
im Sh<hweiße ſeines Angeſichts ſein kärgliches Brod zu eſſen: der trete 
heran und faſſe, je ſc<wieriger ſein Beruf iſt, deſto höheren Muth. Er 
ſteure herzhaft auf dieſem Meeer von Mühen und Arbeiten. Die Klar- 
„heit jeines ring8umherſ<hauenden Blies läßt ihn glü>lic<h den Klippen 
vorbeiſegeln, mit der eiſernen Stirn der Erfahrung bietet er ſtolz der 
tüdiſhen Sturzſee Troß; vom Wogendrang der Begeiſterung gehoben 
I<wimmt er fühn über die Sandbank hinweg, und geleitet von der 
jegnenden Gottheit begrüßt er freudig den bergenden Hafen. 
Der Muth des Shulmannes muß in hohem Grade wachſen, wenn 
er ſic verbunden ſieht mit Männern, die gleihen Muth in ſich tragen 
und gleiche Geſinnungen hegen. Das Gefühl von den Schwierigkeiten 
des Berufes erſtarkt in der Ueberzeugung, daß treue Amtsgeneſſen in 
Liebe und Eintracht vereint, auf Einem Wege nac< einem und dem- 
jelben Ziele hinſtreben. 
Und was die Kraft des Einzelnen überſteigt, das muß bei dem 
harmoniſchen Arbeiten Vieler gelingen, zumal da, wo das zuverſicht- 
liche Vertrauen der Eltern, welche, fern von gewiſſenloſer Nachläſſigkeit 
und Unbeſorgtheit, die Erziehung ihrer Kinder für heilige Pflicht halten 
und bei deren Erfüllung die Klippen unpädagogiſcher Härte oder ſ<wacer 
Liebe wohl zu vermeiden verſtehen, wo alſo das Vertrauen der Eltern 
Einheit zwiſc<en Schule und Haus begründet. Jene Harmonie gleich- 
geſinnter Amtsgenoſſen und dieſe Einheit zwiſ<en Haus und Schule, 
. welche die Fräftige Thätigkeit des Einzelnen unterſtüßt, tritt auf noh 
'erfreulichere Weiſe da hervor, wo der Staat in weiſer Theilnahme wie 
ſie die Fortſchritte unſerer Zeit erheiſchen, das Werk der Erziehung 
würdigel und fördert, ohne dabei die freie Bewegung zu hemmen, in 
welcher der Schulmann erſt ſegenSreih und freudig ſein Erziehungs- 
geſchäft verwaltet. Der Staat ſieht in der Jugend ſeinen wahren 
Schaß, und löblihe Schulen erkennt er als den Brunnen des ſittlichen 
und intellektuellen Lebens an; er iſt der Vormund der Unmündigen; 
er kann und ſoll auc< da, wo den Eltern Kraft oder Einſicht oder Wille 
zur Ausbildung ihrer Kinder mangelt, mit jeinem Machtſpruch ein- 
treten. Hat er doch mit vollem Rechle die Gewalt, die Körperkraft 
der Jugend in Anſpruch zu nehmen und vorzubereiten für den Fall, 
wenn ein äußerer Feind die Grenzen des Vaterlandes bedroht: wie
	        

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