Full text: Pädagogisches Archiv - 8.1866 (8)

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ſäßen „genauer“ ſei als der Deutſche, während doch in Beiſpielen wie : 
Frater quum cubiculum intrasget, amicum vidit, der Römer ſich beim 
erſten Schritt dur< die Thür ſchon eingetreten denkt und der Deutſche 
das Eintreten nur nicht auf den Moment dieſes Durc<gangs beſchränkt, 
und vollends in Säßen wie „die Karthager mußten nun Frieden 
ſchließen“ „mußten“ nicht8 weniger als „phraſeologiſches8" Verbum iſt, 
ſondern ein Ausdru> für eine gemüthliche Betheiligung, die dem Römer 
ferner liegt, der Lehtere aug wahrlich nicht logiſ<er verfährt, wenn er 
für den deutſchen Subſtantivſaß hinter Verben der Furc<t den Ausdru> 
des Nicht-Gewollten, der Grieche den der dubitativen Frage vorzieht, 
wenn der Lateiner die Abſicht als gewollte Folge, der Grieche als eine 
vorgeſtellte Modalität der Handlung bezeichnet u. dergl. m. Es iſt, 
wie geſagt, dieſe Ausdehnung der Sprachvergleihung zur Zeit noch 
größtentheils ein Deſiderat, aber ein Deſiderat, zu deſſen Erreichung 
die Einführung der Reſultate der ſprachvergleichenden Laut- und For- / 
menlehre in die Schule, wenn Refer. nicht irrt, ein kräftiger Hebel 
ſein wird, | 
Gegenüber dieſen rationellen Vortheilen, welche das Hereinziehen 
der Reſultate der Sprachvergleihung in die Schule theils gewährt, 
theils in Ausſicht ſtellt, kommen die früher angeführten Mißſtände 
gewiß nicht ſo weit in Betracht, daß man das Kind mit dem Bade 
wird ausſhütten wollen, ja wir dürfen, wenn wir von dieſen Neſul- 
- taten auh nichts weniger als eine Reform des Sprachunterrichts er- 
warten, doch die durc< ſie gebotenen Verbeſſerungen immerhin als 
erheblich anerkennen. Natürlich iſt vor Allem Bedingung, daß ihr nur 
dasjenige aus dieſen Reſultaten zugeführt wird, deſſen Anwendung über 
den Geſicht8kreis der Schule nicht hinaus8geht und das die Probe ſtrenger 
wiſſenſchaftliher Prüfung beſtanden hat. Wie unreife Früchte auf 
dieſem Gebiete mitunter no<h erzielt werden, wurde oben angedeutet 
und wir tragen hierfür wenigſtens einige Beiſpiele nach, die wir ſo 
wählen, daß jeder philologiſch gebildete Leſer darüber ein Urtheil fällen 
kann. Kann es eine ſtrenge wiſſenſchaftlihe Ueberzeugung befriedigen, 
wenn zu agham (Sanskr.) = 8yc eine Grundform m -- agham 
nicht etwa nachgewieſen , ſondern fingirt wird, um Declinationsformen 
mit zu 3. B. eus zu erklären? oder.wenn AeJkoin aus Zeakourug, 
dieſes aus 4FeJorrcez und dieſes hinwieder aus Je&or7rezu erklärt wird, 
indem man annimmt, daß die primäre Form dur Analogie die jecun- 
däre verdrängt habe? oder wenn ti in der 2. Rerſon Sing. des 
Imperativs aus ze erklärt wird, obgleich ſonſt nur 9« (oi6d«a 20.) 
ſiH findet, und dabei re aus dem Sanskritiſhen 8i oder 8 ſtammen,
	        

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