Full text: Pädagogisches Archiv - 8.1866 (8)

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die Geognoſie und Geologie, welche exſt auf Grundlage der auf der 
Schule überhaupt erworbenen phyſikaliſ<en und naturgeſchichtlichen 
Kenntniſſe verſtändli< wird. Die Zoologie würde bei dieſer Einrichtung 
gegen die Botanik ſehr im Nachtheile jein, wenn ſie bloß auf die S<hul- 
ſtunden beſchränkt wäre und es faſt nur mit tro>enen Häuten und 
Schalen zu thun hätte. Aber da den Sinn für die Beobachtung der 
- lebenden Natur zu weken eine Hauptaufgabe des naturgeſchichtlichen 
Unterrichts iſt, ſo ſind regelmäßige gleichzeitig auf die Beobachtung der 
Thier- und Pflanzenwelt gerichtete Exkurſionen, welche einen integri- 
renden Theil des Unterrichts bilden, ganz unerläßlih. Jn welcher 
Weiſe dieſelben gehandhabt werden, um den Shulunterricht zwe>mäßig 
zu ergänzen, mag ſogleich hier ſeine Beſprechung finden. 
Nur von der Sexta, wo der naturgeſc<hic<htlihe Unterricht einen 
mehr vorbereitenden Chatakter beſißt und mit aller Kraft auf ſicheres 
Auffaſſen und Beſchreiben einfacher Thier- und Pflanzenformen hin- 
wirken muß, bleiben die regelmäßigen Exkurſionen noh ausgeſchloſſen. 
Auf allen folgenden Klaſſen bi8 zur Secunda einſchließlih werden den 
ganzen Sommer hindurc< die meiſt auf den Nachmittag gelegten natur- 
göſhichtlihen Stunden abwechſelnd in der einen Woche zum Unterrich- 
ten, in der anderen zu Exkurſionen verwendet. Einzelne Exkurſionen 
werden bei günſtiger Witterung ſelbſt im Winterſemeſter unternommen. 
Während der Unterric<t, was die Beobachtung betrifft, wenigſtens in 
der Botanik vorzüglich auf die Schärfung derſelben hinwirkt, indem 
einzelne Pflanzen genau nach allen ihren Theilen zergliedert und be- 
ſchrieben werden, ſo ſind die Exkurſionen beſonders zur Uebung im 
raſchen Auffaſſen der Eigenthümlichkeiten zahlreicher einzelner Pflänzen- 
arten geeignet und werden dazu in folgender Weiſe verwendet. Auf 
jeder Exkurſion werden von dem Lehrer beſtimmte Pflanzen bezeichnet, 
welche alle Schüler der Klaſſe in guten Exemplaren einzuſammeln und 
zugleicß mit deutſchen und lateiniſc<en Namen, die der Lehrer wieder- 
holt laut dictirt, zu verſehen haben. Die Zahl der jedesmal einzuſam- 
melnden Pflanzen iſt für jede Klaſſe eine beſtimmte und ſteigert ſich 
von Klaſſe zu Klaſſe, ſo daß für Quinta 10, für Quarta 15, für 
Tertia 20, für Secunda 25 Arten das feſtſtehende Penſum jeder Ex- 
kurſion bilden. Dieſe Pflanzen werden von jedem Schüler zu Hauſe 
eingelegt und getroänet und die nächſte botaniſche Stunde beginnt mit 
einer raſchen Controlle des neuen Zuwachſes der Herbarien. Als8dann 
werden die Exemplare einiger Schüler, welche dieſelben beſonders gut 
eingelegt haben, zum Vorzeigen benußt und durch Abfragen der zuge- 
hörigen Namen die Controlle darüber geführt, ob alle Schüler nicht
	        

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