Full text: Pädagogisches Archiv - 8.1866 (8)

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ſolchen Erneuerungen der alten taktiſchen Bewegungen hätten die Eltern der Sc<ü- 
ler u. ſ. f. eine „&0S5a“ wenigſtens von einer Seite des alten Lebens, = Auf 
die Frage eines der Herren, wie denn aber die Turnlehrer der Schulen die nöthige 
Kenntniß zur Einübung ſolcher helleniſchen Ordnungsübungen ſich erwerben ſollten, 
erklärte Waſſmannsdorff, er habe eine Anleitung zu dieſen Uebun- 
gen ſchon in Arbeit, die auch Belegſtellen aus den alten Taktikern 
varbieten werde. Schließlich erhob die Section folgenden Antrag einſtimmig 
zu ihrem Beſhluſſe: „helleniſche taktiſche Uebungen ſeien als freiwillige Uebun- 
gen in den Turnunterricht der Gymnaſien aufzunehmen und es ſeien die hierbei 
gemachten Erfahrungen auf der nächſten Philologen-Verſammlung mitzutheilen“ ; 
befanntlich iſt Halle zum Sitze der nächſten Verſammlung der deutſchen Phi- 
lologen und Schulmänner gewöhlt worden ; warten wir nun ab, welche Verbrei- 
tung, welchen Erfolg der Berſuch haben wird, den gereifteren Gymnatßſial- 
ſchülern eine Seite des Alterthums zu näherem Verſtäudniſſe dadur< zu brin- 
gen, daß man althelleniſche Ordnungsübungen ihren ſonſtigen Gemeinübungen 
anreiht. - (Kloſſ, Neue Jahrbb, für die Turnkunſt. 1865, X1, 5.) 
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9, Aus Köc<hly3 Eröffnungsrede der Heidelberger Philologen- 
| | Verſammlung 
giebt uns einer unſerer Freunde nachträglich einige hiſtoriſche Details, welche 
unſern Leſern noch immer von Intereſſe jein werden. | 
Eine Geſchichte des Humani8mus in der Stadt Heidelberg werde freilich, 
ſagt Herr Prof. Köchly, den Rahmen einer Eröffnungsrede überſchreiten. Er 
wolle uur einzelne Dauptzüge daraus anführen. ., | | 
Ruprecht von der Pfalz gab ſeiner geliebten Heimath die erſte Univerſität. 
Der 18. Oktober 1386 iſt der Stiſtungstag der Univerſität Heidelberg, die von 
Marſilius von Inohen mit einem feierlichen Hoc<hamte eröffnet wurde, Seitdem 
ſind Stadt und Umpverſität verbunden in Freud und Leid, in Noth und Olüd. 
In der Geſchichte der Umverſität H. ſind 3 Perioden zu unterſcheiden: 
1) Kampf gegen die eigenthümliche formale Betreibung der ſcholaſtiſchen Wiſſen- 
ſchaften im erſten Jahrhundert und Sieg darüber; 2) Zerſtörung und Verödung ; 
3) Wiedererweckung. In der erſten Periode mußte Hieronymus von Prag vom Lehr- 
ſtuhl weichen, weil cr ſich dem herrſchenden Formalivmus nicht anbequenien wollte. 
Im Jahre 1432 begaun die Reform der Univerſität, In der zweiten Hälſte 
des 15. Jahrhunderts wurde H- der Sammelplatz der bedeutendſten Humaniſten, 
wogegen im 17, und 18. Jahrhundert eine Stagnation eintrat. Wir wollen einige 
ver bedeutendſten Humaniſten namhaft machen, | | 
Rudolph Hausmann, der ſich Agricola nannte, ſich den Ariſtoteles allein 
abſchrieb, ſich ganz vem Evangelium und ſeiner Verkündigung widmete, weder ein 
Weib nahm noch einen feſten Wohnſitz gründete, = . , 
Reuchlin, lumen mundi genannt, der das erſte lateiniſche Lexikon ſchrieb 
und die griechiſche Sprache gründlich ſtudirte; er war außerdem ein vollkommener 
Weltmann im beſten Sinne des Wortes. | .- 
Johann von Amberg war das Muſter eines Kurators. 
Jakob Wimpfeling war ein Schuimeiſter von ächtem Schrot und 
Korn, der lieber Schulbücher als gelehrte Schriften verfaßte. Ex ſtellte ſich die 
Aufgabe, ſittlich zu wirken und eine innige Verbindung des <riftlichen Sinnes 
mit ſtreng antiker Ginfachheit herzuſtellen, | .„, 
| Johann Veſſel iſt bekannt durch ſeine ſtreng kirchliche Haltung, man hat 
ihn den Vorgänger von Luther genamt. | | 
Die Richtung der neuen Schulen diesſeits der Alpen war eine ethiſch- 
pädagogiſche, eine bevedte Frömmigkeit, wie Johannes Sturm in Straßburg ſagt. 
Reinheit im Latein und in der <hriſtlichen Lehre war die Tendenz.
	        

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