Full text: Pädagogisches Archiv - 8.1866 (8)

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und hat die Thür ſowohl wie die Bekleidung der Thür angefertigt ; 
hierauf hat der Shloſſer die Thür angeſ<lagen und mit Drücker und 
Schloß verſehen ; endlich hat der Maler die Thür angeſtrihen. Es ſind 
diejelben Theile, wel<he der Schüler auc< als nebeneinander befindliche 
(mit Ausnahme des Anſtri<s) würde entde>t haben, aber ſie erſcheinen 
jebt nicht in der Zuſfälligkeit des nebeneinander, ſondern in einer Art 
von nothwendiger Folge, und e8 kommt dadur< gleichſam ein Leben 
in die Thür hinein, welches für den Knaben ja einen ganz andern Reiz 
hat als für den Erwachſenen. Die Produkte der anorganiſchen Natur 
bilden hierfür geeignetſte Stoffe, während im für das Nebeneinander 
keinen Theil der Naturwiſſenſchaft für geeigneter halte, als die Minexra- 
logie, welche leider von unſern Gymnaſien ſo gut wie verſ<wunden 
iſt. ES iſt nun kaum zu ſagen, wie wichtig dieſe Art von Anſ<auungs- 
- unterricht ſür die Jugend iſt, wie ſie die Geiſter aus der Dumpfheit 
heraustreibt und ihr do< zugleich fröhliche Herzen macht, indem jeder 
ſich bewußt iſt alle dieſe Dinge ſhon gewußt und beſeſſen, und nur 
feine eigenen Schäße nicht gekannt zu haben. Es' iſt auch kaum ein 
Zweifel, daß, wenn einmal das Auge hierfür geöffnet iſt, es ſic nicht 
leicht wieder ſchließen, ſondern in ähnlicher Weiſe, ſo weit es kann die 
Gegenſtände in Thätigkeiten umwandeln und dadurch gleichſam beleben 
wird. Daß hierdurc< aber Kraft, geiſtige Kraft für die Anſchauung, in 
dem Sinne, in welchem wir das Wort hier gebrau<en, erwe>t und 
gebildet wird, haben wir, denke i<, nicht nöthig des weiteren ausein- 
ander zu ſeßen.. Dieſe Kraft und Nichtung muß aber bereits da ſein, 
ehe von ihrer Anwendung auf beſtimmte concrete Unterrichtskreije die 
Rede ſein kann. 
I< will hier gleiß eine neue Art der Anſ<hauung anknüpfen, 
obwohl ſie eigentlich eine Uebertragung der ſinnlihen Wahrnehmung auf 
nichtſinnli<hes, nämlich auf Handlungen, iſt und alſo ſchon eine gereiſ- 
tere geiſtige Kraft vorausſeßt. Auch bei Handlungen iſt eine Gliede- 
rung des Ganzen in gewiſſe Theile zu erkennen, welche ſich eben zu 
jenem Ganzen zuſammenſc<ließen. Wenn die Kraft zu jenen erſten Arten 
der Anſhauung hinreichend gewe>t und geſtärkt iſt, ſo iſt allerdings zu 
erwarten, daß derſelbe Geiſt auch im nichtſinnlihen naH Gewinnung 
ſolher Anſchauung ſtreben werde; gleihwohl darf man den Knaben 
hierin nicht ſich ſelbſt überlaſſen, ſondern muß ihn auch hierfür in eine 
- beſondere Schule nehmen. Von dem einfachſten Thun und deſſen Glie- 
' derung wird die Belehrung beginnen können. Das Seßen der Füße, 
das Heben und Senken der Hand, die Bewegung der. Hand beim Screi- 
ben des einfachſten Buchſtabens, überall gewahrt er bald das Verhältniß 

	        

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