Full text: Pädagogisches Archiv - 8.1866 (8)

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Lehrer in der Quinta den Pythagoräer vorträgt und in der Maturi- 
tätsprüfung no<& über die Höhe der reglement8mäßigen Forderungen 
hinau8geht und dann vom neuen Shulvorſteher oder jungen Schulen- 
Vorſteher belobt wird, denn es fällt von jener Strahlenhöhe Schimmer 
herab auf ihn und ſein Auge ſieht ihn (entſchuldigen Sie, Freund, wenn 
ich ſ<on wieder unwillkürlich einen Dichtervers anführe, es iſt ja wohl 
Klopſto>, der ſo ſpricht, und Klopſto> iſt ein ehrenwerther Mann ; aber 
meine Anwendung iſt irrig; nun das iſt das Loo8 des Schönen auf 
der Erde). 
I< ſpreche alſo ni<t von der Maſſe der Lehrgegenſtände, die 
will ich nicht verwerfen, denn die Zeit erfordert ſie wohl, ſondern nur 
von der Höhe der Forderungen in jedem dieſer Lehrobjecte; und wenn 
i< mich zuvor ſo verklauſulire bei meinen Angriffen, ſo iſt das vielleicht 
meine Fur<t vor jenen übereifrigen Schulvorſtehern oder Shulenvor- 
ſtehern, eine Frucht der erhaltenen Dreſſirung. 
Die Forderungen des Reglements in den alten Sprachen, dem 
„geprieſenen Hauptobject naM A. Wolff und Fr. Hermann, deren An- 
ſichten noh aus der Reſtaurationszeit der claſſiſ<Gen Studien ſtammen, 
ſind zu hoh und nur die wenigen von Gott geiſtig Bevorzugten == die 
Schule“ ſoll aber den Mittelſ<lag im Auge behalten und nicht, wie 
meiſtens geſchieht, jene Wenigen -- können in den lateiniſ<en und 
griehiſ<hen Prüfungsarbeiten ohne Vernachläſſigung anderer Gegen- 
ſtände, jene Höhe erreichen, welche man früher erreichte, als die andern 
Gegenſtände wie Nebenſa<en behandelt wurden und eine Jdealität in 
den Schulen herrſchte, die dem Thatſächlihen der Bedürfniſſe unſerer 
etwas proſaiſhen, mehr praktiſchen Zeitrihtung widerſpricht. Auch 
iſt der Vortheil für die geiſtige Bildung der Jugend viel zu gering im 
Verhältniß zur angewandten Zeit und Muhe, wenn namentlich blos 
das Formale, das ſogenannte Philologiſche im Auge behalten wird bei 
der Lectüre der alten Scriftſteller, über deren Behandlung doh Aug. 
Bö>h Beſſeres gelehrt hat, welher das Reale, die Geſchichte der 
menſ<hlihen Cultur u. ſ. f. als den.Gehalt, welher vor allem dem 
Geiſte der Jugend aus den alten Autoren erwachſen ſoll, betont, jedoch 
nicht frivole Bemerkungen und Erläuterungen zu Horaz, Ovid 2c. 
mit in den Kauf nehmen würde. Die. Schule ſoll überhaupt niemals 
erſ<höpfen, ſondern überall nur den Grund legen und die weitere Er- 
kenntniß vorbereiten und dazu befähigen; non s8cholae sed vitae 
digeimus, Und wie ſ<wer wird es nun bei ſolhen Forderungen für 
den Lehrer ſich zu beſchränken, obgleih die Beſchränkung ein Haupt- 
erforderniß der Methode iſt, So hängt denn auc< hier Methode und.
	        

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