Full text: Pädagogisches Archiv - 8.1866 (8)

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Seminar, no< durc< die Form des Lehrerexamens ſegensreich. vor- 
bereitet, auß kann die Bevormundung bei den Maturitätsprüfungen 
ſie nic<t ermuthigen, wenn ihnen, die doh die Individualität und den 
Werth eines Schülers beſſer kennen müſſen, als ein fremdhinzutretender 
Königliher Kommiſſarius, das Recht über den Kopf genommen wird. 
3. Die Schüler wie die Lehrer werden dur< dies Alles genöthigt, 
ihren Sinn für Wahrheit abzuſhwächen; die Schüler bedienen ſich troß 
der gewaltigen Strafen der Ausſchließung, unrec<ter Mittel die For- 
derungen zu erfüllen und werden in der Benutzung verbotener Hülfe 
nur um ſo ſchlauer, und die Lehrer, die doch Vorbilder in allem Rechten - 
ſein müſſen, werden gezwungen ungenügende Leiſtungen als befriedigend 
hinzuſtellen ; kurz in Lehrern und Schülern wird der Sinn für Wahr- 
heit und die Geſinnung leicht alterirt und corrumpirt und zu Halbheit 
de8 Thuns und Pflege des Scheins verleitet. 
- Soll ich Ihnen die Zeugen für die Wahrheit diejer Behauptungen 
nennen? Sie kennen ſie beſſer als ih. Es genüge alſo auf die Gym- 
naſialpädagogik von Noth und deren Beſprechungen in Lehrer-Verſamm- 
lungen und in Recenſionen zu verweiſen. 
| Soll ih nun nicht, auf dieſe vollgültigen Zeugniſſe mich berufend, 
ſagen dürfen, daß die Un<riſtlihkeit, Unkir<lichkeit, Geſinnungsloſigkeit 
und Verderbniß mehr aus der Schule als, wie Sie ſagen, aus den 
Vertretern der Kirche hervorgehe? Aber die ſc<were Noth der Zeit, 
wie Sie ſich ausdrüFen, hat no<h weit tiefere Gründe, den allgemeinen 
Revolutionsgeiſt und Anderes. Sie haben mich durc; Jhre Angriffe 
auf meine Amtsgenoſſen zu dieſen Expectorationen veranlaßt und 
ſtimmen mir ja bei, daß jeder ſeiner Seits männiglich dieſer Noth der 
Zeit zu ſteuern helfen müſſe, zunächſt alle fühlbar gewordenen Mängel 
in Kirhe und Schule aufdeFen und Gegenmittel vorſc<lagen jolle. 
Etwas Gute8 kommt Lei den Verſuchen doch immer heraus, 
Ihres freundlichen Verſprechens, mir die neueren Schriſten der 
Widerſacher des Chriſtenthums mitzutheilen und zunächſt den Jnhalt 
von Nenans JFortſezungen (das Leben der Apoſtel 2c.) in nuce darzu- 
ſtellen, entbinde iH Sie. Jh mag das Bild eines Paulus, das ic< 
hehr und heilig im Herzen trage, nicht von frivoler Hand beſudelt vor 
mir ſehen; ſage Jhnen aber, daß, wie Renan nur als Nachfolger oder 
Nachtreter von den leichtfertigen Franzoſen Rouſſeau, Voltaire und den 
ſkeptiſchen Encyklopädiſten überhaupt, welche die franzöſiſ<e Revolution 
- mit ihrer Abſchaffung der <hriſtlichen Religion herbeiführten, angeſehen wer- 
den muß, ebenſo die blutige Noth der Zeit, die bald auf ſeine und Anderer 
Schriften folgen und über ganz Europa hereinbrehen wird, da das
	        

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