Full text: Pädagogisches Archiv - 8.1866 (8)

 
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Jeſum wirklich zu ſchauen und einer ſtärkenden und erneuernden Mit- 
heilung ſeines Perſonleben8 gewürdigt zu werden.“ Nun freilich, da 
haben wir auch nah meiner Anſicht eine Spukgeſchic<hte erhalten. Aber. 
wenn H. Renan und H. Strauß die Geſchi<hte und die Gründung der 
<hriſtlihen Kirche aus Hallucinationen, deren ſie namentlich den Apoſtel 
Paulus beſchuldigen, erklären, ſo iſt nur ein Teufel dur< den andern 
ausgetrieben. Die beiden lekteren ſind aber nicht halb, ſondern ganz, 
und wenn auch H. Strauß den Renan einen Romanſc<hreiber (mit Recht) 
nennt, ſo ſind ſie mir doh als Nitter mit offenem Viſir lieber als der 
wie H. St. ſagt, gleißneriſ<e halbe H. Schenkel. Schenkel ſchaufelt. 
Wiſſen Sie denn gar nicht mehr, daß eine ſolhe Schenkel-S<aukel- 
Sc<hwebe-Religion Bettina in einem Briefe an Göthe allen Ernſtes em- 
pfohlen hat? =- =“ Jit e8 aber nicht au< drollig, Leute deſſelben 
Schlages ſich ſo in den Haaren zu ſehen ? Und wirklich blos des Sc<herz- 
haften wegen habe ich mir erlaubt, Ihnen einiges von dieſem Tiſche 
aufzutiſ<en und Sie zu fragen, was daraus wohl werden wird, wenn 
das Reich unter ſich ſelbſt uneinig wird? Die Antwort darauf kann 
nur eine beruhigende ſein; und ich darf nun wohl hoffen, daß Sie mir 
verzeihen, wenn im Ihnen noch Einige8 von dem, was Strauß gegen 
den tapferen, entſchiedenen Hengſtenberg vorträgt, zu unſerem gegen- 
ſeitigen Nußen und Frommen mittheile. Doch nein, das überſteigt ihre 
Geduld und die Grenzen eines freundſchaftliches Briefes. Alſo, da Sie 
ſo kurz und bündig im letzten Briefe H. Schenkels Auferſtehungs8hypo- 
theſe abgefertigt haben -- von der iG doch Ihnen nur wenig mit- 
theilte --- ſo ſollen Sie dafür nun auch Ihr Urtheil oder Ihre Verur- 
theilung empfangen, und ich wähle darum gerade nur den Schluß des 
H. Strauß, mögen Sie ihn hören oder leſen wollen oder nicht, damit 
Sie do<h, der nichts von dieſen Herren ſehen und hören will, wenn 
auc< unwillkührlich erfahren, was die Glo>e geſchlagen hat im Reiche 
Gottes und nicht wieder ſo griesgram auf die Schulen und die armen 
Schulmeiſter herabſehen. 
Nachdem Strauß, die ganze jehige Theologie S< windel nennend, 
Hengſtenberg's Erklärungen oder Beſeitigung der Widerſprüche in der 
Auferſtehungsgeſchichte beleuchtet hat, ſagt er am Ende: 
„Wenn auc< niht mit der Shaßung no< mit dem Lazarus- 
wunder, bei der Auferſtehung Jeſu iſt es do< wohl außer Streit, daß 
mit ihr die Wahrheit des Chriſtenthums ſteht und fällt ? Sagt nicht der 
Apoſtel Paulus: Iſt Chriſtus nicht auferſtanden, ſo iſt unſre Predigt 
eitel, ſo iſt auch euer Glaube eitel (1. Kor. 15, 14. 17)? Gewiß, und an 
- dieſem apoſtoliſhen Wort iſt nicht zu deuteln. Das Chriſtenthum in
	        

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