Full text: Pädagogisches Archiv - 8.1866 (8)

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ſich entſ<hließen möchten, den erſten Unterricht bei ihren Kindern ſelbſt 
zu übernehmen. Dieſer Unterricht muß aber ſchon ſehr früh beginnen, 
indem auf die erſten Spiele und die Wahl des Spielzeugs, deſſen Er- 
haltung und Benußung große Sorgfalt zu verwenden iſt. Do iſt der 
eigentlihe Elementarunterricht wie ſpielend zu betreiben ; derſelbe wird 
bei gewöhnlich begabten Kindern auf 3 Jahre vom 7. bis zum 10. Le- 
bensjahre feſtgeſeht. „Das Maß der Kenntniſſe, welhe ein Kind, ab- 
gejehen davon, daß eine gleihmäßige Uebung aller ſeiner Geiſteskräfte 
immer in erſter Linie ſtehen muß, durc< dieſen Curſu8 erwerben ſoll, 
dürfte etwa dahin zu beſtimmen ſein: daß es ſich in der deutſchen, 
ruſſiſ<en und franzöſiſ<en Sprache ſeiner Begriffsſphäre gemäß mit 
Geläufigkeit ausdrücen, die genannten drei Sprachen fertig leſen und 
ſchreiben, leiht verſtändliche und für das Kindesalter berechnete Srif- 
ten, die in diejen drei Sprachen abgefaßt ſind, verſtehen und in die 
andern, ihm bekannten Sprachen überſeßen, mit den vier einfachen Rech- 
nungsarten im Kopfe und auf der Tafel raſc< operiren, leichte Melodien, 
die ihm vorgeſungen werden, ohne Fehler nachſingen, jedo<) auc<h nach 
Noten ſingen könne und außerdem etwa no< das Nothwendigſte aus 
der bibliſhen Geſchihte und aus dem Katehi8mus wiſſe.“ 
Doh troß dieſer wohl etwas hohen Anforderungen an ein zehn- 
jähriges Kind, auch wenn es ganz allein oder mit wenigen gemeinſam 
erzogen wird, beginnt der Verf. den Unterricht niht mit Leſen und 
Schreiben; dies wird erſt in der dritten Periode angefangen nach Ver- 
lauf von 12 Monaten, die meiſt mit Anſc<hauungsunterri<t ausgefüllt 
ſind. Jedoch kann man mit dem Kinde fremde Sprachen nicht früh 
genug beginnen: 1) weil die ſo gewöhnliche Scheu, eine fremde Sprache 
zu ſprechen, am leichteſten im KindesSalter überwunden wird; 2) weil 
man eine gute Ausſprache der fremden Sprache am beſten in dieſem 
Alter zu erlangen pflegt, und 3) weil die Erfahrung lehrt, daß junge 
Leute, went (ie niht (chon als Kinder vor ihrem Eintritt in die Schule 
deutſ9) und franzöſiſch ſprechen gelernt haben, dieſes ſpäter, zumal 
venn jie aum dann blos auf den Schulunterricht in dieſen Sprachen 
angewiejen bleiben, nur höchſt jelten und jehr mangelhaft lernen.“ G8 
ſollen aber dieſe Sprachen nur praktiſch getrieben werden; die Kinder 
ſollen im Sprechen geübt werden beſonders dadurch, daß dasjenige, was 
ihnen beim Anſ<hauungsunterrichte in der Mutterſprache bereits geläufig 
geworden iſt, mit ihnen in der fremden Sprache wiederholt wird. Auf 
.den Anſchauungsunterriht wird überhaupt für den Elementarunterricht 
ſehr viel Gewicht gelegt und derſelbe ausführlich erläutert ; Neues jedoch, 
das ſich noh nicht in den jedem Lehrer bekannten Handbüchern fände, 
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