Full text: Pädagogisches Archiv - 8.1866 (8)

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ebenen Trigonometrie, der Körperberehnung, der Gleichungen des zwei- 
ten Grades und der Rrogreſſionen, wozu drei Stunden wöchentlich ge- 
nügen ſollen. No< weniger Berückſichtigung hat der Gedanke geſunden, 
das Franzöſiſche in Secunda abzuſchließen. Andere Vorj<läge, wie 
z. B. die Entfernung des Hebräiſchen können kaum discutirt werden. 
No<h weniger endlih kann man ſich wohl von der Einführung des 
Zeichenunterricht8 in den oberen Klaſſen oder von der Abſchaffung der 
kalligraphiſc<en Stunden irgend einen Einfluß auf die Löſung der vor- 
" liegenden Frage verſprechen. 
Es fönnte nur etwa das Verhältniß der. beiden alten. Sprachen 
zu einander in Frage kommen, und für dieſes Verhältniß iſt es be- 
zeichnend, daß troß der gegenwärtig ſo ungünſtigen Strömung der Vor- 
rang des Latein nur von einzelnen Punkten aus angegriffen iſt, Vor- 
züglich iſt der Primat Ciceros mit den von Mommſen geſ<miedeten 
Waffen bekämpft worden; ſpeciell hat man die Werke de üninibus, de 
natura deorum, auch wohl de amicitia, de genectute, pro Archia 
getadelt. Von den übrigen römiſ<hen Autoren iſt nur Nepos und wohl 
mit Recht als für die oberen Klaſſen ungeeignet bezeichnet, ohne daß 
deswegen ſeine Entfernung aus der Schullectüre allgemein gefordert 
wäre. Unter den Griechen hat nur Xenophon faſt gleiche Ungunſt er- 
fahren und zwar ſind beſonders die Memorabilien und die Cyropädie 
auf den Index geſezt. Daß aber überhaupt ein Kanon der Kunſtwerke 
entworfen werde, in wel<em jeder Schüler ein deutliches und vollſtändiges 
Bild antiker Formvollendung und Durchgeiſtigung mit ſim nehme, das 
iſt ein Wunſch, dem man faſt überall begegnet. Die Vereinigung über 
dieſen Kanon würde wahrſcheinlih auc< nicht ſ<wer werden. Die Be- 
hauptung nämlich, das moderne Gymnaſium habe den Kreis ſeiner 
Lectüre zu eng gezogen, Euclides, Ariſtoteles, Seneca, Plinius, Lucre- 
tius würden, der rein philologiſchen Richtung der heutigen Lectüre ent- 
gegen, das allgemeine Intereſſe am Alterthum heben, iſt nur von einer 
Seite aufgeſtellt worden. Die überwiegende Majorität der Gymnaſial- 
Lehrer wünſcht ohne Zweifel eine Normirung des Kanon in einer ganz 
anderen Richtung. Hier dürfte die Andeutung genügen, daß die voll- 
ſtändige Lectüre des Homer und die allſeitige Behandlung des Horaz 
von den verſchiedenſten Seiten auf das lebhafteſte befürwortet und auc< 
die Vereinigung der griechiſchen und lateiniſchen Lectüre in einer Hand 
warm empfohlen iſt. 
Aber alle dieſe Betrachtungen treffen nicht den Kern der Sache. 
Mögen wir uns noh ſo ſehr gegen die Anerkennung ſträuben, die Ge- 
meinſamkeit der Urtheile ſpricht entſchieden dafür, daß die Schüler der
	        

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