Full text: Pädagogisches Archiv - 8.1866 (8)

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jie berüsſichtigen ni<t genug den Unterſchied zwiſchen der Philologie 
als Wiſſenſchaft und ihrer Verwendbarkeit für die Schule. 
Die Allgemeinheit des Angriffes hat in dem Corref. den vermuth- 
li< no<h von ſeiner militäriſhen Laufbahn her in ihm ſ<lummernden 
Ritterſinn erwe>t, und er kann es ſich nicht verſagen, für die ſo ein- 
ſtimmig prei8Sgegebene Sache ein Lanze zu brehen. nds dixnyv FEinuaorg, 
7olv &v vigor uügor dxovang, 
Mas alle Welt will und mit Recht will, iſt eine ausgebreitete, 
darum möglichſt ſchnelle Lectüre, namentlich im Griechiſchen, das in der 
Zeit beengter iſt als das LXatein. Das beſte Mittel dazu ſieht faſt alle 
Welt in der Beſeitigung oder möglichſter Beſ<ränkung der Grammatik. 
Der einzige korrekt formulirte, aber etwas ſonderbare Vorſchlag in. 
dieſer Beziehung findet ſich in der Vorlage von Braunsberg, welche von 
der griechiſchen Grammatik (genauer wohl Syntax) auf den Gymnaſien 
nur die Lehre von den Modis und der Partikel &y, die von vielen 
Seiten ſehr hart angegriffen wird, von der Negation und Attraction. 
zulaſſen will. Aber gerade eine raſch fortſchreitende Lectüre ſeßt als- 
unerläßlihe Grundlage eine ausreichende copia vocabulorum und eine 
feſte und genaue Kenntniß der Grammatik voraus, d. h. nicht die ge- 
lehrte Bekanntj<aft auch mit allen Abweichungen und Singularitäten, 
aber die klare Einſicht in die allgemeinen Geſeße bis zu ſicherer und 
gewandter Beherrſchung. So lange dieſe Stufe nicht erreicht iſt, muß 
auch bei der Lectüre immer und immer wieder auf die Grammatik zu- 
rügegangen, ſelbſt ſeltenere Erſcheinungen müſſen, wo ſie vorkommen, 
erläutert und bis zu ſicherem Verſtändniß eingeübt werden. Wo dies 
nicht geſchieht, vernachläſſigt man nicht blos eine der vortrefflichſten 
Arten der Gymnaſtik des Denkens, ſondern das Verſtändniß des Ge- 
leſenen wird immer unſicherer und oberflächlicher werden und ſich zu-. 
leßt auf die einfache unbegriffene Hinnahme der Auffaſſung des Lehrers 
beſchränken ; und wenn ein ſo oberflächlich vorbereiteter Schüler auf der 
Univerſität wirklich einen oder den anderen der alten Schriftſteller wieder 
hervornehmen ſollte, ſo wird er ihn bald bei Seite legen müſſen, weil 
ſich die Hinderniſſe bergeho<h aufthürmen werden. Die Grammatik muß 
ſo feſt im Geiſte haften wie das ABC, von dem man fortwährend 
ſiheren Gebrauc< macht, ohne ſich deſſen in jedem Augenbli>e bewußt 
zu werden; ohne Virtuoſität in ihrer Anwendung ziehen wir -- nicht 
Dilettanten, ſondern Stümper, und zwar um ſo mehr, je ſchwerere 
Autoren wir leſen. Gerade weil die Lehrer einer früheren Periode ſelbſt 
dieſe Virtuoſität beſaßen und ſie auc< ihren Schülern anzueignen ver- 
ſtanden, war früher die Fähigkeit niht zu ſchwere Klaſſiker vom Blatte
	        

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