Full text: Pädagogisches Archiv - 8.1866 (8)

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- Jeicht geſchieht, in der die Formen mehr allmählich hervortreten, ſo 
' entſteht eine ſpäter ſehr ſ<wer zu beſeitigende Unſicherheit *). 
Auf die Grammatik folgt dann die Lectüre und der Stil; beides 
iſt erſt dann möglich, wenn dem Knaben wenigſtens die Formenlehre 
geläufig iſt. 
| Was den Stil anbetrifft, der neben dem Sprechen cultiviert 
werden ſoll und eins der Ziele des franzöſiſchen Unterrichts iſt, jo 
verſteht ſich von ſelbſt, daß ich" den franzöſiſchen Aufſaß für die Gym- 
. - naſien wieder in Beſiß ſeines alten Plates hergeſtellt ſehen will. Das 
- Exercitium, welches jezt in Preußen von den Abiturienten gefordert 
wird, iſt theils ein zu niedriges Ziel für den Schüler -- ich begreife 
in Wahrheit nicht, was ein ſolches Scriptum für einen Reiz auf mich 
- ausüben ſollte =- theils ohne Lexikon zu ſchwierig, wenn man bedenkt, 
daß es keine Kleinigkeit iſt, immer die AusdrüFe parat zu haben, welche 
erfordert werden. Vom Franzöſiſchen zum Deutſchen iſt ein ganz - 
anderer Weg, als vom Deutſchen zum Franzöſiſchen. Es wird vielleicht 
anders ſein, wenn das Sprechen den Mittelpunkt des franzöſiſchen 
Unterrichts bilden wird, aber auch dann iſt es eine würdigere Aufgabe, 
eine Leiſtung des eigenen Stils geben zu können, als das jekt gefor- 
derte Scriptum. Und es iſt eine nothwendige Leiſtung, wenn man 
= anders den freien Gebrauch des Franzöſiſ<hen im Schreiben wie im 
Sprechen mit mir als das eigentliche Ziel dieſer Disciplin anerkennt. 
Aber die Lehrer? Die werden uns theils aus wohlgebildeten 
Schülern zuwachſen, theils ſich aber auch für Gymnaſien finden, wenn - 
ihnen hier ein Ziel gegeben wird, für das ein tüchtiger Menſc<h ſic 
allenfalls begeiſtern kann. Unſer jeziges Franzöſiſch iſt freilich ſo an- 
gethan, daß es beſſer gar nicht da wäre, LEN 
-- ZA Wm
	        

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