Full text: Pädagogisches Archiv - 8.1866 (8)

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pedantiſc; das Lehrbuch mit ſeinen Schülern der Gebrauchsvorſ<rift 
gemäß dur<gehen, ohne etwas davon no< dazu zu thun. Hierdurc< 
wurde der Lehrer zu einem Sklaven, die freie friſc<e Bewegung und 
Verſtändigung abgewieſen, die Individualität des Lehrers gefeſſelt, aber 
auch jedes liebevolle Verhältniß zu den Schülern unmöglich gemacht. 
Das Inſtitut erſchien Raumer daher wie eine große Fabrik und Dreſſir- 
anſtalt. Er vergleiht damit das freie, ſelbſtändige und ſelbſtbewegliche 
Lehren von Frieſen und Harniſch, welches er ſpäter in Berlin an dem 
Plamannſchen Inſtitut kennen lernte. Hierüber verweiſe ic< auf Har- 
niſch Selbſtbiographie. Auch waren die Lehrer theils mit Arbeit über- 
bürdet, namenttich die, welche ſelbſt Peſtalozzi's Zöglinge geweſen waren, 
Sie hatten zum Theil, jagt Peſtalozzi, zu viel Steine und Laſten ge- 
tragen und waren in ununterbrochener Anſpannung geblieben. Dann 
aber waren die meiſten Lehrer zu früh vom Lernen zum Lehren über- 
gegangen und nicht weiter pädagogiſc< gebildet. Sie mußten jehen, 
wie ſie durkamen. Es konnte nicht fehlen, daß nicht eigenthiünnliche 
Wege hier und da eingeſchlagen worden wären. (Es waren Autodidakten, 
und auch die gewöhnliche Beſchränktheit der Autodidakten machte ſich 
pei ihnen geltend: ein großer Mangel an Selbſterkenntniß und an 
richtiger beſcheidener Würdigung deſſen, was man geleiſtet hat. Es iſt 
unglaublich, ſagt Raumer, wie viele Mißgriffe und Mißurtheile Peſta- 
lozzi's und ſeiner Lehrer aus dieſer Quelle floſſen. 
Im Mai 1810 verließ Naumer Iferten. Bis Ende Juni war 
er, durc< das Ausbleiben eines Wechſels genöthigt, mit dem kleinen 
Frit am Fuß des Rigi geblieben; dann brach man nach Nürnberg auf, 
wo ihnen in dem Hauſe Schuberts die freundlihſte Aufnahme zu Theil 
wurde. Auf Schubert8 Dringen ſchrieb er hier in Nürnberg ſeine 
geognoſtij<hen Fragmente, Nac<h etwa 9 monatlicher Abweſenheit 
traf er wieder in Giebichenſtein ein, wo er ſchonendſte, liebevollſte Auf- 
nahme fand. Er hatte in dieſer Zeit alle Bitterkeit des Lebens erfah- 
ren. Er war in Armuth geſunken und tief gedemüthigt. Cine Hoſſ- 
nung, die er tief im Herzen getragen, war vernichtet. Die Zukunft 
lag trübe, hoffnungslos vor ihm: nicht die kleinſte Ausſicht auf einen 
Wirkungskreis zeigte ſich und die Braut ſah er mit ſich leiden. Da 
ging doch in Erfüllung, was er einſt dem ſorgenden Vaterherzen zum 
Troſt geſagt hatte; der Plaß fand ſich unerwartet, wo man ihn mit 
dem, was er beſaß, brauchen konnte: in Preußen ſollte auch das 
Bergweſen umgeſtaltet werden. An die Spitze deſſelben wurde der 
Berghauptmann Gerhardt aus Rothenburg berufen. Dieſer hatte ihm 
ſ<hon vor der Pariſer Reiſe eine Stelle an einex Bergſchule angeboten,
	        

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