Full text: Pädagogisches Archiv - 8.1866 (8)

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- Eine allgemeine Anordnung darüber, für welchen Lehrgegenſtand die event, 
hrenach in der Prima frei werdende eine Stunde wöchentlich verwandt, und wel- 
<em Gegenſtand die in der Tertia dem mathematiſchen Unterricht zuzulegende 
eine Stunde entzogen werden ſoll, läßt ſich nicht treffen. I< überlaſſe dem 
Königlichen Provinzial-Schul-Cöollegium, in dieſer Hinſicht dasjenige zu beſtimmen, 
was (Es nach dem bei den einzelnen Anſtalten wahrgenommenen Bedürfniß und 
nach der Beſchaffenheit der Lehrkräfte in jedem beſonderen Fall für das Zwe- 
mäßigſte hält. 
Was die Feſtſezung eines, Minimums des unter allen Umſtänden von den 
Abiturienten in der Mathematik zu Leiſtenden betrifft, ſo wird es deſſen allerdings 
nicht bedürfen, wenn von der durch die Circular-Verfügung vom 12. Januar 1865*) 
für die Maturitätsprüfung freigegebenen gegenſeitigen Compenſation der Leiſtun- 
gen auf dem Gebiet der Philologie und der Mathematik von den Prüfungs8- 
Commiſſionen ein Gebrauch gemacht wird, welcher der Intention entſpricht, dadur< 
einer vorwiegenden Neigung und Begabung in den oberen Klaſſen eine ange- 
meſſene Freiheit zu gewähren. Dabei kann es bis auf Weiteres um ſo mehr ſein 
Bewenden haben, als in der dortigen Provinz der Departementsrath des König- 
Ll ichen Provinzial-Schul-Collegiums bei allen Gymnaſien ſelbſt die Prüfung leitet 
und ſomit im Stand iſt, hierin unmittelbar auf das richtige Berfahren einzuwir- 
ken, auch nicht unterlaſſen wird, darauf zu halten, daß unter den für die ſchrift- 
lichen mathematiſchen Prüfungsarbeiten zu ſtellenden Aufgaben ſich immer auch 
ſolche finden, welche von den in der Mathematik ſchwächeren Abitnienten gelöſt 
werden können. 
Hienach ſtelle ich die weiteren Verhandlungen mit den betreffenden Gymnaſial- 
Directoren dem Königlichen Provinzial-Shul-Collegium anheim, will aber in dem 
nächſten allgemeinen Verwaltungsbericht Anzeige davon erwarten, ob und bei 
welchen Gymnaſien die obige Abänderung des allgemeinen Lehrplanes einge 
treten iſt. 
Berlin, den 10, März 1866, 
Der Miniſter der geiſtlichen 2c. Angelegenheiten. 
von Mühler, 
An* 
das Königliche Provinzial-Schul-Collegium zu N. 
3,567. U. , 
Württemberg. Verfügung des kgl. württ. Miniſteriums des 
Kir<en- und Schulweſens vom 28. November 1865, betreffend eine 
neue Prüfungs8ordnung für die Candidaten des philologiſchen Lehramts. 
1. Von der Einrichtung der philologiſchen Dienſtprüfungen im 
allgemeinen und von der Zulaſſung zu denſelben. 
8. 1. Für die Candidaten des philologiſchen Lehramts beſtehen zwei 
Prüfungen, von welchen die eine (die Präceptoratsprüfung) zur Bewerbung 
um Hauptlehrſtellen an Lateinſhulen, ſo wie an den unteren Abtheilungen der 
Gymnaſien und Lyceen, die andere (die philologiſche Profeſſorat8prüfung) 
zur Bewerbung un Hauptlehrſtellen an den oberen Abtheilungen der Gymnaſien 
und Lyceen und an den niederen evangeliſch-theologiſchen Seminarien befähigt, 
X) f. Centrbl. pro 1859 Seite 225.
	        

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