Full text: Pädagogisches Archiv - 8.1866 (8)

-- 483 --- 
in einem feierlichen Sdulacte oder bei Gelegenheit der öffent- 
lichen Prüfung. Das Ergebniß der Entlaſſung8prüfungen iſt in den 
Programmen zu veröffentlichen, wobei die für reif erklärten Schüler 
unter Beifügung des ihnen ertheilten Zeugnißprädicats 
- namhaft zu machen ſind. Vergleicht man hiermit die für die Zeugniſſe 
der Gymnaſial-Abiturienten geltenden Beſtimmungen, das Reglement 
vom 4. Juni 1834 und die daſſelbe ergänzenden Beſtimmungen vom 
14. Oktober 1844 und 12. Januar 1856, ſo ſind gemäß denſelben: 
„die Urtheile über die Beſchaffenheit der Kenntniſſe in den einzelnen 
Lehrobjecten bei jedem derſelben zwar ebenfalls in ein beſtimmtes Prä: 
dicat ; „nicht befriedigend, befriedigend, gut, vorzüglich“ zuſammenzufaſſen, 
jo daß in einem dieſer 4 Prädicate das Reſultat der Prüfung und des 
auf Erfahrung gegründeten Urtheils der Lehrer mit Leichtigkeit über- 
jehen und das Geſammtergebniß als hinlängli< motivirt erkannt werden 
kann;“ allein diefes Gejammtergebniß iſt nur das Zeugniß der Reife 
oder Nichtreiſe, ohne irgend einen weiteren Zuſaß und natürlich fehlt 
ein jolher auch bei den Namen der für reif erklärten Abiturienten im 
Programm. Dieſe Verſchiedenheit iſt um ſo auffallender, als die U.- und 
P.-O., welche in den NRealſ<hulen und Gymnaſien keinen prinzipiellen 
Gegenſaß, ſondern uur ein Verhältniß der Ergänzung erkannt und 
diejen Grundſaß zur Grundlage für die Organiſation der erſteren 
Schulen gemacht hat, ſich in ihren Beſtimmungen auf's Engſte an die für 
Gymnaſien geltenden anſchließt und, ſoweit es nur mit dem eigenthüm- 
lichen Leben und der eigenthümlichen Aufgabe der Realſchulen verträg- 
lim I<ien, jol<he Einrichtungen und Vorſchriften, welche ſich an den 
Gymnaſien bewährt haben, auf Realſchulen übertragen hat. Berüc- 
ſichtigt man dabei, daß ſie zwar jüngern Datums iſt, als die für die 
Abit.-Prüfungen der Gymnaſien geltenden Beſtimmungen, aber doch 
ſhon faſt 6 Jahre ſeit ihrem Erlaſſe verfloſſen ſind und daß bis jekt 
Nichts darüber no< verlautet, daß man auch in den Abit.-Zeugniſſen 
der Gymnaſien die Aufnahme ſolcher Geſammtprädicate beabſichtige, ſo 
gewinnt e8 den Anſchein, als ob man entweder die bloße Bezeichnung 
„Zeugniß der Reife“ ohne weitern Zuſaß bei Realſchul-Abiturienten für 
nicht hinreichend klar oder doch für weniger verſtändlich als bei Gym- 
naſial-Abit. halte, oder aber als ob man von der Hinzufügung der 
gedachten Geſammtprädicate in den Zeugniſſen jener Vortheile für die 
Realſchulen ſich verſpreche, welche ſie für Gymnaſien nicht haben wür- 
den. In erſterer Beziehung iſt es allerdings richtig, daß man bei dem 
Worte Reife ſich gemeiniglic< einen beſtimmten Endzwe> denkt; für 
welchen ſie vorhanden iſt und als ſolcher beim- Gymnaſial-Abit. das 
31*
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.