Full text: Pädagogisches Archiv - 8.1866 (8)

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Vorträge (4. Aufl., 1866). Es bedarf dafür aber hier keiner befon- 
deren Beweiſe, da in dieſem Archiv No. 4 d. I. S. 299 f. die Haupt- 
gedanken daraus mitgetheilt worden ſind. Die moderne Weisheit, ſei 
es BantheiSmus oder Materialiamus, wird in ihrer Blöße gründlich 
dargelegt. Welchen Beifall, welche günſtige Aufnahme ſie beim Publikum 
gefunden, beweiſt eine in kürzeſter Zeit ndthig gewordene 4. Auflage. 
Daß ſie aber dennoch nicht allen Forderungen der Zeit entſprechen, iſt 
an jenem Orte ebenfalls angedeutet worden, obwohl im Ganzen die 
gegebenen Aufſ<lüſſe über die Grundwahrheiten des Chriſtenthums 
Gebildete und Gelehrte gleichmäßig befriedigen können. 
Ehe wir nun zu den allerjüngſten Erzeugniſſen der modernen 
hriſtlihen Apologetik übergehen, geziemt es ſich wohl der beſſeren und 
wichtigeren apclogetiſche Vorträge zu gedenken, und von ihnen Act 
zu nehmen, wel<e namentlich in dieſem Winter in Berlin gehalten 
worden ſind und von denen wir in Zeitſchriften reſp. Zeitungen oder 
dur< Mittheilungen Kenntniß erhalten haben. 
Da ſprach denn Hr. Prediger Händler am 15. Januar im Saale 
des evangeliſ<hen Vereins über die Pilgerfahrt na< Mekka (= ein 
Bild aus dem religiöſen Leben des Js8lam). Der Redner bezeichnete 
zuerſt das Hauptgebiet des J8lam und den Gang ſeiner Verbreitung 
und ſagte dann : während die <riſtlihe Kirhe dur< das Blut ihrer 
Kinder ſiegte, hat er das Blut ſeiner Gegner in Strömen vergoſſen. -- 
Die Dogmatik des Jslam iſt ſehr einfach; genau genommen enthält ſie 
uur den Saß: „Es iſt nur ein Gott und Muhamed iſt jein Prophet.“ 
Aber dieſer Gott iſt nicht der lebendige, er iſt nur das perſoniſicirte 
Brinzip der abſoluten Macht, ſich mit äußerlicher Geſeßerfüllung, 
mit todtem Glauben begnügend. = Mit dieſem äußerlichen Weſen 
hängt auh die Armuth des J8lam auf allen Gebieten des Geiſteslebens 
zuſammen; wahre Wiſſenſchaft iſt ja das Nachdenken der Gedanken 
Gottes, wahre Kunſt das Nachbilden der Worte Gottes; wo die ewige 
Wahrheit und die ewige Schönheit fehlen, kann beides nicht gedeihen ; 
die kurze Blüthe islamiſcher Kunſt und Wiſſenſchaft in 10. u. 11. Jahrh. 
in Spanien erklärt ſih wohl namentlih aus den Wahrheits- und 
LebenSelementen, die er aus dem Chriſtenthum herübergenommen hat.“ 
Dies ſcheint uns ein ſehr befangenes Urtheil zu ſein; und wahrſchein- 
li< hat der Redner die neueſten Werke über die ſpaniſchen Chalifate 
nicht recht gekannt, ſonſt könnte er wiſſen wie Gewerbe, Handel, Kunſt 
- und Wiſſenſchaft daſelbſt ihr eigenes Leben3prinzip hatten, wie bedeutend 
und ausgedehnt ſie waren nac<h allen Richtungen hin, wie ſie nach 
Frankreih, Ztalien und Deutſchland ſic< verbreitet und das ganze
	        

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