Full text: Pädagogisches Archiv - 8.1866 (8)

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gehalten, wie nur möglich, ſo daß ein Lehrer e8 ohne Scheu vortragen 
kann, ſelbſt das Beiſpiel des Ham 1. Moſe 9, 20 - 27. -- Auch was 
der Herr Verf. über Selbſtbefle>ung äußert, können wir nur unter- 
ſchreiben; im Allgemeinen darf der Lehrer nicht mehr jagen, wenn er 
nicht mehr ſchaden, als nüßen will. Doch im Einzelnen iſt in dieſer 
Hinſicht in den obern Klaſſen der Thätigkeit der privaten Seelſorge ein 
weites Feld geöffnet, das wohl bearbeitet werden muß, wenn nicht oft 
die ſittliche, aber auch die intellectuelle Ausbildung und Entwieklung 
großen Schaden leiden ſoll. -- S. 38 werden verſchiedene praktiſche 
Anweiſungen gegeben, jede Veruntreuung zu vermeiden. S. 44 Warnung 
vor Verläumdung --- Aufforderung „Gutes vom Nächſten zu reden“ -- 
wieweit ſich dieſelbe erſtrefen kann. =-- S. 59, Anm. 5 die verſchiedene 
Bedeutung, in welcher das Wort „Himmel“ in der Bibel gebraucht 
wird. --- Sehr treffend iſt, was S. 64 nebſt Anm. geſagt wird von der 
Betrachtung der ſichtbaren Welt, der Natur, wie es von der Art der- 
ſelben abbängt, ob ſie zu Gott hinführt oder von demſelben ab führt, 
die erſtere mit David Pſ. 19,2 - 4 und Pſ. 104 u. |. w. oder die zweite zu 
der Aeußerung jenes Naturforſchers, der die ganze Welt auf8 Gründlichſte 
durchforſcht hatte „er habe nirgends einen Gott gefunden “' Es hätte dabei 
an die Bekenntniſſe des frommen Auguſtinns im Vergleich zu denen des 
Rouſſeau erinnert werden können ; der letztere hatte auch mehrere Male die 
Bibel dur<geleſen und Gott den Erlöſer und Heiland nicht darin gefunden. 
Wie genau der Herr Verf. auch die frühere in das Fach viejer 
Erklärung des Katechi8Smus einſchlagenden Litteratur ſtudirt hat, davon 
liefern außer den Belegſtellen, die er ſelbſt, wenn auc< nur ſparſam, 
anführt, Einzelheiten den Beweis z. B. S. 98 zum Scluß der Erklä- 
rung Luthers zum zweiten Artikel ſteht nicht, wie gewöhnlich, „gleich- 
wie er iſt auferſtanden von den Todten“, ſondern: „g. e. i. a. von 
dem Tode“, wozu der Herr Verf. Anm. 8 bemerkt: „Nicht „von 
den Todten“ ſondern „von dem Tode“ haben die Originalau8gaben von 
1529 und 1539 (abgedruckt bei Harna>, der kleine KatechiSmus 
Dr. Martin Luthers in ſeiner Urgeſtalt, Stuttgart 1856).“ -- So ſteht 
au< in der Ausgabe der Bekenntnißſchriften der evangeliſch-lutherijchen 
Kirche, heraus8sgegeben vom evangeliſchen Bücherverein. Berlin, S. 292. -- 
Der Unterſchied iſt zunächſt nur ein litterar-hiſtorijher, aber er kann 
auh für einen Zweifler oder Workklauber ein nicht unweſentlicher wer- 
den; „von dem Tode“ iſt keiner Deutelei unterworfen. 
So ſcheiden wir von dem Buche mit dem aufrichtigen Wunſche, 
daß recht viele Lehrer daſſelbe bei ihrem Unterrichte benußen und da- 
durch denſelben füörderliher machen mögen, , G. 
„<P G<-- 
Vilidnann, 

	        

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