Full text: Pädagogisches Archiv - 8.1866 (8)

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zunächſt eine lateiniſ<e Schule (d, h. Klaſſe) hinzufügte. Aus 
dieſem ſ<wac<hen Anfange hat ſich die Schule dann weiter und weiter 
entwielt. Mit dieſem einen lateiniſ<en Magiſter hat die Schule 
begonnen, bis auf einen war ſie im Anfange unſeres Jahrhunderts 
wieder reducirt, und ſeltſam ein Fiector hat ihr auc< na< ihrer 
Erneuerung uno< 5 Jahre lang genügen ntüſſen. 
Der Verfaſſer bietet uns ein Überaus reichhaltiges, wir glauben 
ihm gern, mühſam geſammeltes Material, das natürlich für Elberfeld 
jelbſt nächſtes Intereſſe hat, aber auch uns, zumal wer in der Geſchichte 
des deutſchen Schulweſens nicht ganz fremd iſt, manches JIntereſjante 
bietet. Allerding8 ſind die Schiſale, welche dieſe proteſtantiſchen 
Schulen von der Reformation an bis in unſer Jahrhundert hinein 
gehabt haben, weſentlich dieſelben. Es macht wenig Unterſchied, ob ſie 
auf dieſe oder jene Weiſe entſtanden ſind: der kir<liche Zwe> prävalirt 
bei allen. Die Lehrer ſelbſt betrachteten ihr Schulamt als ein 
Martyrium, durch das ſie hindur< müßten, um zu einem Pfarramte 
zu gelangen: „Cſels8arbeit und Zeiſigsfutter“ iſt die Klage, die man 
- allüberall hört. Daher auf der einen Seite oft unglaubliche Liederlich- 
keit im Beruf, auf der andern empfindliher Dru>d und Herabwürdi- 
gung von Seiten der Geiſtlichen, die nichts dazu thun, den Nothſtand 
der Schulen zu mindern. Es iſt vergeblich, daß die Schulen hiergegen 
ankämpfen. Große Talente ſind daher im Lehrſtande äußerſt ſelten ; 
es vergehen oft Jahrhunderte, ohne daß ein Lehrer genannt würde, 
der als wirklich tüchtig im Gedächtniß geblieben wäre. Wo etwas 
Beſſeres da iſt, tritt es meiſt in der Form des Baroc>en auf. Nun 
muß man hierzu rechnen den ewigen Wechſel in den Lehrercollegien, 
wenn es nicht grober Mißbrauch des Wortes iſt, hier von Collegien 
zu ſprechen. Sie führen lange geradezu ein Wildfangsleben, ohne eine 
heimathliche Stätte, und irren von Stadt zu Stadt umher. Es iſt 
ein höchſt betrübender Anbli>, der dem Betrachtenden hier ſich dar- 
bietet. Oder ſollen wir ſagen „erhebend, tröſtend“, daß in all dieſer 
Mijere die Kirche, die Schule nicht völlig verwildert oder untergegan- 
gen ſind und daß ein geſunder Kern blieb aus dem, als andere Zeiten 
kamen, wieder ein junges Neis aufſchießen und zu einem Baume 
erwachſen konnte? Die Geſchichte der Elberfelder Schule geht völlig 
denſelben Gang; nur das hat ſie doc< voraus, daß ſie, an der Grenze 
der Niederlande gelegen, von den Kämpfen, die dort zwiſchen Spaniern 
und Holländern durchgefämpft wurden, nicht unberührt blieh, dann, 
nac< Erneuerung des Krieges, unter dem katholiſchen Herzog Wolfgang 
Wilhelm mit den Jeſuiten bedroht wurde. Zwiſchen den reformirten
	        

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