Full text: Pädagogisches Archiv - 8.1866 (8)

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geweſen. Sie haben zu dem Ruin der alten Schule ohne allen Zweifel 
mit beigetragen, aber es iſt ebenſo gewiß, daß ſie dem jämmerlichen 
Zuſtand dieſer Schulen ihr Entſtehen verdanken. Weije Regierungen, 
die niht mit dem Kopfe durc< die Wand rennen und ihre Jdeale, 
wie etwa die von Roth, 4 tout prix durchſezen wollen, werden ſich 
durch dieſe Juſtitute warnen laſſen: ich betrachte ſie als heilſame Re- 
gulatoren für das Shulwejen eines Landes, Auch in Elberfeld thaten 
ſich ſolche Inſtitute auf, keines aber mit größerem Erfolg als das von 
Wilberg. Wilberg, bis dahin Landſchullehrer, kam 1802 als Inſpel- 
tor und Lehrer bei der neuerrichteten allgemeinen Armenanſtalt nach 
Elberfeld. Aber ſchon im nächſten Jahre trat eine Anzahl Familien- 
väter zuſammen, um unter Wilberg's Leitung eine Privatlehranſtalt, 
„das Bürgerinſtitut“ zu errichten. Es iſt nicht zu verwundern, daß 
dies Inſtitut raſch und ſichtbar gedieh: viele treffliche Männer nahmen 
an ihm Antheil, Wilberg ſelbſt war eine außerordentliche Perjönlichkeit, 
die von ſeinen Freunden, gewiß mit Recht, ſehr hoc< geſtellt iſt. Sein 
Bildung8gang war ein eigenthümlicher gewejen und hatte ihn von 
Jugend auf der Praxis zugeführt; ſein Sinn war auf das Nüßliche 
gerichtet, nicht auf das, was er al8 Luxus im Unterricht betrachtete. 
Er haßte das Vielerlei, und forderte, daß der Knabe Eines recht und 
ganz lerne. Er hatte noch die Blüthezeit des PhilanthropisSmus mit 
erlebt ; ſeine Freunde reihen ihn den Führern dieſer Richtung an, denen 
er allerding8 näher ſteht als einem Peſtalozzi. Die geoffenbarte Reli- 
gion ordnete er der Naturreligion unter, die er mit Wärme, ja Be- 
geiſteruug verkündete; die alten Sprachen waren für ihn wirklich todte. 
Vor einer ſolchen Perſönlichkeit brach natürlich der letzte Neſt der 
lateiniſ<en Schule völlig zujammen. 
Im Jahre 1813, noch unter der Herrſchaft der Franzoſen, wurde 
von dem Conſiſtorium der reformirten Gemeinde Johann Ludwig 
Seelbach als Rector an die lateiniſche Schule berufen. Nur provijo- 
riſch ſollte dieſe Wahl ſein, erfolgte der Beſcheid von Paris; von einer 
Verpflihtung des Rectors, die Prediger im Predigen zu unterſtüßen, 
könne ferner nicht die Rede ſein. Seine Verpflichtung lautete dahin, 
die Jugend durch ſeinen Unterricht unmittelbar zur Univerſität vorzu- 
bereiten. Er hatte ſchon vorher am Wilberg'ſc<hen Inſtitut gearbei- 
tet; er übernahm jetzt die ungeheure Aufgabe, und er hat das Unmög- 
liche geleiſtet. Dieſterweg, ſein ſpäterer Mitarbeiter, ſagt von ihm: 
„an beiden Anſtalten arbeitete ſich dieſer Mann von nos immer rieſiger 
Körperkraft, in der Blüthe ſeiner Jahre, im eigentlichen Sinne des 
Wortes zu „Tode.“ Dieſterweg hat gewiß die na>te Wahrheit geſagt;
	        

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