Full text: Pädagogisches Archiv - 8.1866 (8)

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und Schüler zufrieden ſein, wenn lekßterer richtig und in möglichſt 
gutes Deutſch überſeßt. 
Corref.: Dir. Krah. Außer den Gründen, welche die erläutern- 
den Bemerkungen zur Unterricht8- und Prüfungs-Ordnung für Neal- 
ſ<hulen vom 6. Oktober 1859 und die meiſten der von Gymnaſien 
und Realſchulen eingegangenen Gutachten „Ueber die Behandlung der 
lateiniſchen Lectüre in den beiden obern Realklaſſen“ für die Beibehal- 
tung des lateiniſchen Unterrichts auf der Realjchule anführen, kommt 
no< ein anderer in Betracht, den der geehrte Ref. nicht in ſeinem 19 
eben vernommenen Referat, ſondern =- in ſeinem Gutachten angegeben 
hat: „Das Lateiniſche iſt mehr als anderthalb Jahrtauſende und bis 
in die neueſte Zeit die allgemeine Sprache der europäij<en Wiſſenſchaft 
geweſen aind daher jedem unentbehrlich, der ſim? mit irgend einem 
Zweige der letzteren beſchäftigen will. Die Nealſchule als eine allge- 
meine Bildungsanſtalt erhebt darauf Anſpruch, nicht bloß für die ſo- 
genannten praktiſchen Berufsarten, ſondern auch für wiſſenſ<aftliches 
Studium eine zwe>mäßige und ausreichende Vorvereitung zu geben 
und wartet mit Zuverſicht einer Zeit, wo dieſer Anſpruch ſeine gejeß- 
lihe Anerkennung finden wird. Sie hält demnach das Lateiniſche nicht 
aus formalen Rücſichten == als ein zur Entwickelung der Geiſtes8kräfte 
unentbehrliches Unterrichtsmittel -- ſondern aus dem materialen Grunde 
feſt, weil dieſe Sprache den Zugang zu den Quellen der heutigen 
Wiſſenſ<haft eröffnet.“ | 
Welches aber auch die Gründe ſein mögen, die dem Lateiniſchen 
eine Stelle in dem Lehrplan der Realſchule durch die jehige Sc<ulgejeß- 
gebung geſichert haben oder durch die künftige jihern werden -- faſt 
alle Gutachten acceptiren dieſen Unterricht8zegenſtand mit freudiger 
Zuſtimmung. Nur wenige vereinzelte Stinimen -=- eine aus Marien- 
burg, eine aus Inſterburg, und von den 12 Lehrern des altſtädtiſchen 
Gymnaſiums zu Königsberg allerdings 6 -- ſprechen ſich dafür aus, 
daß es vielleiht am beſten wäre, die Realſchule von diejem Gegenſtande 
als einem ihr fremden ganz zu befreien. Wenn dabei, wie es von 
Seiten des Lehrer8 in Marienburg geſchieht, des neu gegründeten 
Realinſtituts in Eſſen gedacht wird, von deſſen Lehrplan das Lateinij<he 
ausgeſchloſſen iſt, ſo iſt dabei überſehen, daß das lettere obligatoriſcher 
Lehrgegenſtand nur in den Realſchulen 1. Ordnung, dagegen in Neal- 
ſchulen 2. Ordnung und Inſtituten, die dieſen gleiche Berechtigungen 
gewähren, facultativer Unterricht8gegenſtand iſt. Wenn die Zeit kommt 
- -- und ſie iſt hoffentlih nicht mehr fern -- da den Abiturienten der 
Realſchule auch die Univerſität für gewiſſe Fakultätsſtudien ihre Hörjäle
	        

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