Full text: Pädagogisches Archiv - 8.1866 (8)

 
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Wenn der Schüler in der Anwendung der Grammatik ſiher und 
dur< die Lectüre ſeines Cäſar und Ovid in das römiſche Alterthum 
eingeführt worden iſt, ſo wird er mit um ſo günſtigerm Erfolge mit 
dem Leben und Geiſte deſſelben --- verſteht ſih ſo weit dies in der 
Schule überhaupt möglich iſt -- in Prima vertraut gemacht werden 
können. Mußte die Interpretation in Secunda eine überwiegend 
grammatiſche jein, ſo wird ſie in Prima vorzugsweiſe eine ſachliche 
ſein können. Und in dieſer Beziehung giebt das trefflihe Ly>er 
Gutachten beherzigenswerthe Winke. Iſt auch in grammatiſch - wiſſen- 
ſchaftlicher Hinſicht , wie der geehrte Ref. hervorgehoben hat, Manches, 
das dort aufgeſtellt wird, nicht zu erreichen, ſo iſt in ſachlich-äſthetiſcher 
Erklärung der Alten hier ein Jdeal für Realſchulen entworfen, dem 
nachzueifern wohl die Mühe lohnt. Ob ein ſolcher Unterricht, wie er 
hier ſfizzirt wird, von dem Lehrer des Lateiniſ<en oder von dem 
Lehrer des Deutſchen ertheilt wird, iſt gleichgültig; genug, wenn er 
auc<h nur in annähernder Weiſe ertheilt wird. Jn Rüdſicht hierauf 
empfiehlt das Gutachten von Dt. Crone das Deutſche und Lateiniſche 
in die Hand deſſelben Lehrer8 zu legen, wie dies mehrere Jahre hin- 
durc< in Inſterburg geſchehen konnt. Da aber nicht jeder gute 
Lehrer des Lateiniſchen eo ipso auc<; im Deutſchen gut unterrichten 
kann, und umgekehrt, ſo möchte ih davor warnen, an diejem Princip 
unter allen Umſtänden ſtarr feſtzuhalten. Stimme ich mit dem geehr- 
ten Ref. au< darin überein, daß in der Regel dem franzöſiſchen 
Lehrer die Aufgabe zufalle, das Lateiniſ<he als Mutter der romaniſchen 
Sprachen zum Gegenſtande der Betrachtung und den Gewinn deutlich 
zu machen, welchen der Beſiß dieſer Sprache dem Weiterjtrebenden 
bringt, jo möchte ich es do< dem lateiniſchen Lehrer nicht unbedingt 
verwehren, gelegentlih, wenn er es verſteht, auch ſeinerſeits einen 
Streifzug in dieſes Land zu machen, wozu auc< das Conitzer Gut- 
achten räth. 
Welche lateiniſm<en Scriftſteler und aus welchen Gründen ſie 
für die beiden oberſten Realklaſſen empfohlen werden, hat der Herr 
Nef. bereits auseinandergeſeßt. Mir bleibt demnach nur die Aufgabe 
anzugeben, wie im Einzelnen der Stoff zu vertheilen iſt, Für die 
proſaiſche Lectüre in Secunda halte ich Cäſ. bell. gall. feſt, indem ich 
bemerke, daß nur die Gutachten des altſtädtiſchen und Marienwerderer 
Symnaſiums das bell. eiv. vorziehen, welhe8 nac< meiner Anſicht zu 
ſ<wierig iſt, und daß die Tilſiter Realſchule dieſen Schriftſteller gar 
nicht in ihren Canon auſnimmt, ſondern ſtatt des Cäſar den Juſtin 
und Curtius vorſc<lägt.
	        

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