Full text: Pädagogisches Archiv - 8.1866 (8)

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Doppelgeſtalt geſondert vom Hephäſt, der dadurc< faſt in die Stelle 
des Epimetheus eintrat, als der ältere Bruder unterſchieden, bis er 
ſpäter durc<h die den Cultzuſammenhang verkennende und verwiſchende 
Dichtung ganz von ihm getrennt wurde. So galt der Gott denn zu 
Athen mit der Göttin Athene eng verbunden auch insbeſondere als der 
Scußgott und Lehrmeiſter aller Thonbilde- wie Schmiedekunſt, jowohl 
der Töpfer (xegaueis) wie der Schmiede (ya4xe7g) an dem Töpfer- 
wie am Sc<hmiedefeſt (x«&xeta). =- Man hat gewiß mit Recht das grie- 
hiſche Volk ein Kunſtvolk genannt. Der den Griechen angeborne und 
dann weiter durch Uebung entwickelte Kunſtſinn dringt in jede Werk- 
ſtatt, beherrſcht bei ihnen jedes Handwerk. Nehmen wir die gewöhnlich 
ſten Hausgeräthe, einen Topf, eine Schale, eine Küchenlampe oder einen 
Metallſpiegel, allen iſt dieſer Kunſt- und Schönheitsſinn aufgeprägt, und 
nirgends mehr als in Athen. Das große Töpferquartier auf der N.W. 
Seite von der Akropolis in und außerhalb der Stadt ſich hinerſtre>end, 
der Kerameikos, iſt allen bekannt, wo vor dem Thor die im Kampf 
für8 Vaterland gefallenen Krieger begraben und dur< die herrlichen 
Leichenreden eines Perikles und Demoſthenes gefeiert wurden. Zn 
dieſem Quartiere wurden die kunſtreichen , ſchön bemalten Geſäße und 
Vaſen gefertigt, die als viel geſuchter HandelSsartikel weithin nach Aſien 
und Ztalien vertrieben wurden und no< jeht aus den Gräbern ans 
Licht gebracht unſre größte Bewunderung erwe>en. Hier feierten nun 
die Handwerker zu Athen in jährlichem Feſte ihren Feuer- und Kunſt- 
gott Prometheus wie den Hephäſt und die Athene als die 7cv9pogo: 
eo in bedeutungs8voller Weiſe. In der Nähe des durc< Geburt und 
Dichtung und Grab des frommen Dichters Sophokles gefeierten Colo- 
nuShügels befindet ſim auf der Nordſeite von Athen der durc< Platos 
zum JZdealen und Göttlichen aufſtrebenden Geiſt und Philoſophenſchule 
geweihte Hain des alten Heros Akademos8, die Akademie. In dieſem 
heiligen Hain befand ſich alſo im Tempelbezirk der Athene dem mit ihr 
verehrten Hephäſt Prometheus geweiht der Feſtaltar. Die Feſtgenoſſen 
ſtellen an dem Tage ſelbſt den Gott Prometheus dar, der urſprünglich, 
obwohl im Zeus das himmliche Tagesliht, im Apoll das Sonnenlicht, 
im Hephäſt mit der Athene das irdiſche Licht des Heerdes und das 
Feuer der Künſte beſondere Götter erhalten, im Cultus no< als der 
gemeinſame Lichtgott und darum eng mit ihnen verbunden alle Arten 
dieſes einen Lichts in ſich zuſammenfaßte. Vom Himmelslicht und 
ſeinem Gott entſtammte alles beſondere Licht, das auf dem Heerd des 
Hauſes, der Phratrien und Phylen, im Prytaneum auf dem öffentlichen 
Heerd des Staates und ebenſo in der Werkſtatt der Künſtler, nament-
	        

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