Full text: Pädagogisches Archiv - 8.1866 (8)

 
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lich der Töpfer und der Schmiede, brannte und darum immer von 
Neuem, wenn es durc< den menſchlichen Gebrauch oder ſonſt verunrei- 
nigt war, vom Altar des Gottes und der Göttin neu und rein ent- 
zündet werden mußte. Auf jeiner Reinheit und Heiligkeit beruhte das 
Beſtehen, der Segen und das Gedeihen der Familie, der Stammgenoſjen- 
- ſchaften, des Staates wie der vom Feuer genährten Künſte , weil eben 
jenes Feuer nicht dur< menſchliche Vernunft, ſondern dur< göttliche 
Kraft und Weisheit die Menſchen um den heiligen Heerd zur göttlichen 
Verehrung, zur Familie, zum Staat wie ebenſo zur Kunſt geſammelt 
und entzündet hatte. Das erloſchene oder verunreinigte Feuer verfün- 
digte oder erregte den göttlihen Zorn und Fluc<, und führte Unglüc> 
und Verderben herbei. Es bedurfte dann und überhaupt in jedem Jahr 
jenes irdiſche, entlehnte Feuer einer feierlichen Erneuerung durch das himm- 
liſ<e Feuer. So wurde nun am Feſt der Prometheen das Feuer -- 
ähnlich wie an den davon ſpäter unterſchiedenen Hephäſteen insbeſondere 
das Heerdfeuer des Hauſes, an den Apaturien das der Phratrien, an 
den Panathenäen das des Staates, an den Chalkeen das der Schmiede, 
alles Feſte, welche, wie e8 ſcheint, auch der Zeit wie ihrem Weſen und 
ihrer gemeinſamen Bedeutung nach eng verbunden, diejelben Gottheiten 
Zeus Prometheus oder Hephäſt und Athene, die eben nur nach ihren 
verſchiedenen Beziehungen ſpäter getrennt wurden, umfaſſen und feiern -- 
es wurde alſo am Feſt der Prometheen das bis dahin verunreinigte 
Heerdfeuer, zunächſt wohl der Töpferwerkſtätten, von dem heiligen Heerd 
des Lichtgott8 Prometheus erneuert. Es war der Gott ſelbſt, der das 
nun vou dem Sonnenlicht neuentzündete Feuer von ſeinem Heerde aus, 
wie zuerſt, ſo jekt in jedem Jahr, den Menſchen von Neuem verlieh und 
mittheilte. Die Mittheilung des Feuers war aber, wie ſhon oben be- 
rührt, damals nicht ſo leiht und einfach und proſaiſch wie heut zu 
Tage, und gerade auf ihr beruht die Entſtehung und Bedeutung des 
ſogenannten, ſpäter (wie auc< beim Raub der Sabinerinnen) mißver- 
ſtandenen Feuerraubs, ſowie des ganzen Feſtritus, namentlich auch des 
Facellaufs, der ſim, in ähnliher Bedeutung wie an dieſem Feſt, an 
den Hephäſteen und Panathenäen wiederholte, Zuerſt alſo wurde durch 
das Sonnenlicht, zum Theil und zu Zeiten wohl auch dur< das Feuer 
des herabfahrenden Blikſtrahl8 oder durc< die aus Holz oder Stein 
entlodte göttlihe Flamme, von dem Lichtgott Prometheus durch den 
ihn vorſtellenden, naH ſeinem Namen auch benannten Prieſter das 
Feuer neu auf dem heiligen Altar des Gottes entzündet. Dies gej<hah 
dadur<, daß der entlo>te göttlihe Funke von einer Doldenſtaude 
(vdp975, ferula), deren inneres getrodnetes Mark als Zunder ihn
	        

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