Full text: Pädagogisches Archiv - 8.1866 (8)

 
 
 
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in Finſterniß gehüllte Erde der Tartaro8; dazu der über den Verſtand 
und Willen der Götter und Menſchen allgebietende Eros oder Liebes- 
gott, (wie er unfern von Askra zu Thespiä beſondere Verehrung genoß) 
der das All zur Einheit verbindet und aus den von hm verbundenen 
Gegenſäßen inimer Neues erzeugt. Aus dem Chaos kam der Erebos 
und die Nacht, als Finſterniß unter und über der Erde, und aus der 
ſ<warzen Nacht der Aether und der lichte Tag. Aber die Erde erzeugt 
über ſich und ihr ſelbſt gleich den geſtirnten Himmel Uranos, dazu die 
weiten Berge und ſie umfließend ohne Vermählung das unfruchtbare 
Meer. Uranos iſt der gebietende und ſchaffende, alles erzeugende Gott, 
aber wie er alle ſeine Kinder, die er von der Erde geboren, die Sonne, 
den Mond und alle Geſtirne, immer wieder von der Erde am Himmel8- 
bogen heraufführt und aus dem S<ooß der Erde in einer Fülle von 
Göttergeſtalten erzeugt, ſo ſenkt er ebenfalls alles, was er heraufgeführt 
hat, im Kreislauf der Zeit in den Sc<hooß der Nac<t und der Erde 
herab, ſo daß er ſelbſt, der Gott des Himmels, von dem Kreislauf der 
Natur beherrſcht, von ſeinem jüngſten Sohne Krono8, dem die eigene 
Mutter Gaia dazu hülfreich iſt, feiner zeugenden Kraft beraubt wird. 
Der neue Götterkönig Kronos, gewiſſermaßen die erſte und älteſte Ab- 
ſtraction des reflectirenden Verſtandes, iſt dann in der zweiten Götter- 
dynaſtie der alle3 in der kreiſenden Zeit des Jahres8laufs in ſich ver- 
jhlingende und immer wieder aus ſich erzeugende Gott, der nun mit 
ſeinen Brüdern, den vom Uranos und der Gaia erzeugten gewaltigen 
Naturkräſten, den Titanen, zuſammen herrſ<t. Aber auch Kronos kann 
die angemaßte Herrj<hergewalt auf die Dauer nicht behaupten, obwohl 
er alle von ihm mit der Rhea oder Erdmutter erzeugten Kinder, Heſtia, 
Demeter und Hera, Aidoneus und Poſeidon alsbald nach der Geburt wie- 
der verſ<lingt. Die bloße Naturkraft, das bloße Naturgeſe vermag 
ſich ohne ſittlihe Kraft und Weisheit in der erzwungenen Herrſchaft 
nicht zu erhalten. Als nämlich ſein jüngſtes Kind, der Lichtgott Zeus, 
durc< der Mutter Liſt gerettet wird, und dieſer bald auch ſeine Brüder - 
befreit hat, da erhebt ſich ein gewaltiger Götterkampf zwiſc<en den Kro- 
niden, den gewaltigen Titanen, welche ihre ungebändigten Naturkräfte 
in des Waſſer8 Wegen, in Sturmes Braus, in des Feuers Gewalt 
erheben, gegen die in der dritten Götterdynaſtie gemäßigten, mit 
ſittlicher Kraft und Klugheit waltenden Götterwejen, die um den .mit 
dem Blitz bewehrten Zeus ſich j<haaren, bis Gewalt von größerer kluger 
und gemäßigter Kraft überwunden wird. Die Titanen, jene Himmels- 
ſtürmer, werden nun vom Zeus gefeſſelt und in des Orkus Naht ge- 
bannt, wo ſie zu Zeiten no< immer ſich regen. Zeus aber theilt die 
Pädagog. Archiv. Band VII1U, (9,) 1866. | 42
	        

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