Full text: Pädagogisches Archiv - 8.1866 (8)

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thaten leidenden Titanen unſre ganze, unſre innigſte Sympathie zu 
erweden. -- Stellen wir uns vor, wir ſißen unter der großen Feſtver- 
jammlung im Dionyſostheater zu Athen. Der Vorhang iſt gefallen. 
Der gewaltige Titane Prometheus ſteht vor uns, wie er fern am Rande 
des Ocean am Kaukaſusfelſen in Scythien, wohin ihn ſpäter aus dem 
Tartaros die hier in die Nähe (Vgl. Duris b. Schol1. Apoll. Rh. I1. 1249 
u. Arrian. V. 3) verpflanzte Verehrung de8 Gottes verſeßt zu haben 
ſcheint, für den im Feuerraub gegen den Zeus begangenen Frevel zur 
Strafe geführt wird. Sein ihm nah verwandter Gott Hephäſt hat 
vom neuen Herrſ<er Zeus, der wie gewöhnlich im Anfang no< mit 
Strenge und Härte waltet, durc< deſſen beide Diener Macht ( Ko>rog) 
und Gewalt (Bia), den Auftrag erhalten, den troßigen Titanen für 
ſein Unrecht mit harten Feſſeln an den Felſen zu ſchmieden und mit 
einem ihm dur< die Bruſt getriebenen Bolzen den unſterblihen Gott 
hier anzupfählen. Die beiden Diener des Zeus treiben den im Mit- 
gefühl widerſtrebenden Hephäſt zur Arbeit an, damit Prometheus lerne, 
ſtatt der Menſchen die neue Herrſchaft des Zeus zu lieben und ihm ſich 
zu unterwerfen, da er als den Göttern feindſeligſter Gott wider Reht 
und Gebühr (epa 00x75) die Ehre der Götter, das Feuer, den Sterb- 
lichen verrieth und darum nun als Feind des Zeus die verdiente 
Strafe erleide. Als nun die harte Feſſelung vollendet iſt, ruft ihm 
jener Diener des Zeus noch zu: Jeßt frevle wieder, gieb der Götter 
Ehrenpreis Geraubt den armen Sterblihen. Was können die aus 
dieſen Leiden dich befre!'n? Man nennt Prometheus Dic<, hier 
brauchſt du ſelber einen, der für di< Prometheus iſt, zu retten Dich 
aus jol<hem Leid. -- Sie gehn hinweg und ſo bleibt der Titane nun 
allein in ſeinem Schmerz, den er, wie er weiß, als Gott nun 30,000 
„Zahre leiden ſoll und den er jezt dem Aether, den Winden, Flüſſen, 
Meeresfluthen, der Erde und dem Licht der Sonne klagt: er habe alles 
zwar vorher gewußt und müſſe darum das vorausbeſtimmte Geſchi> 
mit Gleichmuth ertragen, weil die Macht der Nothwendigkeit ſi nicht 
befämpfen ließe. So büß ich mein Vergehen für den Feuerraub, ein 
Feind des Zeus und aller Götter, welche jezt die Hofburg des Zeus 
beſuchen, wegen meiner zu großen Liebe zu den Sterblihen. Da ſchwirrt 
es in den Lüſten von Flügelſchlag. Die Okeaninen, des Okeanos 
Töchter, haben von Ferne den Hammerſchlag gehört, als Prometheus 
hier an die Felſen geſ<miedet wurde, und ſind herbei geflogen. Jett 
erſcheinen ſie im rhythmiſ<hen Chor in der Orcheſtra, die im Halbrund 
vor der Skene ſih um den Altar des Dionyſos, um die Thymele 
öffnet, in ihren Chorgeſängen die Handlung mit ihren theilnehmenden
	        

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