Full text: Pädagogisches Archiv - 8.1866 (8)

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Tiber die Fluth des Deukalion und der Pyrrha ſich wiederholen (1, 2). 
Nachdem dann Auzuſtus die fur<tbaren, in unſinniger, frevelbaſter Wuth 
gegen ihn ſic< erhebenden Feinde niedergeworfen und nach beendigtem 
Kampf mit weiſer Mäßigung dem Erdkreis die Ruhe und den Frieden 
zurü&gegeben hat, erinnert der Dichter (111, 4, 42), wie ebenſo Jupiter, 
nachdem er die gottloſen, ſ<hre>lichen Titanen mit herabgeſchleudertem 
Vliß und die himmelſtürmenden Giganten überwältigt, nun allein mit 
Gerechtigkeit im Himmel und auf Erden und unter der Erde über die 
Götter und die ſterblihen Menſchen waltet; denn bloße Kraft ohne 
Ueberlegung ſtürzt durc< ihre eigene Laſt (vis consili expers mole 
ruit 8ua), und die Götter, welche jeden Frevelmuth haſſen uud mit 
Strenge ſtrafen, fördern und erheben dagegen die gemäßigte Kraft, 
Aber die frevelvollen Leidenſchaften ſoll einſt Prometheus bei der erſten 
Schöpfung von den Thieren entlehnt den Menſc<en ins Herz gepflanzt 
haben (1, 16, 19) oder in anderer Auffaſſung, nac<dem Prometheus, 
der dafür im Tartarus büßt, in Frevelmuth mit verderblicher Liſt von 
der Himmelsburg das Feuer ſtahl und den Menſchen brachte, mit dem 
ſo geſtohlenen Feuer aber ein bis dahin no< unbekanntes Heer von 
Krankheiten und Uebeln, wie auch der beſchleunigte Tod, ſich über die 
Erde lagerte, hat auch derſelbe Frevelmuth, den Göttern zum Troß alles, 
wie auch die gefahrvolle Schiffahrt, zu wagen, in den verbotenen Frevel 
zu ſtürzen und ſelbſt den Himmel zu ſtürmen und damit Zorn und 
Strafe des Zeus immer wieder herauszufordern, das Menſc<hengeſchlecht 
ergriffen (1, 3, 25). Auch hier fällt Prometheus nicht als Repräſen- 
tant der Menſchen mit dieſen zuſammen, ſondern gilt vielmehr als ihr 
Urheber und ihr zwar verderblihes Vorbild. In ſolcher Weije aljo 
ſollten wir alle den im Frevelmuth troßenden Sinn vom Prometheus, das 
verzagte Menſchenherz vom Epimetheus erhalten und ererbt haben, ohne 
daß es dem Alterthume vergönnt war, ein Heilmittel für dieje Erb- 
krankheit zu finden, 
Aber faſſen wir nun zum Schluß das Ganze zuſammen, wie merkwürdig 
ſind die einzelnen Züge, die uns aus der PrometheusSſage entgegentre- 
ten. Zuerſt der Menſchenbildner Prometheus, der dem von ihm nac< 
ſeinem göttlichen Bilde geſtalteten Menſchen die lebendige Seele einhaucht ; 
dazu das Weib, die dem Menſchen gegeben iſt als die Urſache alles 
Uebel3; ferner wie Prometheus in der Sintfluth das eine Tieunſchen- 
paar in der Arche errettet und daraus cin neues Menſ<engeſc<lecht 
eittſichen läßt; dann die für alle uns Menſchen erwieſenen Wohlthaten 
angepfählte Geſtalt des gefeſſelten Gottes, auch einer Aut Mittlers zwi- 
ſchen Gott und den Menſchen, und zuleßt des wieder aus den Todes-
	        

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