Full text: Pädagogisches Archiv - 8.1866 (8)

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Die in dieſer Zeit wahrſcheinlih meiſt für die armen und Freiſchüler, 
die Currendeknaben, beſtimmte Klaſſe wird gar nict mehr mitgezählt, 
da ein regelmäßiger Unterriht an dieſe wohl überhaupt nicht mehr 
ertheilt ward, ſie vielmehr nur dann vorgenommen wurden, wenn über- - 
flüſſige Muße da war. | 
Für das innere Gedeihen der Schule konnte durch neue Gejeße 
und Verfügungen, mit denen auch die neue Periode nam dem Lübeder 
Frieden eröffnet worden war, und nach denen im Laufe der Zeit noc< 
zum Öfteren ein Verlangen hervortrat, nichts weſentliches gewonnen 
werden. Alle dieſe Aenderungen bezeichnen jedo<m hauptſächliche Punkte 
in der Entwickelung des Schulweſens überhaupt, wie jie unter mancherlei 
Modificationen auch in anderen Ländern wahrgenommen werden. Nur in 
dem Unterrichte ſelbſt, der auf einer ſo feſten und anerkannten Grundlage 
ruhte, ſcheint keine weſentliche Aenderung vorgenommen worden zu 
ſein, wenn auch, ſeitdem die Vorbildung junger Theologen nicht mehr 
als der ausſchließlihe Zwe> daſtand, das Hebräiſ<e allmählich ganz 
im Wegfall kam. Das Uebrige betraf meiſtens Nebendinge. Zn den 
Ordnungen von 1630 wird der Aufführung terenziſcher Komödien, 
wobei „Dominus Rector auch einige Scenen nehmen und fleißig mit 
den Tertianern und Quartanern durc<gehen“ joll, ausdrüclich erwähnt, 
aber nicht in Coſtüm, ſondern in gewöhnlicher Kleidung. Aber eine 
weſentlich andere Stellung wurde von nun an dem Nector zu Theil, 
die aus der früheren Jſolirtheit entſchieden heraustrat. Zwar wird 
dabei ihm und ſeinen Collegen mutua et fraterna concordia einge- 
ſchärft und von ihm namentlich die gebührende Unterſtüßung der an- 
deren Lehrer beſonder8 gegen die coutumaces discipuli verlangt. Da- 
gegen ſoll e38 des Nectors officium ſein, Inſpection und Direction in 
der ganzen Schule zu halten; die Lehrer ſollen ſich dem ohne Wider- 
rede fügen, was er ihnen in lectionibus et exeraitiis Scholasticis 
auferlegen wolle; er hat die Macht, den Schülern, die die Schule ver- 
laſſen, ihre Zeugniſſe zu übergeben, ohne die Zuſtimmung der anderen 
Lehrer dazu einzuholen ; halbjährlich jol er in der Schule einen cata- 
logus lectionum et exercitiorum in gingulis clasgibus aufhängen, 
wonach Lehrer und Schüler ſich richten ſollen. -- Man ſieht, es liegt 
dieſen Anordnungen das dunkle Gefühl zum Grunde, daß eine Schule 
ein lebendiger DrganiSmus und in einer feſten Einheit verbunden ſein 
müſſe; aber die erſten Grundzüge dazu ſind in einer ganz einſeitigen 
Weiſe vollzogen worden. Auc< das Bewußtſein, daß eine ſolche Lehr- 
anſtalt aus der communalen Umgrenzung zu einer ſtaatlichen Bedeu- 
tung erhoben werden müſſe, zeigt ſich darin, daß die für die Schule
	        

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