Full text: Pädagogisches Archiv - 8.1866 (8)

 
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iſt, ſhon auf dem Titelblatte deutlih angegeben. Referent geſteht, daß 
er mit großem Jutereſſe den Gang verfolgt hat, den derſelbe einge- 
ſ<lagen, um die Aufgabe, die er ſich ſelbſt geſtellt, zu löſen. Zn wie 
weit die Zöglinge der Volks-Schullehrer-Seminare in die Kenntniß der 
deutj<en Nationalliteratur einzuführen ſeien, darüber gehen die Anſichten 
der Pädagogen nach ihrem verſchiedenen Standpunkte ſehr auseinander, 
Zm Allgemeinen iſt man wohl darüber einig, und au< für höhere 
Bildungsauſtalten iſt der Grundſatz zur Geltung gekommen, daß es in 
jeder Beziehung förderlicher ſei, die Zöglinge in die Lectüre ſelbſt einzu- 
führen als dieſelben mit einer Menge Namen von Schriftſtellern und 
deren GeiſtesSproducten bekannt zu machen und nac< Mittheilung einiger 
zum Theil abgerijſener Proben aus deren Werken zu veranlaſſen, ein- 
jeitige Urtheile über deren Leiſtungen im Gebiete der deutſc<hen National- 
Literatur nachzuſprechen. Ueber Zwe> und Ziel des Unterrichts der 
deutſ<en National-Literatur in Gymnaſien hat ſi< Ref. bei anderen Gelegen- 
heiten ausgeſpro<hen. Was die Einführung der angehenden Volksſ<Hullehrer 
in die Kenntniß der deutſ<en Scriftwerke anbelangt, ſv enthalten die 
drei preußijchen Negulative von 1854 bemerkenswerthe Fingerzeige. 
Nachdem die Grundſäße, die beim deutſchen Sprachunterricht zu befolgen 
ſind, dargelegt worden, heißt es weiter: „Mit dem deutſchen Sprah- 
unterricht iſt die Privatlectüre in einen geordneten und die Zwecke des- 
jelben fördernden Zuſammenhang zu bringen. -- Für jeden Curſus iſt 
eine geeignete AuSwahl von Schriften zu treffen, und hat jeder Zögling 
zu gewiſjen Zeiten über die Venußung und das Verſtändniß der ihm 
zur Lectüre bezeichneten Schriften dem Lehrer Rechenſchaft zu geben. 
Abgeſehen von der dadurc< für die Seminariſten bezweten Sprach-, 
Gemüths- und Characterbildung iſt bei Auswahl der betreffenden Schriften 
und bei der Anleitung zum Leſen derſelben auch der Einfluß zu wür- 
digen, welchen die künftigen Lehrer über die unmittelbaren Gränzen der 
Elementarjc<ule hinaus auf die Bildung und Geſittung des Volkes üben 
können. =- Ausgeſchloſſen von dieſer Privatlectüre muß die ſogenannte 
tajfiſche Literatur bleiben; dagegen findet Aufnahme, was uach Inhalt 
und Tendenz kir<liches Leben, <hriſtliche Sitte, PatriotiSmus und ſinnige 
Betrachtung der Natur zu fördern und nah ſeiner volksthümlich anſchau- 
lichen Darſtellung in Kopf und Herz des Volkes überzugehen geeignet 
iſt.“ Im weitern Verlauf der Darlegung wird darauf hingewieſen, 
daß jowohl der Gebrauch des Wacernagelſchen Leſeyuches wie die Re- 
gelung der Privatlectüre Veranlaſſung und Gelegenheit biete, die Zög- 
linge ohne Betreibung der Literaturgeſchic<te mit“ demjenigen bekaunt zu 
machen, was ihnen aus der Geſchichte der National-Literatur und aus 
Pädagog. Archiv 1866. Bd, VIII, (10) 49
	        

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