Full text: Pädagogisches Archiv - 8.1866 (8)

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bloß bei dem Unterricht der Jugend, ſondern als einen trefflichen Haus- 
ſ<haß zur Lectüre empfehlen. 
Schweidnit. I. Schmidt. 
Studien zur Geſchichte des zweiten Kreuzzuges von B. Kugler. Stuttgart, 1866 
222 S. 
Der Verfaſſer bezeichnet ſeine Arbeit als Studien, da einige 
Abſchnitte der Geſchichte des zweiten Kreuzzuges nicht mit der Ausführ- 
li<feit behandelt ſeien, wie ſie von einer eigentlihen Geſchichte hätte 
gefordert werden müſſen. Nichtsdeſtoweniger nehmen wir das Darge- 
botene mit Dank an, und begrüßen namentlic< ſowohl das kritiſche 
Verfahren als den hiſtoriſchen Bli> des Verfaſſers mit rechter Freude, 
Dem zweiten Kreuzzuge iſt bi8 jezt nicht das Glü> zu Theil geworden, 
wie dem erſten, eine e<t kritiſche Behandlung zu erfahren, welche den 
Kern der Ereigniſſe von den Sagen und Erdichtungen ſäubert, welche 
ſich gleich nach Beendigung des Kreuzzuges daran angeſeßt haben, und 
die Motive bloslegt, wel<e doc<h unter dem ſcheinbar wilden und plan- 
loſen Treiben gewirkt haben. Wilken's Darſtellung iſt durc< die Anſicht, 
welche der berühmte Hiſtoriker von der Beſchaffenheit und dem Werthe 
der Quellen hegt, völlig befangen und vielfach irre geleitet. Dann haben 
die Gemälde, welche der General von Funk entworfen hat, meiſt eine 
richtige Grundanſchauung, aber ſie entbehren einer ſicheren Grundlage; 
mit großem hiſtoriſchen Sinne hat darauf Sybel in einem Aufſaß, der 
zuerſt 1845 in der Zeitſchrift für Geſchichtswiſſenſ<haſt IV. und jeßt 
aufs Neue in ſeinen kleinen hiſtoriſ<en Schriften erſchienen iſt, dieſen 
Kreuzzug aus einem neuen Geſichtspunkt betrachtet, und ſpäter in einem 
Aufſaße in der Kieler Monatsſhrift, wenn mich nicht das Gedäctniß 
täuſcht, gezeigt, wie auch hier den großen Ereigniſſen die Sagenbildung 
auf dem Fuße nachfolgt; jezt bietet uns unſer Verfaſſer eine Darſtellung 
dieſes merkwürdigen Zuges, welcher, wie Sybel ſehr ſc<hön bemerkt, nicht 
blos der Zeit, ſondern ſeinem ganzen Charakter nach zwiſchen dem erſten 
und dritten in der Mitte liegt. 
Der Vf. ſucht zuerſt eine feſte Grundlage zu gewinnen: er wen- 
det ſich zunächſt zu einer Kritik der Quellen. 
Das Schreiben des Pabſtes Eugen 111. an Ludwig VIl., in 
- welchem die Franzoſen zu einem neuen Kreuzzuge aufgerufen werden, 
ſeßt er mit Recht in das Frühjahr 1146, nicht in den Dezember 1145; 
was für die Frage, ob die Jnitiative zu dieſem Unternehmen von dem 
Pabſte oder von dem Könige ausgegangen ſei, von Wichtigkeit iſt. Eine 
ähnliche Controverſe knüpft ſi an das Schreiben, welches der heilige
	        

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