Full text: Pädagogisches Archiv - 22.1880 (22)

 
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bart's ſorgfältigen Ermittelungen 18,8 Jahr iſt, Wenn das Durc- 
ſ<nitt8alter der Gymnaſialabiturienten immer no< faſt ein Jahr mehr 
beträgt, ſo erklärt ſim das einfa<h daraus, daß die Gymnaſien in Folge 
ihrer bevorzugten Stellung von einer großen Zahl Schüler, meiſt vom 
platten Lande, beſucht werden, die wegen mangelhafter Vorbildung, 
vielfa< auc< wegen geringer Befähigung, ſpäter in die oberen Klaſſen 
gelangen und hier die mit dem Examen verbundenen Beneficien und 
Privilegien glei<ſam erſigen. Solche Schüler finden ſich namentlich 
in Menge in den öſtlihen Landestheilen Preußens, während umgekehrt 
die Realſchulen in den rheiniſ<en Jnduſtrieſtädten ſi< durc< jugend- 
liches Alter ihrer Abiturienten (18,3 Jahre im Durchſchnitt) auszeich- 
nen. Ebenſo große Verſchiedenheiten finden ſic< aber auc< bei den 
Gymnaſien. Bei ſol<hen, die halbjährige Curſe haben, iſt es nicht nur 
möglich, ſondern häufig der Fall, daß Schüler mit 17--18 Jahren 
das Abiturientenexamen machen. Der Umſtand, daß dieſe Schüler 
gerade die begabteſten ſind, gleiht den Mangel des Alters ſo voll- 
ſtändig aus, daß dieſe jüngeren Abiturienten in der Regel das beſte 
Examen machen und gegen ihre Zulaſſung zu Univerſitätsſtudien kein 
Einſpruc<ß erhoben wird. Au iſt nie darüber Klage geführt worden, 
daß dieſe jüngeren Studenten ſich ihrer Aufgabe nicht gewachſen ge- 
zeigt hätten. Was bei den Gymnaſialabiturienten als unbedenklich 
gilt, ſol nun bei den Realſchulabiturienten ein Vorwurf ſein? Wäh. 
rend in Wirklichkeit die Zahl der jungen Abiturienten des Gymnaſiums 
nur etwas kleiner iſt als die der Realſchule, ſollen die letzteren alle, 
jung und alt, für Univerſitätsſtudien nicht die erforderliche geiſtige 
Reife haben, die des Gymnaſiums alle unbedenkli<h. Das heißt doch 
nicht mit gleihem Maße meſſen. Hängt doch die geiſtige Reife keines- 
wegs vom LebenZSalter allein ab, und lehrt doc< die Erfahrung, daß, 
je höher der Realſchule die Ziele geſte>t wurden (das iſt die einfache 
Folge der Erweiterung ihrer Berechtigungen), deſto mehr ſich auch die 
Anforderungen an die geiſtige Durc<bildung der Schüler ſteigerten. 
Unverkennbar iſt dies jowohl nac< 1859 wie insbeſondere ſeit 1870, 
wo der Realſchule die Zulaſſung zu Univerſitätsſtudien innerhalb der 
philoſophiſchen Facultät eingeräumt wurde, eingetreten. Welchen gün- 
ſtigen Erfolg aber dieſe Steigerung der Anſprüche an die Geſammt- 
reife gehabt hat, zeigen die Ergebniſſe der Staatsprüfungen zum Ober- 
lehrer-Examen, bei denen in den gemeinſchaftlihen Fächern: Mathe- 
matik, Naturwiſſenſ<aften und neueren Sprachen die früheren Reals
	        

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