Full text: Pädagogisches Archiv - 22.1880 (22)

 
 
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aus lateiniſchen oder griehiſchen Dichtern, mit denen no< immer viele 
ihre klaſſiſ<e Bildung beweiſen zu ſollen glauben. Danach muß die 
Furc<t vor den Aerzten zweiter Klaſſe mit Richter, Hueter und Eulen- 
burg, deren darauf bezügliche Anſichten j<on oben angeführt worden 
ſind, al8 ein Vorurtheil angeſehen werden, „gegen das mit Gründen 
anzukämpfen vielleiht vergeblich iſt. Zeit und Gewohnheit werden 
hier helfen.“ *) 
Die Beſorgniß, daß durc< die Zulaſſung der NRealſ<ulabiturienten 
zum mediciniſhen Studium ſich demſelben immer mehr mittelmäßige 
Köpfe d. h. ſolche zuwenden würden, welhe mit den alten Sprachen 
nicht fertig werden, beruht auf der, wie ſ<on oben auseinandergeſeßt 
worden iſt, unrichtigen Vorausſezung, einerſeits, daß zur Erlernung 
der alten Sprachen eine höhere Begabung als zum Verſtändniß der 
Mathematik und der Naturwiſſenſchafiten erforderlic< ſei, andererſeits, 
daß jeder, der thatſä<hlich die alten Sprachen nicht erlernt habe, ein 
mittelmäßiger Kopf ſein müſſe. Die Erfahrung lehrt aber, daß ſehr 
fähige, ja geniale Köpfe (Liebig z. B.) die alten Sprachen, obwohl es 
ihnen an Gelegenheit zur Erlernung derſelben nicht fehlte, nicht erlernt 
haben, und daß umgekehrt aus denen, die ſie bewältigt und zwar mit 
gutem Erfolg bewältigt haben, niht immer namhafte Gelehrte, ge- 
ſchweige denn tüchtige Aerzte geworden ſind. Daß dazu no< ganz 
andere Eigenſ<haften gehören, brau<t hier nic<t wiederholt zu werden, 
wie e3 auch faſt müßig iſt, zu bemerken, daß, wenn die Realſchule 
ſelbſtverſtändlich, wie bi8her das Gymnaſium, auc< manchen mittel- 
mäßigen Kopf zum Studium der Medicin entlaſſen wird, dom vorzugs- 
weiſe die fähigſten Nealſhüler ſi< dem mediciniſchen Studium zuwen- 
den werden, nicht bloß ſo lange ihnen das Studium der Juri3prudenz, 
Theologie und klaſſiſ<en Philologie verſchloſſen iſt, ſondern auc< ſpä- 
ter noch, weil ihr ganzer Bildung8gang ſie, um mit Richter zu reden, 
„aus der Bücherwelt heraus und in die wirkliche Welt hinweiſt, in 
der ſi< ni<t nur die mediciniſ<hen Studien, ſondern auch der ärztliche 
Beruf bewegt." Unter den Einwendungen der ärztlihen Gutachten 
*) Treffend bemerkt Dr. Hofmann als Referent der Unterricht8commiſſion: 
„Man wendet ferner ein, wir würden nah dieſer Neuerung Aerzte 1. und 2. Klaſſe 
haben; aber wir haben ja jeht ſchon Aerzte nicht bloß 1. und 2. Klaſſe, ſondern 
auch 3., 4. und 5. Klaſſe, und nicht hat die Gleichheit des Shulzeugniſſes dieſes 
gehindert und durc<haus nicht immer werden die höheren Klaſſen von denen ein- 
genommen, welc<e auf der Schule die oberen waren.“
	        

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