Full text: Pädagogisches Archiv - 22.1880 (22)

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ſind die unter V zuſammengeſtellten wohl die hinfälligſten. Kaum 
ſtärkere Beachtung aber verdient die folgende Behauptung : 
VI. Die Ungleichheit der Vorbildung, welc<he unter den 
Medicinſtudirenden nac< Zulaſſung der Realſ<hulabitu- 
rienten al8bald eintreten müßte, würde beim Univerſi- 
tätsſtudium als ein ſtörender Umſtand empfunden werden, 
E3 ſind unſeres Wiſſens die akademiſ<en Gutachten der preußi- 
ſhen Univerſitäten v. J. 1870, nächſtdem die Profeſſoren Zürgen 
Bona Meyer in Bonn und Lothar Meyer in Tübingen*), welche die 
eventuelle Verſchiedenheit der Vorbildung der daſſelbe Colleg beſuchen» 
den Studenten betont haben, auf die au< einige der ärztlichen Gut- 
achten als ein weſentliches Hinderniß der Zulaſſung der Nealſc<ulabi- 
turienten hinweiſen. Daß es für den Docenten bequem und in mancher 
Beziehung auch vortheilhaft für die Hörer iſt, wenn die erſteren „unter 
der Vorausſezung einer weſentlich gleihmäßigen Vorbildung der Zu- 
hörerſ<haft arbeiten können“, wollen wir gern einräumen. Wie geſtal- 
tet ſich denn aber die Sache in der Wirklichkeit ? Der Profeſſor, der 
ein ſtärkeres Auditorium vor ſich hat, iſt in der Regel gar nicht in 
der Lage, ſic< eine genauere Kenntniß von der Vorbildung ſeiner Zu- 
hörer zu verſchaffen, unter denen ſich ja auc< eine Menge Nichtſtuden- 
ten, Officiere, Kaufleute nnd Gebildete aus anderen Kreiſen befinden 
fönnen und bei geſ<häßten Univerſitätsprofeſſoren faſt regelmäßig befinden, 
Eine Verpflihtung, auf den vielleicht ſehr verſchiedenen Bildung3grad 
und Kenntnißſtand dieſer gemiſchten Elemente Rüſicht zu nehmen, be- 
ſteht für den Docenten doc< ni<t. Wie natürlih auch der Wunſ< iſt, 
von allen Zuhörern verſtanden zu werden, ſo wird der Profeſſor, wenn 
er nicht eine populäre, ſondern eine ſtreng-wiſſenſ<haftlihe Vorleſung 
angekündigt hat, unbeirrt dadur<, daß eine größere oder geringere 
Zahl ſeiner Zuhörer ihm vielleicht nicht folgen kann, den wiſſenſchaft: 
lihen Standpunkt wahren und denſelben auch dann nicht aufgeben, 
wenn er ſieht, daß allmählic< die Reihen feiner Zuhörer ſich lichten. 
Wie nun ein Profeſſor der Philologie z. B. durc< die Thatſache, daß 
er unter ſeinen Zuhörern eine Anzahl Realſc<hulabiturienten weiß, ſic 
abhalten laſjen ſollte, griehiſ<e Kenntniſſe vorauszuſezen, Citate aus 
griehiſ<en Scriftſtellern zu geben, wenn ihm dies in der Verfolgung 
*) Die Realſchulfrage und die Univerſitäten. Von Fürgen Bona Meyer. 
Im Deutſchen Reich 1872 11. Lothar Meyer: Die Zukunft der Deutſ<hen Ho<h- 
ſ<ulen und ihrer Vorbildung3anſtalten. Breslau 1873 und „Ueber Akademiſche 
Lernfreiheit" in Lindau38 Nord und Süd 1879.
	        

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