Full text: Pädagogisches Archiv - 22.1880 (22)

 
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Umſtand nöthigt uns, no< einen Augenbli> bei dem augenbli>lich 
vorliegenden Thema zu verweilen. Profeſſor Lothar Meyer in Tübin- 
gen, unjer unverſöhnlicher Gegner, klagt in ſeiner neueſten, bereits 
angeführten Schrift „Ueber akademiſc<he Lernfreiheit" nicht mur über 
die Erſ<werung des akademiſchen Unterrichts durch die Ungleichheit 
der Vorbildung, ſondern auc<h über die damit in engem Znſammen- 
hang ſtehende Verdrängung der Gymnaſiaſten durc< die Nealſchüler 
aus dem Studium der Naturwiſſenſ<aften, beſonder8 der Chemie, der 
ſim, wie er annimmt, die Verdrängung aus der Medicin eventuell zu- 
geſellen werde. Die Bedeutung, wel<e mehrere der mediciniſ<en Gut- 
ac<ten, beſonders das Heidenhain's, dem Urtheile Lothar Meyer's bei- 
legen, rechtfertigt e8, wenn wir dieſe neueſte Aus8laſſung L. Meyer's 
über die NRealſ<hulfrage einer beſonderen Würdigung unterziehen, 
Zunächſt iſt auffallend, daß Herr Meyer die einfache Thatſache, die 
wahrlich Niemand befremden kann, daß die Zahl der Naturwiſſenſchaf- 
ten ſtudirenden Gymnaſiaſten (doch jedenfal8 ohne Schuld der Neal- 
ſchüler) immer kleiner wird, eine Verdrängung nennt. Dieſe „Ver- 
drängung“ der Gymnaſiaſten ſcheint ihm in der Hauptſache dadurd 
bewirkt zu ſein, daß das Abgang8- und Reifezeugniß der Realſchule 
leichter, ſOneller und daher billiger zu erlangen iſt. Dieſe Behauptung 
iſt bereits am Scluſſe von 11] widerlegt worden und nimmt ſich in 
der That ſeltſam aus, nachdem L. Meyer in derſelben Schrift uns, 
wenige Zeilen weiter oben, mitgetheilt hat, daß neben den Abiturien- 
ten der Gymnaſien in der philoſophiſchen Facultät (nur dieſe kann 
gemeint ſein) ni<t nur die der NRealſ<hulen 1. Ord., ſondern auc< 
Schüler dieſer und anderer Anſtalten, die die Schule nic<t abſol- 
virten, auſgenommen würden. Dieſe ganze Geſellſ<aft, nac<ß Lothar 
Meyer's Shäßung auf allen Univerſitäten des Reiches zuſammen 
1--2000, wird nun von ihm ohne Weiteres unter der Bezeichnung 
ſtudirende Nealſhüler zuſammengefaßt. Dabei muß natürlich jeder an 
Abiturienten der Realſchule 1. Ord. denken, von denen man ja weiß, 
daß ſie die Berechtigung zum Studium innerhalb der philoſophiſchen 
Facultät haben.*) Lothar Meyer macht in der Erwähnung ihrer Lei- 
*) Der Schreiber dieſes kann nicht umhin, hier einige Sophismen aufzu- 
de>en, die ſich Lothar Meyer in ſeinem Eifer gegen die Realſchulen in dieſer 
Schrift erlaubt hat. Er theilt uns mit, daß Reuleaux, der Director der Berliner 
Gewerbe-Akademie in einem 1874 an den damaligen Director des Karlsruher 
Polytehnikums gerichteten Schreiben ſich tadelnd über die Gewerbeſchulen aus- 
Pädagogiſches Archiv. Band XXI], (2.) 1880. 9
	        

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